Der kleine Tesla-Killer: Opel Ampera-e

von Robert Basic

Der ungekrönte König der Elektrofahrzeuge bekommt mit dem brandneuen Opel Amera-e ernsthafte Konkurrenz. Der Autohersteller Opel hat auf dem Autosalon Paris ein Fahrzeug vorgestellt, das mit 500 Kilometern Reichweite und einem vermutlich vernünftigen Preis aufwartet. 

Bis dato glänzte Tesla mit Modellen, die weltweit für Aufsehen sorgten (Tesla S und Tesla X). Der jüngste Coup war die Neuvorstellung des Modells Tesla 3, das mit rund 400.000 Vorbestellungen in der Automobilbranche für Furore sorgte. Der Haken? Niemand weiß genau, wann Tesla liefern kann, zu groß ist die wartende Kundenschlange. Der US-Hersteller war selbst vom Andrang überrascht worden und muss nun seine Produktionskapaziäten drastisch hochfahren.

Festzuhalten bleibt: Ja, man kann mit Elektrofahrzeugen mehr als nur kleine Stückzahlen verkaufen! Das war zugleich ein kräftiges Signal an den Wettbewerb, nicht den anfahrenden Zug zu verpassen. Auf der Pariser Autoshow sehen wir die Ergebnisse des Erweckungserlebnisses.

Von London nach Paris: 80 Kilometer Restreichweite

Als Karl-Thomas Neumann – oberster Opel-Chef – nach der langen Fahrt von London in Paris aus dem Ampera-e ausstieg, konnte er sich ein süffisantes Lächeln wohl nicht verkneifen. Auf dem Tageszähler standen 417 Kilometer, der Bordcomputer gab als Restreichweite 80 Kilometer an. Das ist im Vergleich zur Konkurrenz eine echte Ansage. Neumann zur versammelten Presse: „Hier ist unser komplett neuer Opel Ampera-e. Das Elektroauto! Der Stromer für jedermann. Der neue Ampera-e definiert Elektromobilität völlig neu und schafft den Durchbruch in Sachen Reichweite. Das Auto kann – nach ersten vorläufigen NEFZ-Tests – mit einer Batterieladung mehr als 500 Kilometer weit fahren. Und wenn die Kunden dann einmal nachladen müssen, können sie an einer öffentlichen Ladestation rund 150 Kilometer in 30 Minuten nachtanken. Wir werden den Ampera-e in der ersten Jahreshälfte 2017 auf den europäischen Markt bringen.“

Unter härteren Testverfahren soll es der Ampera auf 380 Kilometer Reichweite bringen. Das entspricht ungefähr der Reichweitenangabe zum kommenden Tesla 3. Wer vorbestellen möchte, kann auf der Informationseite zum Opel Ampera-e seine Kontaktdaten hinterlassen.

Wer soll die inneren Werte bezahlen?

Wie üblich schweigt sich die Branche bei Neuvorstellungen zum Preis eisern aus, so auch Opel. Jedoch munkelt man, dass entweder eine Zwei vor vielen Neunen stehen soll (29.999 Euro) – das wäre eine echte Kampfansage – oder 35.000 Euro aufgerufen werden. So oder so ist das angesichts eines modernen Antriebskonzepts mit einer 60 kWh-Batterie ein sehr interessanter Preis. Gerade für Firmenwagenfahrer dürfte der Opel Ampera-e zu einer echten Alternative werden.

Er geht ohne Weiteres als Stadtflitzer durch, denn er bewegt sich mit einer Länge von 4,17 Metern zwischen einem Opel Corsa und einem Opel Astra. Der Radstand von 2,60 Metern verspricht einen guten Fahrkomfort auch auf Landstraßen und Autobahnen, nicht zu vergessen der niedrige Schwerpunkt durch die im Unterboden eingebaute Batterie. Der Kofferraum hat ein amtliches Volumen von 380 Litern. Die Beschleunigungswerte sind typisch e-klasse: In 3,2 Sekunden steht der Tachozeiger bei 50 km/h und in 7,3 Sekunden auf 100 km/h! Der Ampera-e leistet 204 PS und wiegt ungefähr 1.600 Kilogramm. Die Höchstgeschwindigkeit wurde auf 150 km/h begrenzt.

Wer den Wagen 2017 bestellt, wird noch von der Förderprämie in Höhe von 4.000 Euro profitieren können, die ab 2018 gesenkt wird.

Gut ist nicht gut genug?

Wer sich mit einem Opel nicht abgeben möchte, dem versprach Mercedes auf der Pariser Autoshow eine neue Modellreihe, die auf den Namen „EQ“ hören wird und ab 2018 mit ersten Modellen auf dem Markt sein wird. Auch hier sollen 500 Kilometer Reichweite machbar sein. Allerdings dürfte sich der Preis wohl wenig überraschend auf einem höheren Premiumniveau bewegen. Mehr als ein erster, seriennaher Prototyp war nicht zu sehen. Der allerdings die neue Designlinie für Daimlers neue Automarke aufzeigt, was schon spannend genug ist.

Es wird Zeit

Zeit wofür? Sich langsam aber sicher danach zu erkundigen, ob und wo Platz vorhanden ist, um Ladestellen zu Hause und am Arbeitsplatz einzubauen. Gerade für Pendler könnte sich ein Fahrzeug wie ein Opel Ampera-e auf Dauer rechnen. Nicht nur angesichts ungewisser Benzinpreisentwicklungen, sondern auch der Umwelt zuliebe und möglicherweise günstigeren Werkstattkosten (so wollen es uns die Experten weismachen, die auf die wenigen Verschleissteile in einem Elektrofahrzeug hinweisen). Die Initiativen der Fahrzeughersteller und die langsam wachsende Auswahl an Elektromodellen setzen deutliche Signale.

Selbstverständlich bleibt für viele Autofahrer dennoch die große Frage, wie sich das denn mit den Ladesäulen auf längeren Autofahrten verhalten soll („finde ich genügend Ladesäulen auf einer 1.000 Kilometer langen Fahrt, wie lange dauert das Nachladen?“). Diese Sorge soll nicht genommen werden. Mit Planung ist dennoch alles möglich. Daher ein kleiner Tipp: Firmenflotten verfügen nach wie vor über Dieselmodelle mit extrem hohen Reichweiten, ebenso die Autovermieter. Niemand sagt, dass man nur ein Fahrzeug fahren darf. Für den Fall der Fälle heißt es, einfach umsteigen.



Artikel vom

von Robert Basic

Seit über zehn Jahren als Blogger und Autor im Netz unterwegs. Seine Hauptschwerpunkte
sind IT, Webtechnologien, Smart Home, Mobilität und er liebt Innovatives über alles. Man
gebe ihm ein Gadget und er vergisst alles um sich herum. Wer ihn treffen möchte,
muss ihn in Hamburg suchen.

Zurück