Elektroautos kaufen: Abwarten oder zuschlagen?

Ein neues Elektroauto kaufen oder lieber abwarten? Das fragen sich momentan viele. Wir bringen Licht ins Dunkel. Ein Überblick.

Des Deutschen liebstes Kind ist ein Auto, heißt es. Mit einer Ausnahme: Die Elektroautos! Trotz Einführung der Kaufprämie – reine Elektrofahrzeuge werden seit Juli 2016 mit 4.000 € bezuschusst, während Käufer von Plugin-Hybriden 3.000 € Nachlass erhalten – geht der Verkauf von alternativen PKWs sehr schleppend voran. Laut Bafa gingen knapp unter 1.000 Anträge bis Mitte Juli ein. Bafa? Die Bafa ist die Behörde des Wirtschaftsministeriums, die über die Förderanträge entscheidet und damit den elektrischen Seismometer darstellt.

Ob das nicht eher eine Enttäuschung ist? In Deutschland gehen jeden Monat 250.000 Neuwagen über die Ladentheke. Der Anteil an reinen Elektrofahrzeugen und Plugin-Hybriden ist und bleibt verschwindend gering. Aber hat nicht erst jüngst der kalifornische US-Autobauer Tesla Motors ein neues Modell vorgestellt, das mit über 400.000 Vorbestellungen für ein Erdbeben in der Branche gesorgt hat und 2018 auf den Markt kommen soll? Tesla spielt werbetechnisch als Pionier in einer anderen Liga. Diesen Schuh können sich die etablierten Autokonzerne so nicht anziehen. Pionierkäufer kaufen eben beim Pionierhersteller. Sprich? Das Interesse ist zweifellos vorhanden, wie es Tesla beweist und Vorreiter unter den Käuferschichten anspricht. Die Art von Käufern demonstriert damit bewusst Innovationsfreudigkeit und Progressivivtät. Doch umgekehrt ist die Zurückhaltung der meisten Kunden erklärlich, die auf gute Hausmannskost denn Erlebnisabenteuern in hypermodernen Stromfahrzeugen setzen. Das hat wenig mit Technologiefeindlichkeit zu tun. Es handelt sich um simple Gründe, die bestechen:

Ob mit oder ohne Kaufprämie erscheint potentiellen Käufern der Preis gegenüber herkömmlichen Verbrennern nach wie vor viel zu hoch. Und der Geldbeutel ist beim Autokauf das alles entscheidende Kriterium. Gerade in dieser Hinsicht wurde befürchtet, dass die bisherigen Anbieter von Stromern die 4.000 € Kaufprämie nutzen, um den Listenpreis zu erhöhen. Prompt preschte Renault mit dem Modell Zoe vor. Der damit faktisch immer noch 16.500 € kostet. Dieses Verhalten trug nicht gerade zu einem gesteigerten Vertrauen bei. Zumal nach wie vor eine große Verunsicherung ob ungenügender Reichweiten vorherrscht, die man eben bei Nutzung eines mit Batterie angetriebenen Fahrzeugs ungerne in Kauf nimmt. Günstiger und weiter kommt man mit Verbrennern.

Guter Rat ist teuer: Was tun?

Alle Zeichen stehen auf Abwarten. Es sei denn, man hat jetzt schon keine Probleme mit verfügbaren Nachladestationen - hier gibt es dazu einen detailierten Erfahrungsbericht eines Tesla-Fans -  und ist unter dem Strich bereit, einen höheren Kaufpreis zu akzeptieren. Der Umwelt und der Innovation zuliebe. Dennoch lohnt sich das Warten für alle anderen. Die gesamte Autoriege beginnt seit diesem Jahr, enorme Anstrengungen zu unternehmen, sowohl elektrisch betriebene Modelle herauszubringen als auch das Problem der Ladeinfrastruktur anzugehen. Ein neuer Modellschub wird ab 2017/2018 erwartet. So ist bekannt, dass Opel den Ampera E für 2017 angekündigt hat, der mit einer ordentlichen Reichweite von 320 KM auskommt und um die 33.000 Euro kosten soll. Das ist eine völlig andere Preiskategorie denn beim Vorgänger, der um die 50.000 Euro kostete und ein Ladenhüter war. Auch beim Premiumanbieter Daimler tut sich Einiges, der in den nächsten zwei Jahren nicht nur rund 14 Mrd. Euro in grüne Technologien investieren will, sondern bereits für dieses Jahr einen elektrisch angetriebenen SUV auf dem Pariser Autosalon vorstellen wird. Volkswagen, Audi und Porsche preschen voran und werden eine Reihe von Modellen bis 2020 auf den Markt bringen. Und auch BMW schläft nicht und schaut sich das Spiel nicht bloß vom Spielfeldrand an. 

Der Vorteil für den Kunden? Das liegt auf der Hand. Einerseits werden die extrem teuren Batteriepreise spürbar fallen und damit auch die Nettopreise der E-Modelle. Zudem vergrößert sich die Zahl der Modelle deutlich, was sich nicht nur auf den Wettbewerb zugunsten der Konsumenten auswirkt. Zugleich wird die Unsicherheit auf dem Gebrauchtmarkt sinken, denn immerhin ist es extrem wichtig zu wissen, ob man beim Verkauf einen guten Preis herausholen kann. Nicht zu vergessen der Ausbau der Ladeinfrastruktur, der weiter vorankommen wird. Einhergehend mit zunehmenden Reichweiten wird sich die Reichweitenangst in einem Elektroauto verflüchtigen. Alles in allem stehen die Vorzeichen sehr günstig. Ein bisschen Geduld noch und nach Ablauf des jetzigen 3-Jahres-Leasingvertrags kann man sich guten Gewissens nach elektrisch betriebenen Autos umschauen.

Manöverkritik an Tesla

Etwas Kritik sei dennoch gestattet: Obgleich wir von einer grünen Technologie reden können, hat Tesla mit seinem Reichweitenmonstrum falsche Innovationssignale gesetzt. Riesige Batterien in riesigen Autos können nicht die Antwort für den urbanen Verkehr mit geringen Reichweitenanforderungen sein. Es wäre zu wünschen, dass sich die Automobilindustrie besinnt und kleine PKWs mit kleinen Batterien zu deutlich günstigeren Preisen anbietet. Doch danach sieht es leider nicht aus.

Immerhin: Demnächst werden nicht mehr nur Tesla-Fahrer alleine herumprotzen können, dass sie von 0 auf 100 km/h in unter 4 Sekunden beschleunigen, sondern auch Mercedes- und Volkswagen-Fahrer. Schade, die Zeiten der aufwändigen PS-Monster sollten an sich vorbei sein.

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Sehr spannend ist das Interview mit Dr. Jan Traenckner, wissenschaftlicher Beirat des Bundesverbandes eMobilität. Der die Meinung vertritt, dass die Kaufprämie zum sinnlosen Aufbau von Ladesäulen führen wird. Nicht minder erhellend sind die Ausführungen von Professor Günther Schuh, der an der RWTH Aachen lehrt und forscht. Der umtriebige Professor bietet Einblicke in den revolutionär einfachen Aufbau seines neuen Elektrokleinwagens e.Go-Life als Antwort auf die doch sehr teueren Elektromodelle, die den jungen und kleinen Markt dominieren. Er fordert schon lange E-Autos, die bezahlbar sind!



Artikel vom

von Robert Basic

Seit über zehn Jahren als Blogger und Autor im Netz unterwegs. Seine Hauptschwerpunkte
sind IT, Webtechnologien, Smart Home, Mobilität und er liebt Innovatives über alles. Man
gebe ihm ein Gadget und er vergisst alles um sich herum. Wer ihn treffen möchte,
muss ihn in Hamburg suchen.

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