Tim Gouw/Unsplash

Was tun bei Online-Mobbing?

von Christian Zeiser

Dass Kinder und Jugendliche heute eigene Smartphones haben und über umfangreiche soziale Netzwerke verfügen, ist normal und an sich auch nicht verwerflich. Allerdings kommt es immer wieder vor, dass Heranwachsende über eben diese Netze massiv belästigt und bedroht werden, teils mit dramatischen Folgen. Verschiedene Studien beziffern die Anzahl von Jugendlichen, die schon einmal Opfer von Online-Mobbing – auch Cyberbullying genannt – wurden, auf zwischen 34 und 43 Prozent. Psychische Belästigung auf Online-Plattformen ist keine Randerscheinung. Deshalb sollte jeder Mensch wissen, wie man sich verhält, sobald man selbst zum Opfer wird.

Auf keinen Fall darauf eingehen

Jemand, der Andere online belästigt, sehnt sich geradezu nach einer Antwort. Bullys wollen Macht ausüben, das Leben anderer Menschen kontrollieren. Wer auf ihre Angriffe und Beleidigungen eingeht, gibt ihnen genau das, was sie wollen. Außerdem wird Cyberbullying oft nicht durch eine einzelne Person, sondern von ganzen Gruppen betrieben. Auf eine Attacke bei Facebook oder anderswo dagegen schlicht nicht zu reagieren zeigt den Angreifern, dass ihre Bemühungen erfolglos sind. Es gibt bessere Wege, sich gegen Beleidigungen zur Wehr zu setzen.

Blockieren, entfernen, stumm schalten

Wer auf Beleidigungen nicht eingeht, tut schon einmal das Richtige, doch mit großer Wahrscheinlichkeit wird der Angreifer erneut versuchen, sein Opfer aus der Reserve zu locken. Jedes Netzwerk bietet die Möglichkeit, den Kontakt zu einem Bully zu trennen, sodass er keine weiteren Nachrichten schicken kann. Diese Option sollte man sofort wählen, sobald es zum ersten Angriff gekommen ist. Bei Facebook bedeutet dies: Die Freundschaft, so vorhanden, beenden und außerdem im Feld mit den drei Punkten rechts neben dem Knopf „Nachricht senden“ die Option „Blockieren“ wählen. Auch andere Netzwerke bieten die Möglichkeit, Angreifern den Kontakt zu verwehren.

Beweise sichern

Es ist möglich, dass ein Angriff schon eskaliert, bevor das Opfer überhaupt etwas bemerkt, etwa zu nachtschlafender Zeit. Das Gute an digitalen Medien ist aber, dass alles schnell und einfach gespeichert werden kann. Screenshots oder schlichtes Kopieren der aggressiven Nachrichten in ein Textdokument stellt sicher, dass Beweise vorliegen, sofern es zum Äußersten kommt. Was nicht unwahrscheinlich ist.

Keine Angst vor rechtlichen Schritten

Wenn aus scheinbar harmlosen Hänseleien Beleidigungen und Bloßstellungen werden, ist die Grenze zum Strafbaren schnell überschritten. Obendrein sind Angreifer meist eindeutig identifizierbar, und es besteht eine gute Chance, dass sie die Lust an den Attacken verlieren, sobald die Polizei sie einmal dazu befragt hat. Anstatt alleine und isoliert unter dem Bullying zu leiden ist es also ratsam, sich Hilfe von dort zu holen. Die Polizei hat für Mobbingopfer eine eigene Hotline eingerichtet: Jugendliche Opfer wählen die 0800 / 1110333, Eltern von Betroffenen die 0800 / 1110550. Die Anrufe sind kostenlos.

Freunden beistehen

Opfer von Cyberbullying fühlen sich oft alleine gelassen und trauen sich nicht, sich ihren Freunden anzuvertrauen. Das ist verständlich, denn oft befinden sich manche dieser vermeintlichen Freunde sogar unter den Angreifern. Deshalb ist es wichtig, auf Signale zu achten: Verhält sich eine Freundin oder ein Freund neuerdings anders als sonst, schüchterner, ängstlicher, unsicherer? Dann gilt es, nachzufragen. Ist einmal bekannt, dass ein Freund Opfer von Online-Mobbing ist, sollte man ihnen unbedingt beistehen – auch mit den Tipps aus diesem Artikel. Tatenloses Zusehen ermutigt nur die Angreifer.

Eines sollten Opfer von Cyberbullying noch wissen: Es ist Quatsch. Was immer die Angreifer behaupten, ist Blödsinn. Es geht ihnen noch nicht einmal um das Opfer selbst, sondern einzig und allein um ein Machtgefühl. Dafür sind sie bereit, fast alles zu sagen. Damit sind ihre Aussagen aber auch wertlos.

Artikel vom

von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

Zurück