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Soziale Medien: So schützen Sie Ihr Kind

von Christian Zeiser

Ältere Männer nehmen auf sozialen Medien Kontakt zu minderjährigen Mädchen oder Jungen auf und versuchen, diese privat zu treffen: ein klassischer Fall von Cybergrooming. Jugendliche werden von Mitschülern oder teils auch gänzlich Unbekannten im Netz gemobbt: Bullying, leider immer noch auf sozialen Netzwerken sehr verbreitet. Jemand macht sich mit falschem Profilfoto, ausgedachtem Namen und auch sonst fiktiver Persönlichkeit an Jugendliche heran: Catfishing. Von solchen Fällen hört man immer wieder – teils mit dramatischen Folgen. Wer Kinder hat, möchte diese aber verständlicherweise nicht von der Teilnahme an sozialen Netzen fernhalten. Immerhin halten Freunde heute vor allem über diese Medien Kontakt. Was also können Eltern tun, damit ihre Kinder diese Netzwerke sicher nutzen können?

Welche Medien nutzt Ihr Kind?

Sehen Sie sich genau an, welche Medien Ihr Kind nutzen möchte. Die wichtigste Frage dabei lautet: Welchen Schutz bietet das Medium der Privatsphäre meines Kindes? Auf keinen Fall sollte es Netzwerke nutzen, in denen jeder jeden finden und kontaktieren kann. Bei Facebook etwa können Eltern verhindern, dass das Profil des Kindes auf Suchmaschinen erscheint. Sie können außerdem festlegen, dass nur Freunde von Freunden Freundschaftsanfragen senden können, um mit dem Kind in Kontakt zu treten. Diese Möglichkeiten sollten Eltern auf jeden Fall nutzen, eine Übersicht gibt es hier. Auch sollten Kinder mindestens 13 Jahre alt sein, um Facebook zu nutzen, dies schreiben auch die Bestimmungen des Netzwerks vor. Auch die Photo-Plattform Instagram erlaubt es, ein Benutzerkonto privat zu schalten, sodass niemand dem Konto folgen kann, ohne vorher durch den Nutzer bestätigt zu werden. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Die Finger lassen sollten Kinder dagegen von sozialen Medien, die keinerlei Kontrolle darüber bieten, wer dem Kind folgt oder gar mit ihm in Kontakt tritt. Ein Beispiel ist musical.ly: Die App erlaubt es, kurze Videos zu erstellen, in denen man zu einem bekannten Song die Lippen bewegt oder tanzt. Das klingt erst einmal harmlos, schlimmstenfalls albern. Allerdings präsentieren sich sehr junge Mädchen, teils nur zehn Jahre alt, auf der Plattform oft sehr knapp bis aufreizend bekleidet, ihr Publikum besteht dann teils aus sehr viel älteren Männern. Kontaktaufnahme erlaubt die App auch – eine Moderation oder eine funktionierende Alterskontrolle durch den Anbieter gibt es so gut wie nicht.

Was können Eltern tun?

Eltern haben glücklicherweise eine Reihe von Möglichkeiten, ihre Kinder nicht vollkommen schutzlos der Welt der sozialen Medien auszusetzen. Zunächst sollte der Download der jeweiligen App und das Einrichten des Kontos immer durch die Eltern erfolgen. Sehen Sie sich in den Einstellungen der App die Optionen zum Datenschutz an und legen Sie fest, wer welche Informationen über das Kind sehen kann. Hinweise zum Datenschutz bei den beliebtesten Apps gibt es bei „Schau hin“, einer Initiative, an der auch das Bundesfamilienministerium beteiligt ist.

Nicht nur die Apps, auch die Smartphones selbst bieten eine Reihe von Optionen zum Schutz von Jugendlichen. Für Android-Geräte gibt es die App Kid's Place, die es erlaubt, die Apps, auf die Kinder zugreifen können, genau festzulegen. In den Einstellungen der App Google Play ist es obendrein möglich, eine PIN-Sicherung für das Installieren neuer Apps anzulegen. So können Eltern sicher sein, dass ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt Apps installieren. Auch iOS erlaubt eine Passwortabfrage bei jedem Herunterladen neuer Apps. In den Einstellungen ist es unter dem Punkt „Allgemein“ und dann dem Punkt „Einschränkungen“ auch möglich, bestimmte Funktionen ganz zu deaktivieren – vom Download neuer Apps über In-App-Käufe bis hin zu Facetime-Videochats.

Sind die Apps einmal installiert und die Konten eingerichtet, sollten Eltern bei Netzwerken wie Facebook außerdem darauf bestehen, mit ihren Kindern „befreundet“ zu sein. Diese Kröte mag für einige Kinder etwas schwer zu schlucken zu sein. Eltern sollten aber nicht vollkommen ahnungslos darüber sein, was ihre Kinder in diesen Medien von sich preis geben.

Artikel vom

von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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