Brennstoffzelle: Das Auto der Zukunft?

Reines Gewissen ohne Reichweitenproblem: Das E-Auto mit Brennstoffzelle produziert seinen Strom einfach selbst.

Olena Sergienko/Unsplash

Man stelle sich ein Auto vor, das keine schädlichen Abgase produziert und dazu noch binnen weniger Minuten vollgetankt werden kann – ein Auto also, das die Vorteile von elektrischem und Benzinantrieb vereint. Das ist keine Fantasie, das gibt es bereits. In Hamburg fahren bereits seit 2011 Busse des ÖPNV mit diesem Antrieb. Mehrere Automodelle mit einem solchen Antrieb sind bereits tauglich für den Massenmarkt, wie der Hyundai Nexo, der Toyota Mirai und der Honda Clarity.

Im Grunde ist ein Brennstoffzellenauto ein Elektroauto mit eigenem Kraftwerk, das aus Wasserstoff die elektrische Energie für den Antrieb selbst erzeugt. Es hat also einen Tank, den man hin und wieder mal auffüllen muss, wie man es kennt.

Was kann das Brennstoffzellenauto besser?

Genau wie das batterieelektrisch betriebene Auto fährt das Wasserstoffauto vollkommen ohne schädliche Abgase und damit sehr umweltfreundlich – solange bei der Herstellung des Wasserstoffs Solarenergie, Windkraft oder andere regenerative Quellen zum Einsatz kommen. Aus dem Auspuff kommt nichts als Wasser.

Gegenüber dem rein elektrisch betriebenen Auto hat das Brennstoffzellenauto einen entscheidenen Vorteil: Die Reichweite ist im Grunde kaum von Belang. Für den Hyundai Nexo wird sie mit 800 Kilometern angegeben, was schon einmal recht gut ist, außerdem dauert das Tanken nur Minuten – wie beim Benzin. Außerdem stellen die Akkus der E-Autos eine Art Teufelskreis dar, weil sie schwer sind und deshalb der Motor mehr leisten muss, was wiederum auf die Reichweite schlägt. Autos mit Brennstoffzelle brauchen nur eine wesentlich kleinere Batterie und einen kleinen Puffer, sie haben dieses Problem also nicht.

Ein vermeintlicher Nachteil der Brennstoffzelle entpuppt sich bei genauerem Hinsehen sogar als Vorteil: Während ein rein elektrisches Auto fast keine zusätzliche Wärme erzeugt, tut ein Wasserstoffauto dies schon, die Energieausbeute für den Antrieb liegt bei 60 Prozent, der Rest wird als Wärme an die Umwelt abgegeben. Mit der kann man im Winter aber das Innere des Autos heizen – beim rein elektrischen Fahrzeug erledigt das die Batterie, was dann wieder auf Kosten der Reichweite geht.

Warum fahren die noch nicht überall?

Das Problem liegt derzeit noch beim Preis: Für Deutschland gilt ein einheitlicher Preis von 9,50 Euro pro Kilogramm Wasserstoff, womit ein Auto dann etwa 100 Kilometer weit fahren könnte. Das bedeutet, dass man kaum günstiger fährt als mit einem klassischen, halbwegs sparsamen Verbrenner – aber deutlich mehr für die Anschaffung bezahlt. Der SUV Hyundai Nexo kostet ab 69.000 Euro, also etwa so viel wie ein BMW X5. Momentan (November 2018) gibt es außerdem in Deutschland nur 53 Tankstellen, die Wasserstoff anbieten, weitere 40 sind in Planung oder Bau. In den Großstädten gibt es allerdings oft gleich mehrere, entlang der Autobahnen rüsten Tankstellenbetreiber langsam, aber stetig nach.

All das sind aber Kinderkrankheiten: Wenn der Bedarf vorhanden ist und Wasserstoff in größerem Umfang produziert wird, fällt auch dessen Preis, außerdem werden die Autos günstiger, wenn mehr von ihnen hergestellt werden. In einigen Jahren könnte die Anschaffung eines Brennstoffzellenautos also durchaus kaum teurer als die eines Autos mit Verbrennungsmotor sein. Übrigens: Wie batterieelektrisch betriebene Autos werden auch solche mit Brennstoffzelle mit bis zu 4.000 Euro vom Bund gefördert.

Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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