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Wann werden unsere Städte smart?

von Christian Zeiser

Wie werden wir in Zukunft leben? Wie werden sich unsere Städte verändern? Mit diesem Thema haben wir uns schon häufiger beschäftigt. Neue Technologien versprechen ein Mehr an Lebensqualität in der Stadt, eventuell bis hin zum stets verfügbaren, autonom fahrenden E-Auto. Doch wie realistisch ist dies? Wie bewerten Wissenschaftler, die sich mit der Stadt der Zukunft beschäftigen, die Entwicklung? Wir haben mit Dr. Jens Libbe gesprochen, der sich am Deutschen Institut für Urbanistik mit eben diesen Fragen beschäftigt.

Herr Dr. Libbe, werden sich die deutschen Großstädte in den kommenden zehn Jahren wesentlich verändern?

Ja, aber nur bedingt baulich-räumlich sichtbar. Die Veränderungen werden sich vor allem in Prozessen abspielen, zum Beispiel bei der Energieversorgung, wo das Thema der „smart grids“ immer wichtiger wird. Viel tut sich auch bei den Verwaltungen. Schon heute können wir etwa in Berlin Dinge online erledigen, für die wir früher noch zum Amt laufen mussten. Wenn Sie aber fragen, ob sich die Städte äußerlich sehr verändern werden: nein. Pro Jahr werden etwa zwei Prozent der Gebäude einer Stadt ersetzt. In die Neubauten halten dann auch neue Technologien Einzug, in bereits bestehende Gebäude dagegen eher weniger.

Wie sieht es beim Verkehr aus?

Auch dort wird es sicher noch länger als zehn Jahre dauern, bis wir echte Veränderungen sehen können. Natürlich sind E-Autos und autonome Fahrzeuge wichtige Entwicklungen. Momentan sind aber andere Konzepte wichtiger: Wie bekommen wir durch kluge Vernetzung von öffentlichem Nahverkehr, Car-Sharing, Bike-Sharing mehr Leute dazu, auf das Auto zu verzichten? Weniger innenstädtischer Autoverkehr ist besser als genauso viel Verkehr wie heute, nur mit anderen Fahrzeugen.

Tun die Städte genug, um die Entwicklung zur Smart City zu steuern, haben die Städte überhaupt Konzepte?

Das war in der Vergangenheit durchaus ein Problem. Die Entwicklung wurde vor allem durch Konzerne vorangetrieben, die dann auch an die Rathaustüren klopften: Guckt, wir haben die Technologie für eine smarte Stadt, ihr müsst sie nur noch einsetzen. Nur wussten viele Städte überhaupt nicht genau, was sie wollen, obwohl viel Technologie längst verfügbar war. Das hat sich aber mittlerweile geändert, viele Städte erstellen nun durchaus Konzepte, die sie auch vernünftig durchdenken.

Was genau ist dort in den Köpfen der Verwaltungen passiert?

Die Städte verstehen langsam, dass die „Smart City“ nicht das eigentliche Ziel ist. Die Technologie ist ein Mittel, um das zu erreichen, was die Stadtplanung sich vornimmt. Folglich muss es erst einmal diese stadtplanerischen Konzepte geben: Welchen Verkehr wollen wir in unserer Stadt in Zukunft, wie wollen wir die Versorgung mit Strom, Wärme und so weiter gestalten? Wenn diese Fragen beantwortet sind, kann man überlegen, wie Smart-City-Technologie dabei helfen kann.

Sie haben sich auch mit den ökologischen Aspekten der intelligenten Stadt befasst. Sind Smart Cities umweltfreundlicher?

Bei der Beantwortung dieser Frage stehen wir noch ganz am Anfang. Auf der einen Seite hat ein großer Teil der Technik das Potenzial, Ressourcen besser zu nutzen als bisher und damit die Umwelt zu schonen. Andererseits drohen aber auch sogenannte Rebound-Effekte. Nehmen wir das Beispiel autonom fahrender Autos: Einerseits können sie dazu führen, dass insgesamt weniger Autos benötigt und gebaut werden. Andererseits wären sie eine sehr bequeme Art, sich fortzubewegen, was dazu führen kann, dass Menschen, die heute eher die U-Bahn nehmen, sich lieber so ein Auto rufen, und dadurch der Verkehr insgesamt zunimmt. Die Frage nach dem Einfluss auf die Umwelt können wir deshalb noch nicht wirklich beantworten, ein sicheres Heilmittel für Umweltprobleme ist die Smart City jedenfalls nicht.

Profitieren auch ländliche Regionen von den Entwicklungen, die Städte gerade durchmachen?

Zum Beispiel im Bereich der Energieversorgung durchaus. Davon abgesehen gibt es aber auf dem Land noch große Hürden. Das fängt mit der Verfügbarkeit von schnellem Internet an, die ist längst noch nicht überall gegeben. Außerdem ist in den Verwaltungen das Know-how, dass sich größere Städte langsam aneignen, noch nicht vorhanden.

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von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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