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Die Stadt der Zukunft: Smart Cities werden Wirklichkeit

von Christian Zeiser

Ein vernetztes Heim ist praktisch: Automatisch reagiert es auf seine Umwelt und passt etwa Beleuchtung und andere Dinge an. Was ein einzelnes Heim kann, sollen schon bald auch ganze Städte können. Die Arbeiten an Smart Cities sind längst in vollem Gange.

Deutschland ist ein Land der Städte: Drei Viertel der Deutschen leben in ihnen, Tendenz steigend. Solch eine Ballung stellt Städte vor Herausforderungen, deren Bewältigung vor allem von einer Entwicklung abhängig ist: dem Internet der Dinge. Dieses Schlagwort umfasst viel mehr als die Automatisierung des Zuhauses, wie wir sie schon heute kennen. Das Internet der Dinge ermöglicht es, ganze Städte zu automatisieren. Es bedeutet ganz allgemein, dass das Internet bald nicht nur von Menschen, sondern vor allem von Geräten benutzt wird – Geräte, die wir oft gar nicht oder nicht als Teil des Internets wahrnehmen.

Der Schlüssel zu  Smart Cities: Straßenbeleuchtung

Eine Art dieser Geräte gibt es in jeder Stadt tausendfach: Straßenlampen. Diese sind in vielen Städten Jahrzehnte alt und modernisierungsbedürftig, zumal die oft verwendeten Quecksilberdampflampen seit 2015 nicht mehr neu angeschafft werden dürfen. Neue Lampen auf LED-Basis bieten nicht nur schöneres und sparsameres Licht, sondern stellen das Rückgrat einer smarten Stadt dar. Sensoren an den Masten der Leuchten registrieren hierfür etwa die Lichtintensität und den Verkehr in der Umgebung. In einer kaum befahrenen Nebenstraße könnte das Licht so automatisch gedimmt werden, ebenso in einer belebten Straße voller anderer Lichtquellen wie Geschäften und Leuchtreklame. Die Firma Osram forscht seit Jahren auf diesem Gebiet und denkt noch weiter: Innerhalb der smarten Straßenbeleuchtung kommunizieren die einzelnen Lampen untereinander über W-LAN. Überall dort, wo es Straßenbeleuchtung gibt, stünde also auch ein Funknetzwerk zur Verfügung, der Wunsch nach einem überall in der Stadt verfügbaren W-LAN für alle wäre so ganz nebenbei auch erfüllt. Entsprechende LED-Straßenlampen bietet Osram längst an.

In Buenos Aires ist intelligente Straßenbeleuchtung schon großflächige Wirklichkeit: Die Firma Philips ersetzte 90.000 Lampen in der argentinischen Hauptstadt durch intelligent gesteuerte LED-Leuchten. Straßenzüge, aber auch Parks, Brücken und Fußgängerzonen können nun von einer Zentrale aus effizient beleuchtet werden. Über eine Antenne kommuniziert jede Lampe mit der Zentrale, defekte Lampen können leicht geortet und ausgetauscht werden. Nebenbei spart Buenos Aires durch die LED-Beleuchtung und die intelligente Steuerung noch die Hälfte des zuvor für Licht verbrauchten Stroms ein.

Smartere Mobilität

Auch die Deutsche Telekom forscht auf dem Gebiet der smarten Stadt. So hat das Mobilfunkunternehmen etwa ein Konzept entwickelt, das Autofahrer künftig gezielt zu freien Parkplätzen steuern soll. Hierfür wird eine Sonde in den Boden eingelassen, die als Teil des Internets der Dinge ständig meldet, ob der entsprechende Parkplatz besetzt oder frei ist. Eine App auf dem Smartphone des Autofahrers zeigt dann alle freien Plätze der Umgebung an, wobei sich das Konzept noch viel weiter denken lässt. So könnte etwa ein autonom fahrendes Auto selbständig den freien Parkplatz anfahren, nachdem der Fahrer schon ausgestiegen ist, um einkaufen zu gehen. In einigen Städten, etwa in Dubrovnik und Bukarest, laufen bereits Pilotprojekte der Telekom. So werden Autofahrer in Dubrovnik nicht nur zu einer freien Parklücke gelotst, sondern können die Parkgebühren gleich am Smartphone bezahlen, etwa über die Mobilfunkrechnung. Außerdem warnt die App Fahrer, die ihr Auto widerrechtlich abstellen, zum Beispiel auf einem Behindertenparkplatz. Viele weitere Anwendungen sind denkbar und werden teils schon entwickelt. Der Verkehrsfluss in einer Stadt ließe sich durch intelligent auf aktuelle Situationen reagierende Ampeln effizienter steuern: So variiert eine schon installierte Ampel im Hamburger Hafengebiet etwa die Grün- und Rotphasen je nach Verkehrsfluss und sorgt so für weniger Staus. All dies ist freilich nur der Beginn einer Entwicklung, die wir in den kommenden Jahren werden beobachten können. Die Arbeit daran hat schon längst begonnen.

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von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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