Alexa startet durch – Sprachassistenz auf Erfolgskurs

von Rüdiger Maulko

Es ist noch gar nicht so lange her, dass man bei Sprachsteuerungen für Smart Home an Science Fiction-Filme dachte. Nun sind sie Realität und werden voraussichtlich bald zur Normalität. Echo, der kleinere Echo dot und die dazugehörige Sprachassistentin Alexa haben wesentlich dazu beigetragen. Nach der Markteinführung im Herbst 2016 wurden smarte Lautsprecher innerhalb kurzer Zeit zum Inbegriff für moderne Sprachassistenz. Wie ist der Erfolg zu erklären?

Warum gerade Echo und Alexa?

Sprachsteuerungen gibt es schon länger, Apple hat die Assistentin Siri bereits 2011 als zusätzliche Steuerungsoption seines iPhones eingeführt. Amazon verfolgte von Beginn an ein anderes Konzept: Alexa ist nicht irgendein Zusatzfeature oder ein Gimmick, sondern erstmals die „Seele“ eines smarten Gadgets. Das gesamte Bedien- und Nutzungskonzept des Echo baut auf der Computerstimme auf. Die Fokussierung auf Sprachsteuerung als Essenz eines Gadgets hat sich ausgezahlt. Die Kunden haben gekauft.

Dass sich die innovativen Assistenten zügig durchsetzen konnten, ist auch der enormen Reichweite des Shopping-Giganten zu verdanken. Echo und Echo dot genießen schon seit einiger Zeit eine Dauerpräsenz auf Amazons Werbeflächen, früher oder später stolpert jeder Kunde über die Produkte. Der Weg zum Klick auf die Produktseite und zur anschließenden Ablage im Warenkorb ist dann nicht mehr weit. Begleitend steigerte ein beachtliches Medienecho die Bekanntheit und das Interesse an einer smarten Sprachsteuerung erheblich. Eine zügige und reibungslose Markteinführung tat ein Übriges. Amazon konnte schon auf Erfahrungen im amerikanischen Markt sei 2015 zurückgreifen. Zum Start in Deutschland stand also bereits eine erprobte Sprachassistenz samt technischer Infrastruktur (z. B. Amazon Cloud) bereit, die „nur“ noch Deutsch lernen musste.

Die Preispolitik des Marktführers im Onlineshopping ist ein weiterer Erfolgsfaktor. Die smarten Lautsprecher sind bezahlbar: Der Echo der ersten Generation kostete bei Markteinführung erschwingliche 179 Euro, sein aktueller Nachfolger (2. Generation) je nach dekorativem Look nur noch zwischen 99 (Textiloptik) und 109 Euro (Holzoptik). Für den kleineren Echo dot (mittlerweile 2. Generation) verlangt Amazon weiterhin nur 59,99 Euro. Noch interessanter wird der „Shoppingartikel für jedermann“ durch wiederholte Preissenkungen, Rabatt- und Salesaktionen. Neuerdings ist sogar Ratenzahlung für Echo Produkte möglich.

Auch wenn die Preise verhältnismäßig niedrig sind: Für die breite Akzeptanz der neuartigen Echo Gadgets ist es nicht unwichtig, dass sie etwas kosten. Wer in die Hardware investiert, stellt sich gezielt ein smartes Lifestyle-Produkt in die Wohnung, das durch seine pure Präsenz signalisiert: „Vergiss mich nicht! Ich habe Geld gekostet und will regelmäßig genutzt werden!“ Durch die höhere Identifikation mit einem gekauften und real anwesenden Produkt arrangieren sich Nutzer auch eher mit Unwägbarkeiten und Unzulänglichkeiten. Denn Alexa ist beim heutigen Stand beileibe nicht perfekt und weit von jeglicher Intelligenz im menschlichen Sinne entfernt. Sie erlaubt aktuell lediglich eine Kommunikation über einfache Anweisungen und Befehle, bei der die Maschine die Regeln mit standardisierten Formulierungen vorgibt und gelegentlich durch Rückfragen um Präzision in ihrem Sinne ringt. Für Gerätesteuerungen auf Basis einfacher Kommandos, wie sie im Smart Home in der Regel gebraucht werden, reicht das vollkommen aus (z. B. Licht an/aus/dimmen). Sobald man aber freier in der Kommunikation wird, ist der Ausgang ungewiss. So werden Ansagen wiederholt nicht erkannt, schon etwas kompliziertere Abfragen scheitern. „Das weiß ich leider nicht“ gibt es z. B. als Antwort auf die Frage: „Was hilft gegen Bauchschmerzen“. Vereinfacht man die Anfrage und reduziert den Kontext, gibt es wenigstens eine Antwort: „Wikipedia Bauchschmerzen“ beantwortet Alexa mit einer Definition. Um diese Kommunikationsdefizite zu relativieren, werden Echos seit Marktstart mit dem verlockenden Versprechen verkauft, dass Alexa mit der Zeit immer besser wird. Wer heute „Sprachsteuerung“ shoppt, investiert also in eine hoffentlich bessere Zukunft und schaut über Kinderkrankheiten leichter hinweg. Solange kann man sich mit der Rolle als Early Adopter einer wegweisenden und ständig dazulernenden Technik trösten.

Geduld allein reicht natürlich nicht aus, um sich auf Dauer mit einem smarten Lausprecher anzufreunden. Echos Alexa ist trotz der Schwächen bei der sogenannten Künstlichen Intelligenz (KI) schon heute eine nützliche Hilfe. Ihre Funktionsvielfalt geht über eine reine Gerätesteuerung weit hinaus. Als „Rund-um-sorglos-Assistent“ für den Alltag kommuniziert sie Wetterinfos, verwaltet Termine, spielt die Wunschmusik, ruft Taxis oder liest Rezepte vor. Zahlreiche Skills - also installierbare Apps von Drittanbietern - erweitern den Funktionsumfang. Ihre Zahl wird in nächster Zeit weiter zunehmen. Bereits vertreten sind viele Smart Home Apps, etwa von Netatmo (Wetterstation), tado° (Heizungssteuerung), Home Connect (Steuerung diverser Haushaltsgeräte) und Philips Hue (LED Beleuchtungssystem). Durch die Sprachunterstützung hat sich deren Bedienung und Einrichtung vereinfacht und ist intuitiver geworden. Der Griff zum Smartphone sowie die umständliche menübasierte Nutzung von Apps werden immer mehr zur Ausnahme, wenn es auch direkt per Sprachbefehl geht. Apps werden zukünftig wahrscheinlich zu reinen Verwaltungszentralen, die einen Überblick über Smart Home Geräte, Abläufe (Protokollfunktion) und installierte Programme geben.

Die Skill-Vielfalt ist Resultat der Offenheit des Systems. Amazon bietet mit Alexa keine Insel-, sondern eine Universallösung für smarte Hardware aller Art. Interessierte Hersteller können sich der Sprachassistentin recht umstandslos bedienen und sparen so erhebliche Entwicklungs- und Erprobungskosten. Darüber hinaus profitieren sie von Echos Anziehungskraft sowie der Marktpräsenz und Infrastruktur des Vertriebskanals Amazon. Für Nutzer sind die Vorteile einer geräteübergreifenden Strategie offenkundig: Hören viele Geräte verschiedener Hersteller auf eine Assistentin, braucht es kein umständliches App-Switching auf Smartphones und Tablets mehr. Viele User finden es ohnehin verwirrend, wenn sie ständig eine Vielzahl von Apps zur Steuerung ihres Geräteparks bemühen müssen. Ihr Smart Home bekommt stattdessen eine vertraute Stimme, die sie täglich begrüßt und bequem vieles erledigt.

Der Turbo wird gezündet – Echo gründet eine Großfamilie

Um seinen Shootingstar noch beliebter zu machen und die Konkurrenz weiterhin auf Distanz zu halten, legt Amazon derzeit massiv nach: Mit dem Echo Show mutiert die ursprüngliche Lautsprechersäule zu einem leicht nach hinten gelehnten Bildschirm, der zusätzliche Infos und Videos (z. B. Bilder einer Überwachungskamera) anzeigen kann. Zudem können Echo Show-Besitzer untereinander Videotelefonate führen und via Drop In-Funktion den schlafenden Nachwuchs im Kinderzimmer im Blick behalten. Vor allem in der Küche wird sich Echo Show schnell einen Stammplatz erobern, wo man ja meist alle Hände voll zu tun hat. Echo Plus gehört neuerdings ebenfalls zur Familie. Er erweitert die Funktionalität um einen integrierten Smart Home Hub, der schon ab Werk direkt mit smarten Gadgets kommunizieren kann. Für die einfache Sprachsteuerung von z. B. einer Philips Hue Lampe muss also keine zusätzliche Hardware mehr angeschafft werden. Der Einstieg in die Heimautomatisierung wird so noch leichter. Derzeit zeichnet sich aber bereits ab, dass für komplexere Steuerungsabläufe und Firmwareupdates von Smart Home Geräten weiterhin spezielle Hardware nötig sein wird.

Doch damit nicht genug: Noch 2017 soll der Echo Button das Weihnachtsgeschäft aufmischen. Der kleine Buzzer dient als interaktives Spielegadget für die ganze Familie. Während Alexa z. B. als Quizmaster fungiert und Fragen stellt, muss möglichst zügig auf den vernetzten Button gedrückt werden. Die Spiele lädt man sich einfach im Skill Store herunter. 2018 wird mit dem Echo Spot ein verkleinerter Echo Show in Form eines runden Weckers auf den Markt kommen, der insbesondere in unserem Schlafzimmer assistieren soll. Zeitanzeige, Abspielen der Lieblingsmusik beim Aufstehen und Gute-Nacht-Grüße über Videotelefonie sind unter anderem möglich.

Es bleibt spannend

Die Produktoffensive von Amazon zeigt, dass Echo und Alexa bei den Verbrauchern gut ankommen. Sprachsteuerungen und smarte Lautsprecher werden sich immer stärker in unserem Alltag etablieren und auf längere Sicht den Lifestyle im Smart Home grundlegend verändern. Auch andere Big Player wie Google oder Apple haben natürlich längst erkannt, dass persönliche Assistenten enorme Chancen bieten und den Absatz von Produkten und kostenpflichtigen Diensten ankurbeln können. Google ist hierzulande mit dem smarten Lautsprecher Google Home erst seit August 2017 am Start, der dazugehörige Google Assistant kann ebenfalls schon einige Smart Home Geräte steuern. Alexa ist in der Summe zwar momentan noch vielseitiger, erste Tests weisen aber auf eine bessere Sprachassistenz hin. Google Assistant versteht offenbar mehr Anfragen. Das Know How eines Suchmaschinengiganten und die über Jahre gesammelten Userdaten via Tracking und Google Analytics machen sich hier offenbar bemerkbar. Apple läuft der Entwicklung derzeit etwas hinterher. Der HomePod mit Siri ist erst für 2018 angekündigt. Seine Stärke soll auf der Wiedergabe von Musik liegen. Apple setzt damit auf eine äußerst beliebte Nutzungsform von smarten Lautsprechern. Es bleibt also spannend, zumal auch noch andere Hersteller wie Samsung (Bixby) und Microsoft (Cortana) mitmischen wollen. Alexas schneller Erfolg ist zwar beeindruckend, aber es ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen, wer sich auf Dauer durchsetzen wird.

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von Rüdiger Maulko

Mehrjährige Tätigkeit an der Universität Hamburg, danach freier Dozent, Texter
für Werbeagenturen und freier Publizist. Promotion im Fach Medienwissenschaft über
die Digitalisierung des Fernsehens.
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