Cloud-Speicher: Schon praktisch, aber

von Christian Zeiser

Vor nicht vielen Jahren war es noch üblich, Festplatten oder zumindest USB-Sticks mit sich herumzutragen, wenn man unterwegs war. Schließlich wollte man bestimmte Dateien stets verfügbar haben, deshalb aber nicht gleich den Laptop mitnehmen. Dann kamen Dropbox, Google Drive, iCloud und andere Cloud-Speicher – sehr praktische Angebote, die man aber nicht ganz arglos nutzen sollte. Mit wenig Aufwand lässt sich sogar eine eigene, sichere Cloud einrichten.

Was ist ein Cloud-Speicher und was bringt er mir?

Bei einem Cloud-Speicher handelt es sich um ein Verzeichnis – einen Ordner –, der auf einem Server irgendwo im Internet ständig gespiegelt wird, also nochmals vorhanden ist. Damit hat man stets ein Backup dieses Ordners, was schon einmal für einen deutlich besseren Schutz der Daten in ihm sorgt. Selbst, wenn die Daten auf dem heimischen Computer verloren gehen, etwa durch einen Defekt der Festplatte, lassen sie sich aus der Cloud wieder herstellen. Einen Cloud-Speicher zu besitzen ergibt also immer Sinn, und sei es nur als einfache Backup-Lösung für die wichtigsten Dateien. Außerdem hat man nahezu weltweit Zugriff auf die Dateien im Cloud-Speicher: Alles, was man hierzu benötigt ist ein mit dem Internet verbundenes Gerät wie Computer, Tablet oder Smartphone und die dazugehörige App. Andersherum funktioniert es genauso: Sie machen unterwegs ein Foto mit dem Smartphone, legen es in den Cloud-Speicher, und augenblicklich ist es daheim auf dem Rechner verfügbar.

Noch nützlicher ist eine Cloud, wenn mehrere Personen gemeinsam an einem Projekt arbeiten, sei es in einem Büro oder über die Welt verteilt. So haben stets sämtliche Mitglieder des Teams Zugriff auf die jeweils aktuelle Version einer Datei. Ändert ein Beteiligter die Datei, haben alle anderen binnen Sekunden die neue Version vorliegen. Das hilft einem Projekt-Team im Job ebenso wie einer Seminargruppe an der Uni oder einfach dem Freundeskreis, der die Fotos vom letzten gemeinsamen Wochenende miteinander teilen möchte.

Was sollte ich über Cloud-Speicher wissen?

Man legt seine Dateien in die Hände einer Firma. Man muss nicht an Verfolgungswahn leiden, um bei dem Gedanken ein kleines Unwohlsein zu verspüren. Wir unterstellen keinem der großen Anbieter, Schindluder mit diesen Daten zu betreiben, aber große Firmen sind gerne einmal Ziel von Hacker-Angriffen. Der „Fappening“-Skandal im Jahr 2014, der Nacktbilder zahlreicher Prominenter ins Internet spülte, war das Ergebnis eines Angriffs auf Apples Cloud-Speicher iCloud. Man sollte sich also überlegen, welche Daten man der Cloud anvertraut. Möchte oder muss man dort sensible Daten ablegen, sollte man diese vorher verschlüsseln. Jedes große Betriebssystem bietet eine derartige Option an.

Wie finde ich den richtigen Cloud-Speicher?

Welcher Cloud-Speicher der richtige ist, hängt davon ab, welche Bedürfnisse man hat. Möchte man nur einige unsensible Daten in der Cloud speichern, reichen die kostenlosen Basis-Angebote von DropBox, Google Drive oder iCloud vollkommen aus. Braucht man mehr Speicherplatz, bieten alle drei Klassiker diesen gegen eine relativ geringe Gebühr. Am günstigsten kommen hier übrigens Apple-User weg: Bei iCloud kosten 50 Gigabyte Speicher nur 0,99 US$ im Monat. Noch größere Speicherkapazitäten gibt es günstig bei Dropbox und Google Drive (1 Terabyte für 10 US$).

Nun gibt es nachvollziehbare Gründe, aus denen manche ihre Daten nicht US-amerikanischen Anbietern überlassen wollen. Datenschutzbestimmungen sind in den Vereinigten Staaten deutlich lascher als in Deutschland. Der „Patriot Act“ verpflichtet dort ansässige Unternehmen, Behörden wie dem FBI, der CIA oder der NSA Zugriff auf ihre Nutzerdaten zu geben, und das selbst ohne richterliche Anordnung. Wie umfangreich diese Behörden davon Gebrauch machen, kam im Jahr 2013 durch den Whistleblower Edward Snowden heraus.

Tatsächlich ist kaum jemand auf die großen US-Firmen angewiesen: So erhalten Mobilfunkkunden der deutschen Telekom kostenlos 25 Gigabyte Cloud-Speicher, und sogar Nichtkunden kommen gegen Registrierung in den Genuss von 10 Gratis-Gigabyte. Das ist mehr als etwa Dropbox kostenlos herausrückt, und die Telekom garantiert, dass die Daten nur in Deutschland gespeichert werden. Auch die deutschen Firmen Web.de, GMX und Strato bieten kostenlose und kostenpflichtige Cloud-Dienste an.

Einfach und günstig zur eigenen Cloud

Allerdings kann man sich, einen ständigen Internet-Zugang vorausgesetzt, auch für wenig Geld eine eigene Cloud zulegen. Der Hersteller Western Digital bietet etwa eine ganze Reihe von Festplatten an, die über ein Netzwerkkabel mit dem Router verbunden werden und mit einer eigenen Cloud-Software versehen sind. Auch andere Hersteller wie Seagate oder Synology bieten vergleichbare Produkte. Das Modell mit üppigen vier Terabyte Speicherplatz von Western Digital kostet dabei unter 200 Euro. Das ist ein guter Preis dafür, anschließend stets zu wissen, wo sich die eigenen Daten befinden: zu Hause. Auf ihr gespeicherte Dateien sind auf Windows-PCs oder Macs ebenso abrufbar wie über Apps für iOS und Android. Einzelne Dateien oder ganze Verzeichnisse lassen sich außerdem für Mitarbeiter oder Freunde freigeben. Damit bieten sie alles, was man von einem Cloud-Speicher erwartet – ohne dass man seine Daten in die Hände Dritter legen muss.

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von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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