Fake News: So fallen Sie nicht auf Lügen herein

von Christian Zeiser

Dramatische Nachrichten, die über ungeheure Vorfälle berichten, ziehen vor allem in sozialen Netzwerken immer weitere Kreise. Oft sind sie frei erfunden und sollen nur Angst und Hass schüren. Dabei ist es gar nicht schwer, so genannte Fake News als solche zu erkennen.

Niemand ist davor sicher, eine frei erfundene Geschichte zu glauben. Das können satirische Artikel des „Postillon“ sein, die schon von Fernsehsendern und Politikern für bare Münze genommen wurden. Auch renommierte Medien verbreiten mitunter Falschmeldungen, den Begriff der Zeitungsente gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert. Noch relativ neu sind dagegen Fake News: Falschmeldungen, die absichtlich in Umlauf gebracht werden und sich über soziale Medien verbreiten – meist mit klar fremdenfeindlichem Hintergrund.


Fake News sollen Meinung machen – oft mit wenig guten Absichten

Gregory HayesZwei syrische Flüchtlinge vergewaltigen ein 16-jähriges Mädchen, deren Vater bringt sie mit bloßen Händen um, weshalb der Army-Veteran nun lebenslang im Gefängnis sitzt: Diese Geschichte aus den USA machte vor einiger Zeit die Runde. Dazu sah man einen Mann in einer Bar, mit einem Glas Bier in der Hand. Der Artikel enthielt den Aufruf, ihn möglichst zahlreich zu verbreiten. Die Geschichte verbreitete sich schnell auf Facebook. Dabei verraten schon einige Details auf den ersten Blick, dass diese Meldung mit großer Vorsicht zu genießen und vermutlich erfunden ist:

Erstens ist der Text Teil des Bildes. Es ist also nicht ohne weiteres möglich, ihn zu kopieren und etwa durch eine Google-Suche zu überprüfen. Auch das Bild selbst wurde durch den Text verändert und ist deshalb nicht einfach zu überprüfen. Wichtiger ist aber: Die Nachricht enthält keine Informationen darüber, wann und wo dies alles passiert sein soll. Kurz: Der Urheber dieser Meldung hat mehrere Maßnahmen ergriffen, die eine Prüfung erschweren sollen. Stattdessen hat er den plumpen Aufruf eingebaut, die Nachricht viral gehen zu lassen.

Wer solche Nachrichten ungeprüft verbreitet, handelt mindestens grob fahrlässig. Eine einfache Google-Suche nach „Sgt. Gregory Hayes“, so der Name des angeblichen Totschlägers, führt zu keiner einzigen Meldung über den Fall, sondern nur zu Seiten, die die Nachricht als Lüge entlarven – und zum Nachruf auf einen echten Sgt. Gregory Hayes von der Polizei in Virginia Beach, der dunkelhäutig war und im Juli 2009 verstarb.

Sollte diese Geschichte wirklich passiert sein, wäre darüber berichtet worden – zumindest in örtlichen Medien, vermutlich aber weit darüber hinaus. Gerade amerikanische Medien nennen dabei gerne den vollen Namen des Protagonisten.

So können Sie Fake News entlarven

Gerade Meldungen, die über soziale Medien, allen voran Facebook, verbreitet werden, sollten vor dem Teilen überprüft werden. Das dauert meist nicht lange. Meist reicht es schon aus, Mimikama oder Hoaxmap aufzusuchen und einige Stichworte ins dortige Suchfeld einzugeben. Beide Angebote sammeln Gerüchte und die entsprechenden Richtigstellungen. Führt dies zu keinem Ergebnis, kann eine Google-Suche mit einem Teil des Textes helfen: Wird die Meldung an vielen Stellen mit identischem Wortlaut wiederholt? Das spricht dafür, dass es den Absendern offenbar nur um die Reichweite geht, nicht um den Wahrheitsgehalt. Ein Medium, das eine Meldung auf Stichhaltigkeit untersucht, findet am Ende auch eine eigene Formulierung. Und schließlich hilft eine Bildersuche bei Google oder TinEye. Fügt man dort in der Suchmaske die Adresse des gesuchten Bildes ein oder zieht einfach das Bild darauf, erhält man sogleich eine Liste mit Seiten, die dieses Bild verwenden. Viele Verfasser von Fake News bedienen sich Fotos von anderen Quellen, um ihre so genannten Meldungen damit zu illustrieren.

Kurz: Wenn eine Meldung nicht überprüfbar ist, dann wurde genau dafür gesorgt – weil es sich nicht um eine echte Nachricht handelt, sondern um Propaganda.

Artikel vom

von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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