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Flugautos werden Wirklichkeit

Autos, die fliegen können, kennt man vor allem als Ideen von ambitionierten Tüftlern. Doch ein neuer Ansatz hat echte Chancen, Wirklichkeit zu werden.

Wer stand nicht schon einmal im Stau und wünschte sich, das Auto könnte einfach vom Boden abheben und den direkten Weg zum Ziel durch die Luft nehmen? Autos, die auch fliegen können, diese Idee ist schon 100 Jahre alt, im Jahr 1936 fand sogar schon der erste erfolgreiche Flug eines Flugautos über Washington D.C. statt. Trotzdem kamen sämtliche Entwicklungen nicht über Konzepte oder Prototypen hinaus. Zu unpraktisch war das, was da gezeigt wurde. Oft waren es Autos mit sperrigen Tragflächen, mit denen man kaum irgendwo herumfahren konnte. Für die meisten Menschen war die Idee eh utopisch: Wer hat schon sowohl einen Führer- als auch einen Pilotenschein? Neuerdings gibt es allerdings ein Konzept, das sehr viel durchdachter erscheint – und in nicht allzu ferner Zukunft den Verkehr deutlich verändern könnte.

Erdacht haben es sich keine verrückten Erfinder, sondern Ingenieure und Designer von Airbus und Audi, also zwei Firmen, den man in den Bereichen Straßen- und Luftverkehr einiges an Kompetenz zutrauen kann. Ihre Idee stützt sich dabei auf zwei Technologien, die bereits ausgereift oder in der fortgeschrittenen Entwicklung sind: autonom fahrende Autos und Drohnen. Kernstück des Pop.Up Next, wie der Name des Konzepts lautet, ist eine Kabine, die wahlweise und automatisch an einen fahrbaren Untersatz oder einen Oktocopter, also eine Drohne mit acht Rotoren, gekoppelt wird.

Anders als bei den meisten der bisherigen Ideen geht es hier nicht um ein Fahrzeug, das man sich für den persönlichen Gebrauch anschaffen soll. Pop.Up Next ist ein Konzept für automatisierten, öffentlichen Personentransport – wie ein Taxi, nur ohne Fahrer. Der Ablauf könnte etwa wie folgt sein: Sobald man, etwa über eine App, ein Pop.Up Next bestellt hat, kommt das nächste verfügbare Gefährt vorgefahren. Nach Eingabe des Ziels kalkuliert ein Algorithmus anhand der Strecke und des Verkehrsaufkommens, ob dieses besser über die Straße oder durch die Luft erreichbar wäre. Im zweiten Fall fährt das Pop.Up Next entweder zu einem an einer zentralen Sammelstelle wartenden Drohnenaufsatz – oder zu einem geeigneten Ort, zu dem dann auch der Oktocopter fliegt und sich andockt.

Die Technik ist fast bereit

Freilich ist das alles noch etwas Zukunftsmusik, denn so ein Gerät müsste nicht nur auf der Straße vollkommen autonom agieren können, sondern auch in der Luft. Außerdem müssten Menschen bereit sein, sich von einem fahrer- oder pilotenlosen Gefährt durch die Gegend fliegen zu lassen, was sicher noch viel Überzeugungsarbeit bedürfen wird. Nicht zuletzt müsste ein innerstädtischer Luftverkehr dieser Art auch erst gesetzlich geregelt werden: In welchen Höhen sollen die Flugtrassen liegen, wer weicht wem aus, wie schnell darf geflogen werden und so weiter.

Dennoch ist das Konzept Pop.Up Next deutlich besser durchdacht als alle bisherigen Ideen. Zum einen können davon nicht nur Piloten profitieren, zum anderen setzt es auf den zukunftsträchtigen Ansatz autonomer Sharing-Fahrzeuge. Anders als die bisherigen Autos mit Tragflächen ist es sogar sehr flexibel, was Start- und Landeplätze angeht. In einem zukünftigen Verkehrskonzept einer Smart City könnte es also durchaus einen Platz haben.

Artikel vom

von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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