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So funktioniert LinkedIn wirklich

von Stefan von Gagern

Wer denkt, Jobsuche und Karriere läuft heute noch genau wie vor 20 Jahren, ist von gestern. Oft kommt es nicht nur darauf an, was man kann, sondern wen man alles kennt. LinkedIn macht genau das: Das berufliche Netzwerk macht Empfehlungen für potenzielle Geschäftspartner, Arbeitgeber oder Kunden sichtbar. Und alle wissen inzwischen: Eine gute Referenz für eine bestimmte Fähigkeit ist oft mehr wert als die Durchschnittsnote vom Studium.

Vom internationalen Adressbuch zum Karrierenetz

LinkedIn wurde wie viele andere soziale Netzwerke in Kalifornien ersonnen. 2003 rekrutierte Reid Hoffman ein paar alte Kollegen von Socialnet und Paypal, um an einer neuen Idee zu arbeiten. Sechs Monate später startete LinkedIn mit dem Versprechen, das „professionelle Netzwerk schneller und besser“ zu machen – zunächst zögerlich wachsend, aber bald lockte die neue Plattform erste Investoren an. 2004 experimentierte das Team mit neuen Funktionen wie einem Adressbuch-Import. Ab 2006 arbeitete man profitabel und stellte neue Funktionen wie „Personen, die Sie vielleicht kennen“ und „Empfehlungen“ vor. LinkedIn war zuerst englischsprachig, die early Adopters nutzten es vor allem zur Pflege internationaler Kontakte. 2008 startete LinkedIn nicht nur lokalisierte Seiten, sondern eröffnete auch ein Büro in London. Zum zehnjährigen Jubiläum erreicht LinkedIn 225 Millionen Mitglieder. Pro Sekunde kamen zwei neue hinzu, bis die 400 Millionen von heute erreicht wurden. Diesen Wert erkannte Microsoft und kaufte LinkedIn vor einem Jahr zum Kaufpreis von über 26 Milliarden Dollar. Auf LinkedIn gibt es verschiedene Kontotypen. Der kostenlose Basis- Account enthält die Grundfunktionen, etwa Profilerstellung und die Suche nach Namen, Vornamen, Unternehmen, Ort und Position. Kostenlosnutzer können auch ein Unternehmensprofil erstellen, Beiträge posten, Gruppen beitreten und Nachrichten an Kontakte senden.

Jobs leichter finden

Ein Premiumkonto erweitert vor allem die Suche, die zum Beispiel dann auch nach Funktion im Unternehmen oder Unternehmensgröße unterscheiden kann. Die dritte Variante richtet sich an Recruiter: Hier ist es etwa möglich, auf Projektbasis zusammenzuarbeiten. Wie auch bei den meisten anderen sozialen Netzwerken gab es bei LinkedIn Kritik wegen Datenschutz. Zum einen wurden die Mitgliederdaten schon zum Versand von Einladungen in das Netzwerk genutzt – was LinkedIn den Vorwurf des Spammens einbrachte. In Deutschland kritisiert die Stiftung Warentest die eingeschränkten Rechte der Nutzer – während auf der anderen Seite dem Netzwerk praktisch alles erlaubt wird. Das Datensammeln der sozialen Netzwerke wird oft verteufelt, im Fall von LinkedIn zeigt es sich jedoch sehr hilfreich: Bei der Jobsuche weiß LinkedIn anhand der Infos im Profil, der Aktivitäten, Interessen und Kontakte schon sehr genau, in welche Branche der Bewerber passt – und schlägt auch sehr treffende Jobangebote vor. LinkedIn Jobs ist eine Website oder kostenlose Zusatz-App fürs Smartphone und schlägt unter "Entdecken" eine Liste passender Jobs vor. Bewerben klappt sehr bequem und spart digital viel Papierkram und lästige Aufgaben, wie Bewerbungsfotos machen zu lassen. Bewerben klappt mit der App sorglos, ohne dass die Kontakte von der Bewerbung erfahren. So wird der nächste Karriereschritt deutlich vereinfacht.

Auf sich aufmerksam machen

Wenn Sie selbst Beiträge für den News- Feed posten, stellt LinkedIn nach einigen Tagen umfangreiche Statistiken über Zugriffe und darüber, wer den Beitrag angesehen hat, bereit. Dabei können Sie sehen, welchen Job die Leser haben und aus welcher Stadt sie kommen. Zudem sehen Sie, ob die Besucher schon Kontakte von Ihnen waren oder nicht. Eine optimale Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen und das Netzwerk zu erweitern. Dabei sollten Sie aber nicht übertreiben: Wenn Sie jede kleine neu erworbene Kompetenz oder Änderung in Ihrem Profil (wenn Ihr Büro zum Beispiel eine Straße weiter zieht) Ihren Hunderten Kontakten im Netzwerk mitteilen, setzt eventuell ein gewisser Ermüdungseffekt ein. Daher: Schätzen Sie bei jedem Profil- Update ehrlich ein, ob Ihr Netzwerk davon erfahren sollte. Bei einem Jobwechsel oder wichtigem Positionsaufstieg natürlich schon. Sie können mit dem Schalter „Netzwerk informieren“ steuern, ob Ihren Kontakten eine Änderung per E-Mail oder im Feed mitgeteilt werden soll. Viel wichtiger ist es sich zu positionieren: Wenn Ihre Hauptkompetenz „Social Media Management“ ist, dann versuchen Sie, den Begriff so oft wie möglich in Ihrem Profil zu verwenden. Zum Beispiel in Ihrer Zusammenfassung und dann noch bei „Kenntnisse und Fähigkeiten“. Das steigert die Wahrscheinlichkeit, zu dem Begriff gefunden zu werden.

Fazit: Präsent sein lohnt sich

Wie auch immer man zu LinkedIn steht: Heute kann es sich eigentlich kaum noch jemand leisten, nicht auf LinkedIn präsent zu sein – egal ob Student, Einzelperson, kleines oder großes Unternehmen. Und wer LinkedIn nicht zumindest passiv nutzt und nur seine digitale Visitenkarte hinterlässt, verschenkt auf jeden Fall eine Menge Potenzial für berufliches Weiterkommen. Bevor ich alte Visitenkarten herauskrame – die meistens eh nicht mehr stimmen, weil die Kontakte inzwischen Job, Handynummer oder Büroadresse gewechselt haben –, suche ich auf LinkedIn. Und auch auf Events und Messen vernetze ich mich lieber direkt digital, statt Visitenkarten einzusammeln, die ich gern verliere. Das Killer-Feature von LinkedIn sind für mich die Fähigkeiten, die ich in meinem Profil eintragen kann, die dann meine Kontakte bestätigen. Im Lebenslauf lässt sich bekanntlich viel behaupten. Wenn es Co-Worker und Kunden bestätigen, ist es deutlich mehr wert.

Artikel vom

von Stefan von Gagern

Stefan von Gagern schreibt in Hamburg als freier Journalist über Themen rund
um Technologie, Kreativität, Publishing, Web, Social Media, Mobile und Gadgets.
Er berät Unternehmen bei Social Media Auftritten und Content Marketing. Privat ist
er Musiker, Radfahrer und Landschaftsmaler.

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