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Schulanfang: Brauchen ABC-Schützen ein Handy?

von Franziska Wischmann

Keine Frage: Der Schulanfang ist ein erster Schritt in die eigene Verantwortung. Manche Eltern besiegeln ihn damit, dass sie ihrem Nachwuchs ein Handy in die Schultüte legen. Psychologen meinen: keine gute Idee!

1. Helicopter-Verhalten

Jüngste Studien zeigen, dass die Zahl der ABC-Schützen, die ein eigenes Handy besitzen, steigt. Oftmals ist es nicht die Autonomie, die gefördert werden soll, sondern genau das Gegenteil: Eltern möchten ihren Nachwuchs immer »auf dem Radar« haben, genau informiert sein, wohin er sich wann bewegt und ihn auch auf dem Nachhauseweg verfolgen können. »Es geht um ein subjektives Bedrohungsempfinden, das die Eltern antreibt«, stellt Tatiana Schildt vom Coaching und Consulting Institute in Hamburg fest. Die Expertin beobachtet, dass sich insbesondere berufstätige Eltern, die keine Zeit haben, jeden Schritt der Kinder zu begleiten, absichern möchten. Diese Angst bedienen einige Unternehmen inzwischen und bringen sogar spezielle GPS Tracker wie etwa »Wo ist Lilly“ auf den Markt, womit man seinen Nachwuchs punktgenau orten kann.

2. Vertrauen ist besser als Kontrolle

»Damit werden völlig falsche Akzente gesetzt«, warnt Tatatiana Schildt. »Der Kontrollwahn überträgt sich auf die Kinder und führt zur Verunsicherung in einer Phase, in der sie ganz viel Bestätigung, Sicherheit und Vertrauen brauchen.«

3. Neugier und Motivation fördern

Außerdem sind Kinder in diesem Alter noch nicht in der Lage, mit dem Handy angemessen umzugehen. »Die Dauerbedeutsamkeit elektronischer Medien wird dadurch weiter gefördert«, so Tatiana Schildt. »Statt die Konzentrationsfähigkeit und natürliche Neugier der Kinder zu fördern, verführt man sie dazu, sich ablenken zu lassen.«

4. Gefährliche Verführung

Grundsätzlich haben Kinder in diesem Alter genug damit zu tun, sich auf den neuen Alltag in der Schule, auf Regeln und Abläufe einzustellen. Das funktioniert nicht auf Anhieb und führt bei manchem empfindlichen Kind zu Reibungsverlusten, weil es nicht gewohnt ist, dass alles strenger und disziplinarischer abläuft. Die Gefahr, dass eine nicht eingehaltene »Sendepause« für Smartphones in der Schule Konsequenzen hat, ist quasi vorprogrammiert.

5. Vorbild sein

Auf jeden Fall sollten Eltern mit ihren Kindern verbindliche Regeln festlegen, wie lange und zu welcher Tageszeit das Handy genutzt werden darf. Und sie sollten selbst Vorbildcharakter haben. Anrufe bei Tisch zu beantworten, obwohl ein generelles Handyverbot bei Tisch gilt, ist ein absolutes No-Go.


Artikel vom

von Franziska Wischmann

Franziska Wischmann, Redakteurin mit den Schwerpunkten Wissenschaft und Forschung,
hat mit dem Heranwachsen ihrer Kinder für sich ein spannendes neues Feld entdeckt:
Technik, Gadgets, Apps für jede Lebenslage.

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