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Smart Kochen erobert den Alltag

von Rüdiger Maulko

Keine Frage, Kochen ist in. Vor allem smart Kochen in einer vernetzen Küche. Allerhöchste Zeit, sich aktuelle Technologien einmal genauer anzuschauen.

Angebot und Nachfrage an innovativen Produkten wachsen im Smart Home-Bereich kontinuierlich. Auch die Hersteller von Küchengeräten haben die Zeichen der Zeit erkannt und drängen vermehrt mit neuen Produkten auf den Markt. Das bietet Verbrauchern ganz neue Möglichkeiten, sich dem Thema Smart Kochen zu nähern.

Smart Kochen leicht gemacht: Schnellkochtopf meets Alleskönner  

Ideal für Einsteiger ist der Schnellkochtopf von Fissler Vitavit, der sich mit dem Aufsatz Vitacontrol Digital zum intelligenten Küchenhelfer upgraden lässt. Der Aufsatz überwacht den kompletten Garvorgang, schmackhafte Rezepte samt detaillierter Kochanleitung liefert die dazugehörige Fissler Cooking App. Dank Bluetooth ist eine Fernüberwachung des Kochvorgangs etwa aus dem Wohnzimmer möglich.

Als Rundum-sorglos-Paket kommt der Thermomix TM5 von Vorwerk daher, der als Mixer, Knetmaschine, Waage und Kochtopf verwendet werden kann. Zum smarten Kochassistenten wird der Alleskönner durch online erhältliche Rezept-Chips, die man in die Schnittstellte des Geräts steckt. Nach Auswahl eines Wunschgerichts wird die Guided-Cooking-Funktion aktiv, die anschaulich Schritt für Schritt durch den Kochvorgang leitet. Käuflich erwerben kann man auch den Cook-Key, der den TM5 über WLAN mit einem Rezept-Portal verbindet und Guided-Cooking-Rezepte direkt auf das Thermomix-Display zaubert.

Das Besondere: Der Zauberkasten ist im freien Handel nicht erhältlich. Vorwerk favorisiert den Direktvertrieb über sogenannte Repräsentantinnen, die Interessierten das Gerät in der heimischen Küche vorführen. Das eigenwillige Vertriebskonzept hat sich bewährt: Wie die Vorgängermodelle wartet auch der smarte TM5 mit beachtlichen Verkaufszahlen auf.

Pfiffige Assistenten fürs Kochen und Backen

Es gibt mittlerweile noch weitere smarte Kleingeräte, die das Kochen erleichtern. Soll das Menü mit einem leckeren Gebäck abgerundet werden, kann man die Dienste des smarten Helfers Perfect Bake in Anspruch nehmen. Das Set kombiniert Backhardware (Waage, Thermometer, Schüsseln) mit einer App, die Rezepte liefert und die einzelnen Zubereitungsschritte anschaulich abarbeitet. Falsche Dosierungen von Zutaten werden durch eine appüberwachte Abwiegefunktion ausgeschlossen.

Wird beim Kochen heißes Wasser benötigt, kann man auf den Smarter iKettle 2.0 zurückgreifen. Per WLAN und App kann der Wasserkocher drahtlos gesteuert werden, dabei sind Temperaturen zwischen 23 bis 100 °C stufenlos einstellbar. Der Welcome-Home- und Aufweckmodus bereitet eigenständig präzise temperiertes Wasser zu festgelegten Zeiten vor, etwa für die pünktliche Zubereitung des Mittagessens.

Intelligente Großgeräte sind im Kommen  

Smarte Großgeräte haben den deutschen Markt noch nicht in der Breite erreicht. Es gibt aber bereits einige namhafte Hersteller, die mit innovativer Technik aufhorchen lassen. Beim Lagern und Einkaufen von Kochzutaten assistiert der Samsung Family Hub. Ausgestattet mit einem großen Touchscreen, WLAN und dem Betriebssystem Tizen, lässt sich der intelligente Kühlschrank wie ein Smartphone bedienen. Einkaufslisten mit benötigten Lebensmitteln sind via Touch-Display schnell erstellt, per Synchronisation landen diese auf dem Smartphone. Wer beim Kochen gern nebenbei Musik hört oder die Lieblingsserie schaut, kann auf die Multimediafunktionen und die eingebauten Lautsprecher zurückgreifen.

Zum Kochassistenten mutiert das multifunktionale Kühlgerät durch die Club des Chefs-App, deren Rezepte und Videos auf dem Full HD-Bildschirm angezeigt werden können. Nützlich für die Vorbereitung eines Kochevents ist die Innenraumüberwachung mit drei Kameras. Vor dem Einkauf kann man komfortabel übers Display den Stand der Vorräte checken. Befindet man sich bereits im Supermarkt, kann per Smartphone auf ein aktuelles Foto des Kühlschrankinhalts zurückgegriffen und gezielt für das Wunschmenü eingekauft werden.

Vernetztes Kochen mit Home Connect 

Auf intelligentes Kochen in großem Maßstab spezialisiert sich derzeit die BSH Hausgeräte GmbH, die Siemens- und Boschküchen produziert. Mit der IQ700-Reihe (Siemens) und der Serie 8 (Bosch) lässt sich die ganze Küche modernisieren, vom Backofen über Kühlschränke bis hin zu Dunstabzugshauben.

Die Vernetzung der Geräte erfolgt über die Home Connect-Technologie, zu der auch eine App gehört. Wird in dieser ein Rezept ausgewählt, übernimmt die App die Steuerung und sendet z. B. die benötigten Temperaturen und Garzeiten an einen intelligenten Backofen von Siemens oder Bosch.  

Durch Home Connect können nicht nur BSH-Produkte untereinander kommunizieren, Geräte von Drittanbietern sind ebenfalls kompatibel. Zu den Kooperationspartnern gehört Amazon Alexa, die eine bequeme Küchenbedienung per Sprachsteuerung ermöglicht. Das smarte Lichtsystem Philips Hue ist ebenfalls mit an Bord.

Vielversprechend ist die Zusammenarbeit mit HelloFresh und Kochhaus. Die Unternehmen liefern Kochboxen per Post, darin enthalten sind alle erforderlichen Zutaten und detaillierte Kochanleitungen. Bei der Zubereitung des Mahls arbeitet die Lieferdienst-App via Home Connect eng mit der BSH-Hardware zusammen. So lässt sich unkompliziert und mit geringem Zeitaufwand Wohlschmeckendes zaubern. Kochmuffel und -anfänger werden von schnellen Erfolgserlebnissen zum Weiterkochen animiert.

Home Connect ist langfristig angelegt, die Zahl der kompatiblen Geräte und Dienste wird in Zukunft noch weiter steigen. Mit einem speziellen Zwischenstecker lassen sich sogar herkömmliche Elektrogeräte einbinden. Die nächste Ausbaustufe ist bereits in der Entwicklung: In Zukunft soll die smarte Assistentin Mykie bestens vernetzt und sprachgesteuert beim Kochen behilflich sein.

Faszinierend praktisch, aber teuer

Schon beim jetzigen Stand der Entwicklung ist klar, dass mit smarten Küchengeräten einiges möglich ist. High Tech optimiert die Lagerung und den Einkauf von Lebensmitteln, spezielle Service- und Assistenzfunktionen erleichtern das Zubereiten von Speisen erheblich und sparen dabei oft Energie und Kosten. Nicht alle Geräte geben sich mit ihrer traditionellen Rolle in der Küche zufrieden, sondern bieten weitreichende Mehrwerte. Der Family Hub von Samsung versucht sich an einer Neudefinition der Küche als multimedialer Raum und vielseitiger Steuerungszentrale smarter Haushalte.  

Bei aller Euphorie ob der rosigen Zukunft sollte man sich aber bewusst sein, dass die Hürde für den Einstieg ins intelligente Kochen heute noch relativ hoch liegt. Der Thermomix TM5 von Vorwerk kostet über 1000 Euro. Samsungs Family Hub liegt in der aktuell erhältlichen eintürigen Ausführung gar bei 3500 Euro. Noch weit höhere Beträge muss man natürlich für eine komplette smarte Home Connect-Küche von Siemens oder Bosch hinlegen.    

Die stattlichen Preise resultieren wesentlich daraus, dass smarte Geräte noch nicht lange auf dem Markt sind. Wird die Konkurrenz größer und der Umstieg auf intelligente Techniken zum Normalfall, kann sicherlich deutlich preisgünstiger smart gekocht werden. Für eine baldige Verbreitung der neuen Technologien könnte auch ein allgemeiner Trend sorgen. Die Bundesbürger geben derzeit mehr Geld als früher für hochwertige Küchen aus. Die Arbeitsgemeinschaft "Die Moderne Küche" spricht sogar davon, dass die Küche dem Auto zunehmend den Rang als Statussymbol abläuft.





 

Artikel vom

von Rüdiger Maulko

Mehrjährige Tätigkeit an der Universität Hamburg, danach freier Dozent, Texter
für Werbeagenturen und freier Publizist. Promotion im Fach Medienwissenschaft über
die Digitalisierung des Fernsehens.
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