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Smart Cities in 10 Jahren

von Christian Zeiser

Wie werden wir Ende der 20er Jahre leben?

Die Smart City steckt noch in den Kinderschuhen. In Buenos Aires gibt es intelligente Straßenbeleuchtung, in Dubrovnik testet die Telekom ein smartes Parkleitsystem. In den nächsten Jahren jedoch wird auf diesem Gebiet vieles passieren. Die Technik dafür existiert bereits.

Breitband-Internet für alle – zu einem Preis

In zehn Jahren könnte es ein überall in der Stadt verfügbares, städtisches W-LAN geben, ein eigener Internetanschluss wäre überflüssig. Smarte Straßenbeleuchtung dient hierbei gleichzeitig als W-LAN-Hotspot, die benötigte Technik gibt es längst. Was dem Bürger Kosten erspart, hat für die Behörden einen erheblichen Nutzen: Das städtische W-LAN erlaubt es, riesige Mengen an Daten zu sammeln, etwa über den Straßenverkehr, die Nutzung öffentlicher Transportmittel und sogar das Fußgängeraufkommen an irgendeinem Ort der Stadt. Die Infrastruktur kann so effektiver genutzt werden. Kommt es irgendwo zu einem Unfall zwischen zwei der letzten nicht autonomen Autos, bemerkt das System: Auf der Kreuzung Hauptstraße/Bahnhofstraße befinden sich mehrere Smartphones, die sich nicht von der Stelle bewegen. Andere autonome Autos werden dann aufgefordert, diese Kreuzung zu meiden, dieselbe Aufforderung wird an Navigationssysteme gesendet. Auf der anderen Seite gibt der Bürger jedoch noch mehr über sich preis als bisher schon.

Immer das richtige Auto

Das eigene Auto ist ein Auslaufmodell, in Zukunft werden immer mehr elektrisch angetriebene, autonom fahrende Car-Sharing-Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein. Für die Bürger hat das viele Vorteile: Die lästige Parkplatzsuche entfällt, außerdem fallen Anschaffungs- und Reparaturkosten weg. Wer ein Auto benötigt, bestellt sich über eine App den passenden Wagen, Berufstätige werden morgens automatisch zur richtigen Zeit von ihrem Wunschauto abgeholt. Insgesamt gibt es deutlich weniger Autos auf den Straßen, vor allem die Anzahl der stehenden Autos nimmt ab. Auch ihre Größe wird schrumpfen: Wer sich ein Auto kauft, nimmt eines, das alle möglichen Erfordernisse bedient, sitzt dann aber meist allein und ohne Gepäck darin. Für den Weg zur Arbeit würde es also vollkommen ausreichen, von einem autonom fahrenden Kleinstwagen abgeholt zu werden.

Kameras werden immer smarter

Eine Schlüsseltechnologie, die die Entwicklung der Smart Cities wesentlich bestimmen wird, nennt sich Computer Vision (CV), oder video-as-a-sensor. Im Grunde besagt dies, dass von Kameras aufgenommene Bilder von einer Software umgehend analysiert und in brauchbare Daten verwandelt werden. So können Computer etwa automatisch die Größe einer Parklücke bestimmen und entsprechend ein Fahrzeug nur dann dorthin lenken, wenn es hineinpasst. Kameras in Bahnhöfen können ständig das Fahrgastaufkommen erfassen und so die Entwicklung eines effektiven Fahrplans unterstützen. Im Straßenverkehr können autonome Wagen umgeleitet werden, wenn Kameras einen Straßenschaden oder sonstige Hindernisse erkennen. Bereits heute erleben wir Computer Vision im Verkehr, etwa, wenn intelligentes Fernlicht entgegen kommende Autos aus der Verteilung des Lichtstrahls nimmt.

Mixed Reality holt Daten vom Smartphone weg

Seit es Smartphones gibt, gilt Augmented Reality als eine Technik der Zukunft. In der Regel ist damit gemeint, dass Daten auf dem Smartphone-Display über ein Kamerabild der Umgebung gelegt werden. Denkt man diese Technik weiter, gelangt man zu dem, was Mixed Reality genannt wird. Wir kennen es aus Head-Up-Displays im Auto, die etwa Navigationsanweisungen auf die Windschutzscheibe projizieren. So ist etwa vorstellbar, dass künftig vor dem Aufbrechen zur Arbeit ein Blick aus dem Fenster – oder besser: auf das Fenster – alle möglichen Informationen zu der anstehen Fahrt liefert. Ein HUD projiziert den genauen Ort eventueller Verkehrshindernisse auf die Scheibe, die momentane Position des unterirdisch fahrenden Nahverkehrs oder die des autonomen Wagens, der gerade auf dem Weg zu einem selbst ist. Während der Fahrt erkennt der Wagen dann einen zu Fuß gehenden Arbeitskollegen anhand seines Smartphones, hebt ihn auf der Windschutzscheibe farbig hervor und bietet an, ihn mitzunehmen.

Künstliche Intelligenz bringt alles zusammen

Ihr volles Potential kann eine Smart City erst dann entfalten, wenn Daten aus vielen Quellen zusammenfließen – und eine künstliche Intelligenz daraus die richtigen Schlüsse ableitet. Verkehr wird automatisch so geführt, dass keine Staus entstehen, der Nahverkehr den tatsächlichen Bedürfnissen entsprechend getaktet und geführt. Polizei und Feuerwehr werden durch intelligente Kameras über Zwischenfälle informiert, ohne dass erst ein Notruf eingehen muss. Dabei melden sie auch, ob und wie viele Personen von dem Zwischenfall betroffen sind und benachrichtigen, wenn sie etwa eine leblose Person ausmachen, den Rettungsdienst. Unwetterwarnungen kommen bei allen Bürgern an, weil sie bei entsprechender Dringlichkeit auf alle Mixed-Reality-Fenster projiziert werden.

All diese Möglichkeiten für eine Smart City klingen noch ein wenig nach Science Fiction, sind es aber nicht: Die hier angesprochen Technologien gibt es bereits. Noch werden sie nur nicht in großem Umfang in der Stadtplanung eingesetzt oder sind noch nicht auf einem dafür nötigen Entwicklungsstand. Die Arbeiten daran allerdings sind vielerorts in vollem Gang.

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von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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