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Smarte Pflaster: Die Zukunft der Medizin?

Die Smart Watch meldet: 10.000 Schritte gegangen, 560 Kalorien verbrannt, zwölf Stunden aktiv gewesen, ein erfolgreicher Tag. Keine Frage, es ist schon toll, was so eine Smart Watch alles kann. Bis vor wenigen Jahren war eine Uhr nur dazu da, die Zeit anzuzeigen. Jetzt dient sie nicht nur als Display, sondern auch als Sensor, und misst unsere Aktivität.

Es ist das Prinzip von Wearables, dass sie mehr können, als ihre Bauform vermuten lässt: So sind viele Smart Watches etwa auch in der Lage, die Herzfrequenz ihrer Träger zu messen und zu warnen, sollte diese einen bestimmten Wert überschreiten, obwohl die Uhr keine Aktivität feststellt. Die Uhr dient also auch als Fitness-Tracker und überwacht die Gesundheit ihres Trägers. Keine Frage: Nach Jahren des Forschens und Entwickelns verlassen Wearables nun die Phase „Hype-Schnickschnack, der bald wieder verschwindet“, und erweisen sich als tatsächlich sinnvoll. Einfach, weil es möglich geworden ist, sehr viel sinnvolle Elektronik auf sehr kleinem Raum zu komprimieren. Es muss nämlich nicht einmal mehr eine Uhr oder ein Armband sein: Die Zukunft der Wearables liegt bei den Pflastern. Einen Vorgeschmack bietet der Freestyle Libre des US-amerikanischen Herstellers Abbott, über den wir schon berichtet haben. Auch die irische Firma PMD Solutions hat mit RespiraSense ein pflasterartiges Gerät entwickelt, das am Brustkorb getragen wird und dort die Atemfrequenz des Trägers überwacht. So kann es nicht nur Atemstörungen erkennen: Zu schnelle Atmung ist auch ein Anzeichen für eine Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt. Die Sepsis fordert jedes Jahr in Deutschland mehr als 50.000 Todesopfer, eine frühzeitige Erkennung kann Leben retten.

Doch Forscher beschäftigen sich nicht nur mit auf der Haut getragenen Helfern, die Messdaten erheben: Die Pflaster von morgen sollen aktiv in den Heilungsprozess eingreifen. Seit langer Zeit schon kennen wir Wärme- oder Nikotinpflaster, die einen Wirkstoff langsam an die Haut abgeben. Dieses Prinzip lässt sich weiter denken: So sollen Pflaster in naher Zukunft gleichzeitig Biowerte überwachen und, bei Bedarf und elektronisch gesteuert, einen Wirkstoff abgeben können. Am renommierten MIT in Boston etwa wird ein Pflaster entwickelt, das über Sensoren verschiedene Daten an der Wunde ermittelt und so eine Entzündung frühzeitig erkennen soll. Tritt eine auf, setzt es einen Wirkstoff frei, um sie zu bekämpfen. An der Universität von Nebraska in Lincoln forschen Wissenschaftler gar an einem Pflaster, das gleich mehrere Medikamente verabreichen kann. Hydrogel-Zellen enthalten die Wirkstoffe, elektrisch leitende Fasern erwärmen auf Wunsch das Gel, das dann den Wirkstoff freisetzt, so das Prinzip. Gesteuert wird die Gabe der Medikamente einfach vom Smartphone aus.

Freilich: Dies ist erst der Anfang einer Entwicklung, die noch Jahre bis zur Marktreife benötigen wird. Einige Probleme sind noch ungelöst, allen voran das der zuverlässigen Stromversorgung über lange Zeit. Nach abgeschlossener Forschung warten Zertifizierungsverfahren, außerdem müssen Ärzte und Patienten die neuen Pflaster akzeptieren. Dass sie kommen werden, ist aber absehbar und dürfte viele, vor allem chronisch kranke, Menschen freuen.

Artikel vom

von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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