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Das Ende des Supermarkts

Ob nun Schuhe, den dazugehörigen Schrank oder gleich den neuen LCD-Fernseher: Es gibt kaum noch etwas, das wir nicht online bestellen können. Nur den Gang zum Supermarkt erledigen die meisten von uns immer noch selbst, anstatt sich Lebensmittel nach Hause liefern zu lassen. Dabei hieß es erst im Mai 2017, dass die große Online-Revolution nun auch Lebensmittel erfassen und den Supermarktketten gefährlich werde. Das war, als Amazon Fresh an den Markt ging. Einige große Supermarktketten versuchten, sich mit eigenen Angeboten ein Stück vom Kuchen zu sichern.

Passiert ist seitdem nicht viel. Lidl und Kaufland haben das Geschäft mit gelieferten Lebensmitteln längst wieder aufgegeben, Real, Rewe und Edeka sind noch dabei. Neuerdings gibt es Picnic, einen aus den Niederlanden stammenden Lieferdienst, der den Markt mit günstigen Preisen und kundenfreundlichen Lieferzeiten erobern will. Das Zeitfenster für die Lieferung soll nur 20 Minuten betragen, über die App können Kunden sehen, wo der Fahrer sich gerade befindet. Es gibt also durchaus einige Anbieter, ihr Anteil am gesamten Markt für Lebensmittel beträgt allerdings gerade zwei Prozent.

Das Land geht leer aus

Betrachtet man einmal die Liefergebiete der Online-Supermärkte, wird schnell klar, warum: Amazon Fresh beliefert Hamburg, Berlin, Potsdam und München. Picnic ist in einem Gebiet verfügbar, das Teile Düsseldorfs und die Stadt Mönchengladbach einschließt. In den Genuss des Edeka-Dienstes Bringmeister kommen nur Berliner und Münchner. Mit 75 belieferten Regionen ist der Rewe-Lieferdienst deutlich breiter aufgestellt, doch auch er teilt sich mit der Konkurrenz ein Problem: Sie alle liefern nur in Städten. Gerade dort sind es aber üblicherweise höchstens einige hundert Meter bis zum nächsten Supermarkt. Warum sollte man also eine Online-Bestellung aufgeben und dann mehrere Stunden lang ein Zeitfenster für die Lieferung daheim absitzen, wenn man den Einkauf in weniger als einer halben Stunde selbst erledigen kann? In ländlichen Gegenden, wo der Supermarkt oft erst im nächsten Ort ist und nur mit dem Auto erreicht werden kann, liefern die Dienste dagegen nicht, weil der Aufwand zu hoch und der zu erwartende Gewinn zu niedrig ist.

Die Kleinen schlagen sich besser

Erfolgreicher behaupten sich Firmen, die nicht gleich einen ganzen Supermarkt ersetzen wollen, aber trotzdem in der Lage sind, Kühlschränke zu füllen. Kochhaus etwa hält stets ein Angebot von 15 bis 20 Rezepten bereit und liefert die dazugehörigen Zutaten gleich dazu – und zwar bundesweit. Dabei wird zwar eine Liefergebühr fällig, die sich aber in Grenzen hält, wenn man mehrere Rezepte auf einmal ordert. Andere Anbieter wie Marley Spoon und Lidl Kochzauber sind mit ähnlichen Konzepten erfolgreich.

Auch andere Dinge, die man bisher meist im Supermarkt gekauft hat, sind mittlerweile einfacher per Online-Bestellung zu bekommen: Zooplus macht es unnötig, Tierfutter dosen- oder säckeweise nach Hause zu schleppen, Biolindo liefert umweltschonende Putz-, Spül- und Waschmittel, Roastmarket deckt den Bedarf von Kaffeeliebhabern und so weiter.

Letzten Endes könnte der Trend den Supermärkten deshalb doch noch gefährlich werden. Ihre eigenen Bemühungen in Sachen Lebensmittel-Lieferservice sind gescheitert, andere, kleinere Anbieter dagegen versenden vieles, wofür man sonst in den Supermarkt gegangen wäre. Wenn man sich vieles davon schicken lässt, kann man für den Rest auch wieder zum Gemüsehändler oder auf den Wochenmarkt gehen.

Artikel vom

von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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