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Smart investieren: Crowdfunding

Die erfolgreiche TV-Sendung „Höhle der Löwen“ (VOX) zeigt seit einigen Jahren, wie es geht. Wer finanzstarke Geldgeber hat, kann gute Ideen in die Tat umsetzen. Leider hat nicht jeder das Glück, Investoren im Fernsehen zu finden. Eine spannende Alternative ist Crowdfunding. Die smarte Finanzierung ist keineswegs nur eine exotische Spielweise für abgefahrene Start-ups und nerdige Erfinder. Sie hat sich mittlerweile weltweit etabliert und unterschiedlichste Projekte erfolgreich realisiert. Selbst renommierte Smart Home-Spezialisten wie tado°, die mit smarter Heiztechnik die Ökobilanz vieler Haushalte verbessern, werben mit Crowdfunding das benötigte Geld für Innovationen ein. Wir zeigen, wie das Verfahren funktioniert und wofür es eingesetzt wird.

Was ist Crowdfunding?

Der Begriff bezeichnet ein Finanzierungsmodell, bei dem eine größere Anzahl von Geldgebern ein Projekt unterstützt. Häufiger wird auch der Ausdruck „Schwarmfinanzierung“ verwendet. Wird Crowdfunding bewusst als Anlagestrategie genutzt, spricht man von Crowdinvesting. Geldgeber, die auf gute Renditen spekulieren, haben meist eine langfristige Perspektive. Sie kaufen Firmenanteile und wollen dann auch vom späteren Erfolg z. B. eines Start-ups profitieren. Besonders geeignet für Schwarmfinanzierung sind Projekte, die eine klare Zielsetzung verfolgen, nicht zu kompliziert und gut vermittelbar sind. Es geht bei der Schwarmfinanzierung, die ursprünglich aus den USA stammt, nicht immer um Profit. Viele Finanziers wollen einfach nur ein Vorhaben unterstützen, das sie aus sozialen, politischen oder humanitären Gründen befürworten. So wird beispielsweise eine gemeinnützige Aktion gefördert, die dringend benötigte technische Hilfsmittel für ein Altenheim organisiert. Tierschutz ist ebenfalls ein häufiges Motiv für Crowdfunding. Die Grenze zur klassischen Spende ist in solchen Fällen fließend.

Die Finanzierungsstrategie benötigt nicht zwingend das Internet, findet dort aber ideale Voraussetzungen vor. Jenseits des traditionellen Banken- und Kreditsystem können Crowdfunder im Netz nach Verbündeten suchen und mit Geldgebern direkt in Kontakt treten. Das geschieht in der Regel auf spezialisierten Internetplattformen, wo Ideen und Projekte einer größeren Öffentlichkeit präsentiert werden. Das Netz hilft zudem bei der Promotion, da Kommunikationskanäle mit großer Reichweite (YouTube, Instagram etc.) eingebunden werden können. Unkomplizierte elektronische Bezahlsysteme wie PayPal sorgen dafür, dass das Geld schnell bei den Initiatoren der Projekte ankommt.

So läuft Crowdfunding ab

Auf einer Crowdfunding-Plattform wird eine Projektvorstellung publiziert. Sie informiert unter anderem über die benötigte Geldsumme (Fundingziel) sowie über den Zeitraum der Finanzierung und Realisierung eines Vorhabens. Einige Projekte definieren mehrere Finanzierungsrunden, um kapitalintensive und langfristige Vorhaben umzusetzen. Um Unterstützer zu motivieren, werden häufig materielle und finanzielle Gegenleistungen in Aussicht gestellt. Wird das Fundingziel nicht erreicht, fließt der eingezahlte Betrag zurück an die Geldgeber. Es gibt auch Finanzierungsmodelle, bei denen die Mindestsumme nicht zwingend erreicht werden muss. Dann verwenden die Initiatoren den erzielten Betrag für die Umsetzung ihrer Idee. In solchen Fällen ist es natürlich hilfreich, wenn Crowdfunding nur ein Baustein solider Mischfinanzierung ist. Andere Geldquellen, wie Einzelinvestoren und Banken, können dann Finanzierungslücken ausgleichen.

Kenner der Szene betonen, dass nicht nur die Idee an sich, sondern auch ihre Vermarktung maßgeblich den Erfolg von Crowdfunding beeinflusst. Eine Zielgruppe sollte konkret formuliert und gezielt angesprochen werden. Wichtig ist ein gut gemachtes Vorstellungsvideo. Darin präsentieren sich die Macher persönlich und stellen eine gewisse Nähe zu Interessenten her. Sie kommunizieren die wichtigsten Fakten, definieren das Projektziel und heben - speziell bei technischen Vorhaben - den Nutzen eines Produkts hervor. Beim Crowdinvesting, das häufig im Zusammenhang mit der Gründung eines Start-ups steht, sollte verdeutlicht werden, wie eine gute Rendite auch über Jahre hinaus erzielt wird. Soziale Medien spielen bei der Promotion eine wichtige Rolle, da die Bekanntheit eines Vorhabens effizient und kostengünstig gesteigert werden kann. Durch das Teilen (Sharing) wird eine Botschaft in den sozialen Netzen multipliziert.

Markplätze für Crowdfunding und -investing

Es gibt mittlerweile einige digitale Marktplätze für die Schwarmfinanzierung. Kickstarter ist die weltweit bekannteste Crowdfunding-Plattform mit den Schwerpunkten Technologie und Kreativität. Zahlreiche Projekte aus den Bereichen Kunst, Comics, Design, Mode, Bildmedien, Musik und Fotografie sind dort zu finden. Indiegogo ist ähnlich breit aufgestellt, eignet sich aber besonders für die Umsetzung technischer Innovationen. Auf beiden Marktplätzen geht es international zu, Verkehrssprache der in den USA ansässigen Webangebote ist Englisch. Im deutschsprachigen Raum bietet Startnext vielen technischen und kreativen Projekten eine Plattform. Auf den genannten Seiten erwarten Förderer des klassischen Crowdfunding unterschiedliche materielle Gegenleistungen. Sie erhalten beispielsweise limitierte Erstauflagen von neuen Printerzeugnissen, eine persönliche Einladung zu speziellen Events oder nennenswerte Rabatte bei der Anschaffung innovativer Gadgets (Early Bird Deals). Prototypen fungieren im technischen Bereich häufiger als Belohnung. Wenn man bedenkt, dass für die ersten iPods heute schon 4000 Euro und mehr bezahlt werden, können sich limitierte Prototypen und serienreife Gadgets der ersten Generation eines Tages als gewinnbringender Glücksfall erweisen.

Auf systematisches Crowdinvesting haben sich Exporo oder Zinsland spezialisiert. Die dort vorgestellten Immobilienprojekte (Neubau, Sanierungen) stellen in Zeiten niedriger Zinsen auf Fest- und Tagesgeld überdurchschnittliche Renditen in Aussicht. Generosity, Caremaker, Leetchi und betterplace.me eignen sich besonders für soziale und persönliche Anliegen. Dort bittet man etwa um Spenden für eigene Bedürfnisse (z. B. Lehrmittel fürs Studium) oder hilfsbedürftige Personen. Unbekannten Musikern und Newcomern jenseits des Mainstreams bietet Artistshare eine geeignete Plattform. Innovative wissenschaftliche Projekte finden sich auf Sciencestarter.

Fazit: Enormes Potenzial, aber auch Risiken

Crowdfunding hat großes Potenzial, da Kreative, sozial Engagierte, Erfinder und Firmengründer selbst aktiv werden und Projekte eigenständig umsetzen können. Sie nutzen dabei die Power der Community jenseits tradierter Finanzierungsformen, durch die globale Vernetzung sind die Wege kurz und direkt. Da Privatinvestoren zugleich repräsentative Verbraucher sind, erfahren Gründer und Erfinder schnell, ob ihre Idee gut ankommt, Substanz hat und tragfähig ist. Bei fehlender Resonanz erhalten sie Impulse für Nachbesserungen und Optimierungen. Neben den Machern profitieren auch die Förderer. Sie können ihr Geld eigeninitiativ, gezielt und teils sogar auf äußerst nützliche Weise einsetzen.

Beim klassischen Crowdfunding halten sich die Risiken in Grenzen. Die Beträge, die eingesetzt werden, sind in der Regel nicht besonders hoch. Durch den Rückfluss des Geldes bei Nichterreichen des Fundingziels wird das Risiko zusätzlich minimiert. Leider gilt auch hier der Grundsatz: geringes Risiko = geringer Gewinn. Obwohl die üblichen „Dankeschöns“ in der Regel eher bescheiden ausfallen, kann man die Welt ein Stück weit durch Förderung spannender Ideen und innovativer Technik voranbringen. Durch regelmäßige Beschäftigung mit der Crowdfunding-Szene erhalten engagierte Privatanleger zudem einen guten Überblick über aktuelle und kommende Trends. Dieses Insider-Wissen kann sich bei geplanten Investments etwa an der Börse durchaus auszahlen.

Geht man höher ins Risiko und entscheidet sich für systematisches Crowdinvesting, winken durchaus beachtliche Renditen. Vor allem im boomenden Immobiliensektor. Gerade bei langwierigen und schwer zu kalkulierenden Bauprojekten mit vielen Beteiligten kann man als Kleinanleger allerdings kaum alle Unwägbarkeiten vorhersehen. Es droht im schlimmsten Fall sogar der Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Nicht nur Immobilieninvestment kann sich als Fehler erweisen. Wer jüngst etwa vom Hype um Kryptowährungen wie Bitcoin angesteckt wurde und Start-ups aus der Szene unterstützt hat, erlebte mitunter herbe Enttäuschungen. Projekte wurden voreilig ins Leben gerufen, bald zeigte sich, dass die Konzepte nicht gut waren und sich am Markt nicht behaupten konnten. So schnell wie ein Start-up auftauchte, verschwand es wieder in der Versenkung. Das Geld war dann meist weg. Dringend erforderlich ist daher, sich im Vorfeld ausführlich über geplante Investitionen zu informieren und dabei mehrere unabhängige Quellen in die Risikobewertung einzubeziehen. Die Anlagestrategie sollte immer breit aufgestellt und Spekulationskapital auf mehrere Projekte verteilt werden. Bei einer Risikostreuung ist der Ausfall eines einzelnen Investments besser verkraftbar. Ein gewinnbringendes Parallelprojekt kann einen Flop ausgleichen. Grundsätzlich gilt: Bleiben Sie vorsichtig! Und bitte nur Geld investieren, das entbehrlich ist. Crowdinvesting sollte ein traditionelles Anlagenportfolio – also eine Kombination aus Festgeld, Tagesgeld, Aktien, Fonds - nur ergänzen, nicht ersetzen.

Artikel vom

von Rüdiger Maulko

Mehrjährige Tätigkeit an der Universität Hamburg, danach freier Dozent, Texter
für Werbeagenturen und freier Publizist. Promotion im Fach Medienwissenschaft über
die Digitalisierung des Fernsehens.
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