Was wir von Marie Kondō lernen können

Eine zierliche Japanerin bringt der Welt das Aufräumen bei. Dabei lassen sich Marie Kondōs Ideen auch auf unser digitales Leben anwenden.

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„Die Unordnung im Zimmer entspricht der Unordnung im Herzen“, so sagt es ein japanisches Sprichwort. Nun kann man die meisten Sprichworte durchaus kritisch betrachten, an diesem ist allerdings etwas dran. Ein unordentliches Zuhause ist immer ein Zeichen dafür, dass jemand den Überblick verloren hat – über die eigenen Besitztümer, Prioritäten, darüber, was zählt im Leben und was nicht. Die Japanerin Marie Kondō hat aus diesem Sprichwort eine ganze Strategie abgeleitet, mit der sie weltberühmt geworden ist: Aufräumen mit Marie Kondō, die so genannte KonMari-Methode. Wobei man vielleicht besser sagen sollte: Ausmisten, denn um nichts anderes geht es vor allem. Die KonMari-Methode hat Kondō zuerst im Jahr 2011 im längst zum internationalen Bestseller avancierten Buch „Magic Cleaning“ beschrieben und kürzlich noch einmal im Manga-Comic „Die KonMari-Methode“. Jetzt ist außerdem ihre Netflix-Serie „Aufräumen mit Marie Kondō“ gestartet. Beim Anschauen der Serie wird schnell klar, dass es Kondō um deutlich mehr als nur darum geht, alles seinem richtigen Platz zuzuweisen.

Aufräumen. Das Leben, nicht nur die Wohnung

Tatsächlich propagiert Marie Kondō eine sehr einfache Philosophie: Was uns nicht glücklich macht, kann weg. Das kann man auf sehr viel mehr als auf die Gegenstände daheim anwenden: auf Social-Media-Konten zum Beispiel oder die Freundeslisten dort, auf den Schreibtisch im Büro, auf die Apps, die das Smartphone zumüllen und nie benutzt werden. Letzteres geht so: Android-Benutzer öffnen die App Datally, können sich dort anzeigen lassen, welche Apps nie benutzt werden, und diese deinstallieren. Auf iPhones funktioniert das über die Einstellungen. Dort geht man auf „Allgemein“, dann auf „iPhone-Speicher“ und sieht dort, welche App wann zuletzt benutzt wurde. Tippt man auf eine App, erhält man die Option „App löschen“.

Nun erledigt niemand dieses Aufräumen innerhalb weniger Tage, Marie Kondō veranschlagt dafür sogar bis zu einem halben Jahr. Zehn Minuten täglich sind vorerst genug, wobei man nach Kategorien von Gegenständen vorgehen sollte. In der Wohnung bedeutet dies: Zuerst ist Kleidung dran, dann Bücher – ja, Bücher, auch die stehen meist nur ungenutzt herum und fangen Staub. Danach kommen Papiere, anschließend Kleinkram, zuletzt Erinnerungsstücke. Von diesen trennt man sich am schwersten, deshalb kommen sie zuletzt, wenn man einigermaßen im Flow ist. Trotzdem sollten die einzelnen Kategorien in einem Rutsch abgearbeitet werden, also etwa: Heute sind T-Shirts an der Reihe.

Anfassen, entscheiden, bedanken

Kondō empfiehlt dringend, jeden Gegenstand einmal anzufassen und sich zu fragen, ob er einem Freude bringt. Wenn nicht, kann er weg. Angewendet auf alles Digitale im Leben bedeutet dies, dass man jede App einmal öffnen, jeden Kontakt in Facebook einmal aufrufen sollte, um sich darüber klar zu werden, ob sie das eigene Leben bereichern. Und noch etwas: Kondō möchte, dass man sich bei jedem Gegenstand, den man wegwirft, bedankt. Diesem leicht skurril wirkenden Vorschlag liegt die in Japan verbreitete Religion des Shintoismus zugrunde, nach der, verknappt gesagt, auch Gegenstände eine Seele haben. Er erzieht aber ganz allgemein zu einem respektvolleren Umgang – mit allem, Gegenständen wie Menschen. Auf unser digitales Leben übertragen kann es deshalb ratsam sein, auch Facebook-Freunden ein Dankeschön zu schicken, bevor man sie löscht: „Du, ich räume meine Freundesliste auf und trenne jetzt unsere Verbindung, weil wir nie Kontakt zueinander haben. Dies ist nicht böse gemeint. Danke, dass du mein Freund warst. Wenn du meinst, wir sollten Freunde bleiben, dann melde dich gerne.“

Trennungen ohne Abschiedsschmerz

Das Gute an Kondōs Ansatz ist, dass man tatsächlich entdeckt, wie vieles im eigenen Leben man überhaupt nicht benötigt. Auch lehrt er, künftig vorausschauender zu denken, bevor man sich etwas anschafft: Will ich wirklich einen Kontaktgrill, oder wird der beim nächsten Aufräumen eh aussortiert? Brauche ich noch eine weitere Messenger-App? Soll ich diese Einladung bei LinkedIn tatsächlich annehmen? Wer das konsequent durchzieht, erspart sich einiges an Zeit, Ausgaben und Stress.

Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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