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Bitcoin und Kryptowährung – Was ist das eigentlich?

von Rüdiger Maulko

Kryptowährungen beflügeln momentan vor allem die Phantasie von Spekulanten, die das schnelle Geld machen wollen. Ihr eigentliches Potenzial liegt aber woanders, denn sie könnten bald eine echte Option für smartes Wirtschaften im Internetzeitalter sein. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, stößt auf vollkommen neue Begriffe und Konzepte. Wir liefern die passenden Erklärungen und erleichtern Ihnen damit den Einstieg in die zukunftsweisende Materie.

Was ist eine Kryptowährung?

Kryptowährungen sind virtuelle Währungen, die nur im Computer existieren und mit Hilfe spezieller Software erzeugt werden. Einzelne Währungseinheiten, wie z. B. Bitcoins, dienen als digitale Zahlungsmittel. Der Zusatz „Krypto“ leitet sich von komplexen Verschlüsselungstechniken aus der Kryptographie ab, die unter anderem für die Sicherheit von Transaktionen sorgen. Es gibt mittlerweile unzählige Kryptowährungen (aktuell mehr als 1300), Bitcoin ist die erste und bekannteste.

Der Bitcoin kann als Reaktion auf die Finanzkrise 2008 angesehen werden, die das Vertrauen in unser traditionelles Wirtschaftssystem nachhaltig erschüttert hat. Daher spielen Banken und Staaten beim Kryptogeld keine Rolle mehr, ein spezifisch organisiertes Nutzerkollektiv tritt an ihre Stelle und übernimmt alle wichtigen Aufgaben. 2008 wurde das grundlegende Konzept mit dem Titel „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ erstmals über das Internet verbreitet. Etwa ein Jahr später setzte der Handel mit virtuellem Geld ein. Bis heute ist nicht zweifelsfrei geklärt, welche reale Person oder welches Kollektiv die erste Kryptowährung erfunden hat. Wir kennen nur ein Pseudonym: Satoshi Nakamoto.

Blockchain - clevere Buchführung mit eingebauter Sicherheitsgarantie

Kryptowährungen bedienen sich einer rechnerbasierten Infrastruktur, die auf einer direkten und dezentralen Vernetzung aller Nutzer basiert. Dieses Peer-to-Peer-Netzwerk dient nicht nur der Abwicklung von Transaktionen, sondern kümmert sich in Eigenregie auch um die Aufrechterhaltung und Pflege des Systems. Dabei spielt die sogenannte Blockchain eine zentrale Rolle. Sie ist eine Kette aus Datensätzen, die endlos weitergeschrieben wird. Jede Transaktion im Netzwerk ist eindeutig identifizierbar, da sie portionsweise in einem Block bzw. einem Kettenglied abgelegt und auf Dauer gespeichert wird. Da der Verbleib jeder einzelnen „Münze“ (Coin) akribisch festgehalten wird, kann ein Bitcoin nur einmal ausgegeben werden.

Um die lückenlose Buchführung vor Manipulationen zu schützen, kommen ausgeklügelte Kontrollmechanismen (Prüf- und Verschlüsselungsverfahren) zum Einsatz. So werden die einzelnen Kettenglieder mit kryptographischen Techniken gesichert und verknüpft. Jeder Block erhält dabei einen „Identifikationscode“ (Hash), der aus Sicherheitsgründen doppelt hinterlegt wird: im aktuellen und im nächsten Abschnitt der Buchungskette. Durch das engmaschige Netz von Verweisen zwischen den Kettengliedern und dem „kryptographischen Fingerabdruck“ einer Transaktion sind Manipulationen nahezu ausgeschlossen. Sollten dennoch durch Prüfverfahren Unstimmigkeiten festgestellt werden, wird das Netzwerk schnell in Alarmbereitschaft versetzt.

Zur Sicherheit trägt bei, dass die Buchführung dezentral und cloudbasiert stattfindet. Vernetzte Computer haben jederzeit einen aktuellen Status aller Transaktionen vorliegen, stehen in ständigem Austausch und kontrollieren sich gegenseitig. Erst wenn eine im Netzwerk veröffentlichte Buchung von allen Rechnern geprüft und die Mehrheit das „O.K.“ gibt, findet eine Transaktion statt (digitales Geld wird überweisen). Ein neuer Block wird der Blockchain hinzugefügt und geschrieben. Anschließend erhalten alle Rechner via Synchronisation das aktualisierte Referenzdokument. Weiteren Sicherheitsprüfungen kommt zugute, dass das System transparent ist: Die Transaktionskette der Blockchain kann von Usern jederzeit eingesehen und geprüft werden. Obwohl die Buchführung offengelegt wird, ist nicht erkennbar, welche reale Person hinter einer konkreten Transaktion steht.

Möchten Privatpersonen in diesem Netzwerk aktiv werden, brauchen sie eine digitale Geldbörse bzw. ein Online-Konto, das Wallet genannt wird. Die Erstellung des vernetzten Kontos wird über eine Website oder ein Programm abgewickelt. Bei Transfers via Wallet wird auf die Sicherheit der Teilnehmer geachtet. So bleibt der Kontoinhaber beim konkreten Zahlungsverkehr anonym, da mit Sicherheitscodes hantiert wird (sie ähneln PINs, TANs und IBAN-Nummern). Zum Einstieg ins digitale Bezahlsystem sowie für geplante Spekulationen muss das Konto zunächst einmal aufgefüllt werden. Bitcoins bekommt man über verschiedene Kanäle. Der einfachste und schnellste Weg ist der Kauf über eine seriöse Handelsplattform im Internet. Man zahlt in Euro und bekommt als Gegenleistung die entsprechenden Bitcoins zum aktuellen Kurs. Leert sich das Konto, muss es wieder z. B. durch Coin-Transfers von Handelspartnern (z. B. Bezahlung einer Dienstleistung oder Ware durch einen Kunden) oder weitere Bitcoin-Käufe bei einer Handelsplattform aufgefüllt werden.

Mining - so kommen Bitcoins ins System

Nun stellen sich natürlich zwei wesentliche Fragen: Wie erhält ein virtuelles und rein digitales Konstrukt aus Nullen und Einsen überhaupt einen Handelswert? Und wie kommt eigentlich das Geld ins System? Es gibt eine quasi aus dem Nichts festgelegte Geldmenge, die insgesamt zur Verfügung steht: 21 Millionen Bitcoins. Diese sind nicht an traditionelle materielle Wertgüter gebunden. Fachleute sprechen davon, dass virtuelles Geld keinen intrinsischen - also innenwohnenden - Wert hat. Gold hingegen ist real, man kann es anfassen, untereinander tauschen, in handel- und tragbaren Schmuck verwandeln etc. Ein Bitcoin erhält seinen Wert durch Vereinbarung und gegenseitige Akzeptanz innerhalb des Systems. Anders ausgedrückt: Er definiert sich über seinen Zirkulations- und Tauschwert. Wer die Währung akzeptiert, erhält für eine Leistung eine angemessene Gegenleistung in Bitcoin. Spekulanten und Wallet-Inhaber können Kryptogeld über spezielle Handelsplätze im Netz jederzeit in „echtes“ Geld transformieren (Euro, Dollar etc.). Infolge der enormen Kursanstiege der letzten Zeit wurde so mancher Bitcoin-Pionier unverhofft und innerhalb kurzer Zeit zum Euro- oder Dollar-Millionär.

Freigesetzt werden die transferierbaren Bitcoins nach und nach durch einen energie- und rechenaufwendigen Prozess, der in Anlehnung ans Goldschürfen Mining genannt wird. Bitcoin-Mining basiert auf einem Deal: Wenn du dich via Rechenleistung an der aufwendigen Buchführung sowie an der Synchronisierung der Nutzer im Netzwerk beteiligst, bekommst du als Gegenleistung Bitcoins bzw. Bitcoin-Anteile. Man muss also der Community einen Dienst erweisen und einen Arbeitsnachweis abliefern, bevor Geld fließt (Proof of work-Prinzip). Damit sich die Geldmenge nicht schnell erschöpft, wird die Entlohnung mit der Zeit reduziert. Gleichzeitig wird das Mining stufenweise künstlich erschwert: Es müssen immer mehr Rechenoperationen durchgeführt werden, um ständig komplizierter werdende mathematische Rätsel zu lösen und ein Ergebnis mit bestimmten Eigenschaften zu finden. Dabei gilt das Konkurrenzprinzip: Wer die gestellte Aufgabe zuerst löst, darf die Blockchain weiterschreiben und kassiert (die Gebühren für eine konkrete Transaktion erhält er ebenfalls). Der Betrag kann Einzelpersonen oder einem Miner-Kollektiv gutgeschrieben werden. Letztlich lebt ein Bitcoin-Netzwerk auf operativer Ebene von den Minern: Ihre Community bildet ein weltweit vernetztes Rechenzentrum, das man als „Brain“ und ausführende Instanz (Exekutive) einer Kryptowährung ansehen kann. Je mehr es von ihnen gibt, desto stärker, schneller und sicherer ist die virtuelle Währung. Miner kann im Prinzip jeder werden. Die aktuell erforderlichen Rechenkapazitäten übersteigen allerdings die Möglichkeiten normaler PC-Nutzer. Daher haben momentan Spezialisten und größere Rechnernetzwerke (Mining Pools) die aufwendige Buchführung übernommen.

Sollten die 21 Millionen Coins eines Tages im Umlauf sein, werden Miner vermutlich durch ein alternatives Gebührensystem entlohnt. Ihre Erträge sind allerdings kein Reingewinn: Die enorme Energie und Rechenpower, die beim „Geldschürfen“ für die milliardenfachen Berechnungen sowie für die aufwendige Pflege der Blockchain zur Verfügung gestellt werden, müssen schließlich auch bezahlt werden. Zudem kostet die erforderliche Hochleistungstechnik in der Anschaffung.

Mehr über die Chancen, Probleme und Risiken des virtuellen Wirtschaftens erfahren Sie im zweiten Teil unseres Specials über Kryptowährungen.

Artikel vom

von Rüdiger Maulko

Mehrjährige Tätigkeit an der Universität Hamburg, danach freier Dozent, Texter
für Werbeagenturen und freier Publizist. Promotion im Fach Medienwissenschaft über
die Digitalisierung des Fernsehens.
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