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Was Sie über Facebook wissen sollten

von Stefan von Gagern

Gehören Sie auch zu denen, die Facebook schon abgeschrieben haben? Facebook hat mehr Einfluss, als Sie denken. Und wird gerade von Wahlstrategen als mächtiges Instrument entdeckt.

Auch wenn es oft totgesagt oder für alt erklärt wurde: Facebook ist das mit Abstand erfolgreichste und wichtigste Soziale Netzwerk in Deutschland. Laut Statista konnte der Primus der sozialen Medien 27 Millionen Mitglieder in Deutschland verbuchen. So ist praktisch jeder zweite Onliner in Deutschland auch bei Facebook. Bei den Jugendlichen nutzen zwar nur 32 Prozent das große Freundesnetz (im Vorjahr 41 Prozent), doch trotz der sinkenden Tendenz sollten Sie Facebook keinesfalls abschreiben: Noch immer ist es der Mainstream unter den Netzwerken. Der Ort, wo man praktisch den größten Teil der Bevölkerung quer durch alle Alters- und Interessensgruppen treffen kann. Das ist in Deutschland auch im Vorfeld der Bundestagswahl angekommen. Wahlkampfstrategen lassen sich gerade im Headquarter in Berlin erklären, wie man mit dem so genannten Targeting gezielt Wählergruppen differenzieren und für seine Interessen nutzen kann.

Was ist Facebook: Der Allrounder

Auch sonst ist Facebook der „Allrounder“ der sozialen Netzwerke: Bilder, Videos und Textbeiträge sind hier leicht zu veröffentlichen. In Minuten kann jeder Veranstaltungen erstellen und Freunde einladen, eine Seite zu Personen, Themen oder Unternehmen gestalten oder eine (offene oder geschlossene) Gruppe zu allem möglichen einrichten. Und es kommen ständig Neuheiten dazu: zum Beispiel wurden im letzten Jahr 360-Grad-Panoramen populär. Und oft reagiert Facebook auf Konkurrenz, indem es einfach neuartige Funktionen kopiert: So kann seit letztem Jahr jeder mit seinem Smartphone ganz einfach einen Livestream starten. Erfunden hat die Handy-Übertragungen eigentlich der Dienst periscope.com. Facebook hat sie abgeschaut und in der Masse populär gemacht. Andere Konkurrenten kauft der Gigant einfach auf, wie den Messenger-Dienst WhatsApp und die Bilderplattform Instagram. Sogar als Videoplattform will man den Platzhirsch YouTube überholen.

Was können Sie auf Facebook machen?

Zunächst ist Facebook für viele der Anlaufpunkt, um Seiten im Internet anzusteuern oder tägliche Neuigkeiten von Freunden und Seitenbetreibern zu lesen. Viele Facebook-Nutzer sind eher passiv und veröffentlichen selbst kaum Inhalte. Zu Lesen gibt es auch täglich genug: Neben der persönlichen Profilseite ist der Newsfeed die Hauptattraktion in Facebook. Viele lesen ihn mobil, überall wo sie gerade sind und mehrmals täglich. Sie rufen ihn in der offiziellen Facebook-App auf, indem Sie auf das Symbol unten rechts tippen. Dann erscheinen chronologisch geordnet die Beiträge Ihrer abonnierten Freunde und Seiten (die neuesten oben). Nicht alle, denn sie werden vom Facebook-Algorithmus nach denen gefiltert, die wahrscheinlich interessant für Sie sind.

Facebook macht es bewusst leicht, mitzuteilen, was Sie gerade machen. Das geht mit Fotos, Videos und Texten. Diese können Sie mit Angaben über den Ort, wo Sie gerade sind, Gefühlen („aufgeregt“ etc.) oder Personen, mit denen Sie unterwegs sind, anreichern. Mit „Aktivitäten“ gibt es Vorlagen, um zum Beispiel eine Reise zu einem Ort darzustellen.

Der Haken: Datenschutz-Bedenken

Facebook hat sich seit dem Start stark verändert. Ursprünglich war es ein reines Freunde-Netzwerk, in dem jeder eine Profilseite hatte und man in Kontakt blieb. Über die Jahre hat sich der Facebook-Newsfeed entwickelt – heute ein Mix aus Beiträgen von Freunden, Firmen- und Themenseiten. Da fast jeder Facebook-Nutzer inzwischen täglich Hunderte Nachrichten lesen müsste, filtert Facebook die Inhalte des Newsfeeeds nach geheimen Kriterien – mit dem Ziel, die interessantesten Beiträge auszuliefern. Bekannt ist, dass Interaktion wie Likes, Kommentare bei Freunden und Seiten die Priorität der Themen und Inhalte künftig beeinflussen. Firmen können gegen Einsatz von Werbebudgets Beiträge mit Sponsoring bei Facebook-Mitgliedern erscheinen lassen. Aus Marketingsicht ist Facebook für Werbetreibende ein Paradies, weil die User mit echten Namen angemeldet sind und Facebook aus den verfolgten Seiten und Inhalten ein genaues Profil über jedes Mitglied erstellen – und so gezielt Werbung ausliefern kann. Was Marketer begeistert, ist für Datenschützer ein Alptraum. Facebook kommt immer wieder wegen seiner Datenschutzpraktiken in die Kritik - besonders in Deutschland und Europa, wo es auch viele Facebook-Verweigerer und -Gegner gibt.

Fazit: Der tägliche Anlaufpunkt Facebook ist nicht umsonst für viele im digitalen Alltag so unverzichtbar wie E-Mails. Hier vermischen sich oft Hobbys, Nachrichten, Berufliches, Freunde und private Interessen zu einem einfach lesbaren Nachrichtenstrom. Genau so einfach ist das Veröffentlichen von Inhalten - von der kleinen Statusmeldung übers Fotoalbum bis hin zum Live-Video von einer Veranstaltung. Wer zurecht Bedenken wegen Datenschutz hat, kann wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen: Zum einen lohnt sich ein Blick in die Privatsphäre-Einstellungen, wo es einfach ist, Beiträge nur für Freunde sichtbar zu machen. Zweitens gilt hier umso mehr wie überall im Internet: Am besten zweimal überlegen bevor Sie etwas veröffentlichen....

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von Stefan von Gagern

Stefan von Gagern schreibt in Hamburg als freier Journalist über Themen rund
um Technologie, Kreativität, Publishing, Web, Social Media, Mobile und Gadgets.
Er berät Unternehmen bei Social Media Auftritten und Content Marketing. Privat ist
er Musiker, Radfahrer und Landschaftsmaler.

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