Smartphone oder lieber smarte Kamera?

von Rob Vegas

Die meisten Fotos werden heute schnell mit dem Smartphone geschossen. Immerhin tragen wir diese Kamera meist bei uns und haben sie damit sofort zur Hand. Doch auch klassische Fotokameras sind mit der Zeit gegangen und smart geworden. Doch wie schlagen sich Smartphone und smarte DSLR im direkten Vergleich? Ein Selbsttest von der Adria soll es zeigen.


Ich würde mich nicht als Profi der Photographie bezeichnen. Zwar kenne ich den Weißabgleich und kann auch mit Belichtungszeiten etwas anfangen, aber im Alltag bin ich da eher Praktiker. Hier schnell eine Erinnerung mit dem Smartphone geknipst und dort ein Bild bei Instagram veröffentlicht. Das geht heute dank Apps und besseren Kameras in den Smartphones kinderleicht. Vor allem verzichten damit immer mehr Menschen auf den klassischen Fotoapparat, weil das Smartphone einfach schneller und immer dabei ist. Nur sind auch diese Fotoapparate sehr viel kommunikativer bei den Daten geworden. Ich konnte mich davon in Dubrovnik selbst mit einer Canon EOS M10 überzeugen. Lohnt es sich wirklich eine extra Kamera mitzuschleppen?

Immer das bessere Bild

Die Canon EOS M10 gehört zur Gattung der Systemkameras für Einsteiger und liegt mit einem Objektiv bei ca. 300 Euro. Heute sind mir derlei Kameras aber ein wenig lästig im Urlaub geworden. Man muss sie aufladen, SD-Karten bereithalten und auch die Objektive für so manches Motiv wechseln und dabei haben. Extra Ballast für einen Rundgang durch die Altstadt von Dubrovnik. Allerdings lohnt es sich, denn die Aufnahmen sind einfach besser. Man kann Objekte sehr viel besser in den Fokus nehmen, erhält ein qualitativ hochwertiges Foto und kann auch sehr viel weiter zoomen. Das habe ich in der Praxis immer wieder gemerkt. Mein Smartphone kann zwar einen schnellen Schnappschuss machen und verschwindet wieder in der Hosentasche, aber das Foto kann von der Qualität her nie wirklich mithalten. Ansonsten würde man ja heute auch bei der eigenen Hochzeit keinen Fotografen mehr buchen. Für besondere Momente im Leben will man die besten Fotos. Die Erinnerung an diese Tage ist oft zu kostbar für ein Foto von einem Smartphone. Ein paar Tage habe ich dabei an der Adria auf meine Systemkamera mit Halsband und Objektiven in der großen Hosentasche verzichtet. Natürlich war ich so nun lockerer unterwegs, aber ich war am Ende des Tages meist sauer auf mich selbst. Hätte ich doch bloß die "richtige" Kamera mitgenommen. Dann wären die Fotos sehr viel besser gewesen.

Der Wow-Effekt dank neuer App

Fotoapparate sind heute nicht mehr nur kleine Kisten mit einem Kartensteckplatz. Kodak und Sony bieten zum Beispiel schon smarte Linsen an, welche an das Smartphone gesteckt werden können und ihre Bildinformationen an die App senden. Canon liefert mittlerweile zu den eigenen Kameras auch eine App mit. Damit kann man das eigene Smartphone über WiFi mit der Kamera koppeln und sich die geschossenen Fotos sofort auf das Telefon laden. Das empfand ich in der Praxis erst als umständlich, weil die Kamera ein WLAN aufbaut und ich mich mit meinem Smartphone damit verbinden muss. Also muss ich in der Theorie immer aus dem öffentlichen WLAN raus und mich mit dem WLAN der Kamera verbinden. Ist die Übertragung abgeschlossen, so kann ich mein Smartphone wieder mit dem öffentlichen WLAN im Hotel verbinden. In der Praxis ist man allerdings sowieso unterwegs und nach erstmaliger Kopplung finden sich Canon und Smartphone automatisch. Dazu muss man an der Kamera nur seitlich eine Taste drücken und das Telefon hat zwei Sekunden später  das WiFi der M10 gefunden. Schon kann man sich die Fotos ansehen, einzeln übertragen und per WhatsApp und Instagram ins Netz stellen. Vorbei die Zeiten einer Übertragung auf das Notebook. Die neuen Systemkameras sind Verlängerungen der Smartphones und lassen sich sogar über die Apps fernsteuern. Kamera auf ein Stativ, App auf dem Smartphone an und schon ist die komplette Familie aufgenommen. Auf der Photokina in Düsseldorf konnte ich dann auch bei Canon noch einmal nachfragen, warum das Wlan für die Verbindung zwischen Telefon und Kamera notwendig ist. Würde es nicht auch Bluetooth tun? Dann wäre das WiFi im Telefon nicht blockiert. Es braucht allerdings die WiFi Verbindung, weil die Fotos von der Dateigröße so schnell transferiert werden können. Stimmt übrigens wirklich. Die Fotos sind in meist einer Sekunde auf das Smartphone geladen.

Tiefenunschärfe auch beim iPhone7

Gerade die Tiefenunschärfe lieben Amateure wie ich. Das ist ein toller Effekt bei Fotos und nur hochwertige Kameras können derlei Aufnahmen bislang liefern. Das Gesicht ist scharf, aber der komplette Hintergrund verschwimmt in der Unschärfe. Das will Apple dank der zwei Linsen beim iPhone mit viel Software nun auch ermöglichen. Erste Tests lassen aber vermuten, dass die Software von Apple hier viele Vermutungen im Hinblick auf das Motiv anstellt und so zum Beispiel auch Teile einer Hundenase auf einmal verschwommen gezeigt werden. Man imitiert lediglich diese Funktion der Systemkameras und hofft auf eine hohe Trefferquote. Meine Mitmenschen und andere Urlauber waren übrigens sehr überrascht von meiner Kameraapp. Wie? Man kann die Fotos ohne Kabel und ohne Notebook auf das Smartphone senden? Direkt? Dieses Feature gibt es nicht erst seit letzter Woche, aber die Menschen scheinen es oft noch nicht wahrgenommen zu haben. Auf einmal wollten lauter Mitmenschen meine Fotos von der Kamera per WhatsApp gesendet bekommen, weil sie sehr viel hochwertiger als die Handyfotos waren. Selbst als Amateur habe ich da schnell gute Ergebnisse dank der Automatik erzielen können. Es lohnt sich hier wirklich für viele Ereignisse im eigenen Leben eine echte Kamera mit an Bord zu haben.

Outing als waschechter Tourist inklusive

Ich hatte nur eine Woche Zeit die Altstadt von Dubrovnik in Kroatien zu erkunden, doch spätestens seit meinem Besuch auf der Photokina weiß ich die unterschiedlichen Objektive für Kameras zu schätzen. Man hat mit diesen verschiedenen Objektiven einfach sehr viel mehr Möglichkeiten. Der große Nachteil? Man outet sich sofort als waschechter Tourist. Vor allem aber merkt man sehr schnell, dass man im besten Fall auch bei jedem Ausflug mehrere Objektive dabei haben sollte. Hier hat das Smartphone einen riesigen Vorteil. Es ist einfach in der Hosentasche dabei und wiegt kaum mehr als eine Scheibe Toastbrot. Nur wohin mit den Objektiven und Deckeln? Wie hänge ich mir die Systemkamera richtig um den Hals? Welches Objektiv benutze ich in dieser und jener Situation? Mir ist schon nach wenigen Tagen das Pancake-Objektiv der M10 ans Herz gewachsen. Es ist wirklich der "Pfannkuchen" unter den Objektiven und lässt kaum einen Zoom zu. Dafür gelingen aber besonders Nahaufnahmen von Gesichtern mit verbundener Tiefenunschärfe sehr gut. Daneben bildet sie einfach die Szene gut ab und man könnte später dank der hohen Auflösung der Fotos noch per Software weiter ins Bildmotiv zoomen. Dieses Objektiv allein lässt selbst die M10 ohne Touristenhalsband in die Jackentasche passen. In Verbindung mit der smarten App konnte ich mir so die anderen Objektive sparen und hatte immer die Möglichkeit, hochqualitative Fotos an mein Smartphone zu senden. Diesen Workflow fand ich dann wirklich smart.

Gut besuchte Photokina in Köln

Das Smartphone ist sicherlich die beste Kamera aller Zeiten, weil wir sie immer mit uns führen. Jeder Moment kann heute aufgenommen und gefilmt werden. Man kann sogar Videos live ins Netz stellen. Nur ersetzen sie noch lange nicht eine gute Kamera. Die Bildqualität kann da nicht mithalten. Auch wenn es viele Hersteller gern versprechen. Es lohnt sich daher noch immer einen Blick auf die neuen, smarten Kameralösungen der Hersteller zu werfen. Nicht umsonst waren die Stände der Hersteller auf der Photokina gut besucht. Hier gibt es Objektive, Kameras und Equipment für jeden Einsatzzweck zu sehen. Vor allem aber haben die Hersteller erkannt, dass ihre klassischen Kameras sehr viel enger mit dem Smartphone und dem Smart Home vernetzt werden müssen. So wird auch der klassische Fotoapparat seinen Platz im smarten Zuhause der Zukunft finden. Er ist noch lange nicht abgeschrieben und bringt durch die neuen Apps und Funkstandards wie NFC und Bluetooth frischen Wind in den Endverbrauchermarkt. Egal wie smart Smartphones heute auch sein mögen, ein gutes Foto bleibt ein gutes Foto.


 

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von Rob Vegas

Seit 2003 im Netz unterwegs. Blogger, Digital Native, falscher Harald Schmidt
auf Twitter und neuerdings Papa mit Vorliebe für Gadgets.
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