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5G: Was kommt da auf uns zu?

Im vergangenen Sommer saß ich mit ein paar Freunden beim Grillen im Garten. Zu der Zeit lief die Fußball-WM und wir sahen uns auf meinem iPhone eher nebenbei ein Spiel an. Die Schlüsselszenen verpassten wir dabei nie: Wenn die Nachbarn im nahen Haus jubelten, sahen wir auf das Display und etwa eine halbe Minute später wurde das Tor dann auch dort gezeigt – der Verzögerung bei der Datenübertragung geschuldet. (Die Nachbarn sind übrigens Franzosen. Aus den von Deutschen bewohnten Wohnungen kam erwartbar wenig Jubel.)

Mehr Tempo für (fast) alle

Bei der kommenden WM, so wollen es Mobilfunkanbieter und Bundesregierung, soll damit Schluss sein: 5G, die neue Generation des Mobilfunks, soll bis zu 100-mal schnellere Übertragungen zulassen wie das aktuelle 4G, auch LTE genannt. 10 Gigabit pro Sekunde lautet die Maßgabe – das wäre genug, um solche Übertragungen verzögerungsfrei in HD zu ermöglichen. Prinzipiell wäre es bei einer solchen Geschwindigkeit nicht einmal mehr nötig, parallel einen Festnetzanschluss mit Internet zu haben, man könnte technisch gesehen den gesamten Datenverkehr daheim über das mobile Netz laufen lassen. Allerdings werden hier wohl Datenobergrenzen der Betreiber einen Riegel vorschieben.

Das Internet für die Dinge

Nicht nur die Geschwindigkeit der Datenübertragung ist bei 5G zentral. Es soll wesentlich mehr gleichzeitig verbundene Geräte erlauben, bis zu eine Million Geräte pro Quadratkilometer. Bisher diente der Mobilfunk vor allem menschlichen Anwendern und ihren Smartphones, mit 5G sollen nun auch Geräte und Sensoren vom schnellen Netz profitieren. Das können etwa autonom fahrende Autos sein, die Verkehrsdaten in Echtzeit bekommen. Auch intelligente Straßenbeleuchtung, Parkleitsysteme und andere Technologien für einen smarteren Verkehr benötigen gar nicht so sehr schnelle Daten, sondern die neuen Möglichkeiten der Vernetzung.

Auch in anderen Bereichen bietet 5G neue Möglichkeiten. Sensoren könnten ständig bestimmte Werte von chronisch Kranken überwachen, etwa den Blutzuckerwert bei Diabetikern. Kommt es zu einer Krise, könnte ein solcher Sensor dann zuverlässig einen Notruf absetzen. 5G öffnet Industriebetrieben neue Wege, ihre Produktion über mehrere Standorte zu vernetzen. Im Hamburger Hafen gibt es gar schon ein 5G-Pilotprojekt. Dort können Ingenieure sich etwa über eine Augmented-Reality-Brille ansehen, wo genau im Boden Leitungen verlaufen, bevor sie dort ein Bauvorhaben angehen. Kurz: Das Internet der Dinge soll mit 5G endlich Wirklichkeit werden.

Es wird noch dauern

Über eines sollte man sich im Klaren sein: Der Ausbau von 5G wird dauern, mehrere Jahre. Vielleicht wird es wird nie überall verfügbar sein. Marcus Haas, Deutschland-Chef von O2-Betreiber Telefonica, kassierte unlängst Kritik dafür, dass er sagte, die Erwartungen seien zu hoch, die Leute wollten 5G auch im Wald für ihre Pilze-App. Damit hat er nur zum Teil Recht: Die allermeisten unserer täglichen Anwendungen funktionieren auch mit 4G bestens. Allerdings verkennt er dabei, dass 5G die Voraussetzung für viele Technologien der Zukunft ist. Autonom fahrende Autos sollten in Zukunft auch in abgelegenen Gebieten fahren können, nicht nur in der Stadt. Wenn der Gullideckel in Kleinkleckersdorf meldet, dass er jetzt geöffnet ist, oder eine Bahnschranke, dass sie jetzt schließt, sollte das sich nähernde Auto davon erfahren. Auch sind viele innovative Unternehmen in ländlichen Regionen niedergelassen und benötigen ein schnelles Netz ebenso sehr wie Firmen in den Großstädten. Auf dem Land passiert eben deutlich mehr als Pilzesammeln.

Artikel vom

von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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