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Würden Sie sich einen Chip unter die Haut implantieren lassen?

von Christian Zeiser

Ein Chip unter der Haut soll uns das Leben erleichtern: Sind RFID-Implantate wirklich nützlich? Und wie verhält es sich mit der Sicherheit der Daten? Ein Check.

Patrick Kramer bezeichnet sich selbst als Cyborg, also als Mischwesen aus Mensch und Maschine. Freilich besitzt der Hamburger keinen kybernetischen Arm und auch keine Roboterbeine, die ihm ungeahnte Schnelligkeit geben und ihn im Bedarfsfall mittels kleiner Düsen zum Fliegen verhelfen. Unter der äußeren Hautschicht seiner rechten Hand befindet sich eine winzige Kapsel. Diese enthält einen RFID-Chip und erleichtert ihm den Alltag. Kramer ist Inhaber der Firma Digiwell, die diese RFID-Implantate vertreibt. Etwa 50.000 Menschen weltweit, schätzt Kramer, besitzen heute schon so ein Implantat.

RFID bedeutet „radio frequency identification“, also Identifizierung durch Radiowellen. Man kennt diese Chips seit Jahrzehnten: Hunden werden sie in den Nacken injiziert, Schäfer erkennen mit ihrer Hilfe die Tiere ihrer Herde, sie finden sich in deutschen Personalausweisen und in Zündschlüsseln für Autos. Sie sind nichts Neues. Doch im menschlichen Körper? Der Gedanke lässt viele Menschen fremdeln.

Ein Implantat im Körper – ist das riskant?

Unzählige Menschen leben mit Implantaten. Dazu gehören Herzschrittmacher, künstliche Gelenke oder auch Brustimplantate. Werden sie fachgerecht eingesetzt, verursachen sie keine Probleme. Unsere Hunde vertragen die Chips unter ihrer Haut auch klaglos. Mit Abstoßreaktionen ist ebenfalls nicht zu rechnen, die kommen bei biologischem Material wie Spenderorganen vor. Was die Gesundheit angeht, muss man sich wegen eines RFID-Implantats also keine Sorgen machen. Das Implantieren selbst ist ungefährlich, zwischen Daumen und Zeigefinger befinden sich kaum Gefäße oder Nervenenden. Durchgeführt werden kann es durch einen Arzt, eine Krankenpflegekraft, aber auch in einem Piercing-Studio.

Eine Frage, die sich aufdrängt, ist die nach der Sicherheit der Daten: Können die auf dem Implantat gespeicherten Informationen unbefugt ausgelesen werden? Kaum, denn die Reichweite dieser Implantate beträgt höchstens wenige Zentimeter. Meist muss Hautkontakt hergestellt werden, um an die Daten zu kommen. Jede Schlüsselkarte mit RFID-Chip besitzt eine größere Reichweite und ist unsicherer.

Was nützt ein RFID-Chip im Körper?

RFID-Implantate sind nichts weiter als winzige Datenspeicher mit einer Kapazität von oft unter einem Kilobyte. Was man auf ihnen speichert, ist allein die Sache des Trägers. Das kann der Code einer Schlüsselkarte sein, die man fortan nicht mehr bei sich tragen muss, um eine Tür zu öffnen. Auch die eigene Visitenkarte findet darauf Platz, das RFID-fähige Smartphone eines Geschäftspartners kann sie dann einfach auslesen. Australische Radsportler tragen gerne Implantate, die ihre wichtigsten medizinischen Daten enthalten. Im Notfall kommt medizinisches Hilfspersonal so an die Informationen, selbst wenn der Sportler nicht mehr ansprechbar ist.

Seinen Nutzen erhält der RFID-Chip vor allem durch Hardware, die ihn auslesen kann. So gibt es bereits Türschlösser, die den in die Hand implantierten Chip erkennen und dann die Tür entriegeln. Das funktioniert bereits in Fitnessstudios von Neuseeland bis Schweden. Auch in Deutschland gibt es eine erste Kooperation mit einer großen Fitnessstudio-Kette. Vergessene Schlüssel gehören damit der Vergangenheit an, horrende Rechnungen von Türnotdiensten ebenso.

Noch sind RFID-Implantate recht selten, für den privaten Gebrauch gibt es zudem noch nicht viel Hardware. Das wird sich allerdings ändern: Denkbar sind etwa Türschlösser, die sinnvoll in ein Smart-Home-System eingebunden sind. Beim Auslesen des Chips erkennen sie, wer die Tür öffnet, und reagieren je nach Person unterschiedlich. Ein RFID-Implantat könnte auch, vom Griff der Autotür ausgelesen, je nach Fahrer unterschiedliche Einstellungen des Fahrersitzes, der Klimaanlage und des Autoradios auslösen. Mögliche Anwendungen für unter der Haut versteckte RFID-Chips gibt es genug. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Hersteller diese entwickeln.

Und bei unseren schwedischen Nachbarn laufen erste Testversuche, den Minichip als Bahnfahrkarte einzusetzen. Per App kann man sich das Zugfahrtticket auf den Chip unter der Haut laden und der Schaffner kann es auslesen. Auch Nachtclubs setzen für ihre Mitglieder auf diese Technik. Die Vision: In Zukunft kann man seine Drinks ganz einfach per Chip bezahlen, ohne seine Geldbörse dabei haben zu müssen.

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von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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