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Wie verändern smarte Gadgets unser Familienleben?

von Rob Vegas

Drei Minuten nicht auf das eigene Smartphone schauen? Das ist für viele Menschen schon ein Problem. Die Zahl der Gadgets nimmt zu und verändert das Familienleben. Mitunter wünschen wir uns mehr Ruhe und direkte Kommunikation ohne Bildschirm.

Kinder kopieren das Verhalten ihrer Eltern

Es gibt mittlerweile etliche Studien zum Nutzungsverhalten bei Smartphones von Kindern und Jugendlichen. Laut Studie vom Land NRW gaben viele Kinder zu, durch die Nutzung von Smartphones zu viele persönliche Dinge preiszugeben, oder einfach nur abgelenkt von den wichtigen Hausaufgaben zu sein. Andere Erhebungen loben wiederum den technischen Fortschritt im Familienleben und dazwischen gibt es die persönliche Empfindung von Eltern, Kindern und der eigenen Meinung zur modernen Welt. Dabei ist es sehr spannend zu lesen, dass gleich mehrere Verhaltensforscher und Studien den Eltern die Schuld am Verhalten der Kinder geben, wenn diese nur die ganze Zeit auf ihr Smartphone schauen. Immerhin würden Kinder meist das Verhalten der eigenen Eltern nur nach einer gewissen Zeit kopieren. Welcher Erwachsene schaut nicht alle paar Minuten auf sein Smartphone und checkt die Mails? Kinder schauen sich dieses Verhalten oft ab und wenden es auf ihr eigenes Umfeld an. Nur werden hier halt nicht die Mails vom Arbeitgeber gecheckt, sondern man unterhält sich mit den Freunden schon vor dem täglichen Schulbeginn über WhatsApp. Man muss sich also auch immer an die eigene Nase fassen.

Die neue Welt

Alles ist aktuell im Umbruch. Wir können die eigene Heizung per App steuern und müssen nicht mehr selbst das Brennholz wie Uropa im Wald schlagen. Supermärkte liefern direkt nach einer Bestellung im Netz die Waren bis in die fünfte Etage der Mietwohnung. Filme muss man nicht mehr zurück zur Videothek bringen, sondern kann sich selbst im Urlaub fernab der Heimat die neuesten Serien auf das Tablet streamen. Quengelnde Kinder auf der Rückbank im Auto? Da läuft bei vielen Familien auf der Fahrt in den Urlaub schon das Tablet mit "Findet Nemo". Selbst das eigene Haustier kann man per GPS und App orten und sich mit Oma auf Skype per Video unterhalten. Die Familiengruppe bei WhatsApp ist in vielen Familien längst Standard geworden. Warum ich diese ganzen Errungenschaften hier aufzähle? Weil die Diskussion um die smarten Begleiter oft nur eine sehr schmale Perspektive aufzeigt. Dabei hat sich das ganze Leben und damit auch das komplette Zusammenleben radikal verändert. Wir können heute jederzeit mit dem Onkel Josef in Süddeutschland skypen und er sieht die Enkel nicht mehr nur alle paar Jahre bei einem Besuch im Sommer. Vieles ist auch besser, einfacher und weitaus komfortabler geworden. Doch diese smarte Welt hat natürlich auch ihre Schattenseiten.

Permanent online. Permanent abgelenkt.

Ein smartes Gadget ist nicht unbedingt mit einem klassischen Walkman vergleichbar. Es gab immer neue Erfindungen zur unterhaltsamen Ablenkung der Menschheit. Auch Radio und Fernsehen wurden einst von Forschern und Konservativen als großes Unheil angesehen. Selbst die Erfindung der Eisenbahn wurde heftig kritisiert. Immerhin sei diese Art der Fortbewegung viel zu schnell für das menschliche Gehirn. Nur gewöhnen sich Menschen sehr schnell an ihre Umwelt. Das Smartphone ist allerdings ein sehr persönlicher Begleiter. Jesper Juul nennt diese Geräte in seinem sehr ausführlichen Beitrag zum Thema sogar "Familienbegleiter", weil die Menschen eine sehr enge Beziehung zu diesen Begleitern aufbauen. Wir sind permanent online, mit den Freunden verbunden und damit auch dauerhaft abgelenkt. Wie häufig man sein Smartphone in die Hand nimmt, kann man inwischen sogar schon tracken. Die Aufmerksamkeitsspanne der Mitmenschen sinkt gefühlt täglich. Das ist natürlich dasselbe Bild in Familien. Alle Familienmitglieder sind mit einer Hand schon meist wieder am Touchdisplay. Wir kontrollieren die eigene Umwelt per App, chatten den ganzen Tag, versenden Medieninhalte und üben uns in textbasierter Kommunikation. Das ist Fluch und Segen zugleich, weil so oft das analoge Familienleben leidet.

Eine smarte Generation

Viele Experten raten zu einer Bewusstseins-Änderung durch echte Naturerfahrungen. Die Dauerbedeutsamkeit von technischen Gadgets einfach durchbrechen, lautet ihre Empfehlung. Ein Verbot erscheint mir persönlich auch immer die schlechteste aller Optionen zu sein, denn man wird allein nicht den technischen Fortschritt aufhalten können. Warum also heutigen Kindern und Heranwachsenden diese neuen Mittel der Kommunikation gänzlich verbieten? Sie wachsen mit interaktiven Bildschirmen, einem steuerbaren Haus und WiFi auf. Sie empfinden es als ihre gelebte Normalität. Sie haben gar nicht den Blick zurück in eine Zeit, wo man noch per Schreibmaschine Texte geschrieben hat. Sie kennen ISDN nicht einmal mehr vom Namen her. Gerade hier kann ein Verbot der Nutzung sogar schädlich sein, weil man das Kind damit von seiner Umwelt abkoppelt. Kinder und Jugendliche werden diese Dienste, Mittel und Möglichkeiten später im Alltag und im Beruf nutzen und selbst irgendwann wieder vom technischen Fortschritt überrascht werden. Das ist der Lauf der Dinge und auch eine smarte Generation an Menschen muss ihre eigenen Erfahrungen mit dieser Technik machen. Allerdings warnen Forscher und Psychologen auch vor einer Vereinsamung durch die übermäßige Nutzung von Smartphones und Co.. Hier sollte man eher aufpassen und auch ganz klare Regeln einführen.

Das Problem sind die Menschen

Smarte Gadgets und neue Kommunikationsmittel sind selten allein für schlechtes Verhalten von Menschen verantwortlich. Die Menschen müssen einfach aufpassen, dass sie ihr privates und persönliches Umfeld nicht vernachlässigen. Ein gutes Gespräch zwischen zwei Menschen hat noch immer einen anderen Stellenwert als ein virtueller Chat. Mittlerweile klagen Psychologen über vermehrte Depressionen bei Kindern und Jugendlichen. Lassen wir uns permanent ablenken und schenken einander nicht mehr die nötige Aufmerksamkeit über Auge und Mund, so kann es tatsächlich zu seiner Vereinsamung der Kinder und Erwachsenen kommen. Man ist zwar immer online, vernetzt und im Gespräch, aber dabei doch allein vorm Bildschirm. Darin liegt die große Gefahr. Hier können Regeln wirklich helfen. Abends das Smartphone in der Küche lassen und nicht mehr mit ins Schlafzimmer nehmen. Beim Essen werden die Gadgets umgedreht und wer dennoch unbedingt auf sein Telefon schauen mag, muss später den Abwasch allein erledigen. Gerade in der Familie muss man in der oft gering bemessenen Freizeit diese Zeit mit dem Partner und den Kindern nutzen, weil man selbst sonst nur zu einem Chatkontakt verkommt. Das ist nicht eine Frage von aktuellen Gadgets und einer immer smarter werdenden Umwelt, sondern von der persönlichen Einstellung. Wie viel Zeit möchte ich ohne Bildschirm mit meinen Mitmenschen verbringen? Wie oft muss ich beim Spieleabend mit den Kindern wirklich meine Mails abrufen? Wie oft muss ich im Urlaub mit den Kollegen auf der Arbeit chatten? Wenn ich mich selbst permanent von Bildschirmen und Benachrichtigungen ablenken lasse, so lebe ich genau dieses Verhalten am Ende meinen eigenen Kindern vor.

Vielleicht hat in dieser sehr breiten Diskussion am Ende gar wieder einmal die Oma wieder recht. "Alles in Maßen, aber nicht in Massen.". Das richtige Maß bei der Nutzung von Gadgets ist wichtiger als das Gadget an sich.

Artikel vom

von Rob Vegas

Seit 2003 im Netz unterwegs. Blogger, Digital Native, falscher Harald Schmidt
auf Twitter und neuerdings Papa mit Vorliebe für Gadgets.
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