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Haushaltsbuch & Co - so werden Ihre Finanzen smart

von Rüdiger Maulko

Apps, die den Umgang mit dem lieben Geld erleichtern sollen, braucht eigentlich jeder. Wir stellen Ihnen effiziente Alltagshilfen wie ein smartes Haushaltsbuch vor.

Wer Finanz- und Spar-Apps regelmäßig nutzt, gibt weniger aus und behält jederzeit den Überblick. Allerdings gibt es mittlerweile unzählige Finanzassistenten und nicht jeder bietet einen echten Mehrwert. Wir haben uns für Sie umgeschaut und geben Empfehlungen, welches Tool für welchen Zweck besonders nützlich ist. Ebenfalls erfahren Sie, was speziell im Umgang mit Finanz-Apps, die meist mit höchst sensiblen persönlichen Daten hantieren, zu beachten ist.

Geschmeidig Geld und Energie sparen

Strom und Heizung sind heute in jedem Haushalt wesentliche Kostenfaktoren. Zählerstände verwalten und analysieren kann EnergieCheck Co2Online. Die App bewertet den Standby-Verbrauch eines Haushalts und hilft dadurch, heimliche Energiefresser zu lokalisieren. Die Sparstrategie kann mit dem ecoGator noch weiter verfeinert werden. Bei der Suche nach neuen Haushaltsgeräten gibt die von der EU geförderte App nützliche Tipps und Kaufempfehlungen, die etwa den Strom- und Wasserverbrauch, Testurteile und den Kaufpreis berücksichtigen. Zudem fungiert sie als Einkaufsberater vor Ort: Scannt man mit dem Smartphone in einem Elektronikmarkt das Energielabel eines Kühlschranks ein, so generiert die App einen Vergleich mit Produkten der entsprechenden Gerätekategorie.

Der Percentage Calculator für iOS und Android assistiert ebenfalls beim Shoppen. Den Rabattrechner der App füttert man im Schlussverkauf zunächst mit dem Originalpreis, dann mit dem angebotenen Preisnachlass in Prozent. Anschließend wird der gesparte Betrag angezeigt. Ein weiteres Highlight ist der Preis/Menge-Vergleichsrechner, der unkompliziert die Ersparnis zwischen einer Normal- und einer Großpackung zutage fördert. Dabei kann es natürlich vorkommen, dass ein angebliches Schnäppchen eiskalt als Mogelpackung entlarvt wird.

Finanzen verwalten - das smarte Haushaltsbuch

Ein smartes Haushaltsbuch ist ausgesprochen nützlich. Es gibt einen Überblick über die Finanzen, identifiziert Budgetfresser und assistiert beim Auffinden von Einsparpotenzialen. Besonders praktisch: Mit der mobilen Smartphone-App können auch unterwegs kleine Alltagsausgaben erfasst werden, die in der Summe das Budget oft stärker belasten als erwartet.

Mit Einfachheit und niedriger Lernkurve punktet der kostenlose VSB-Haushaltsplaner vom Verbraucherservice Bayern. Der smarte Assistent kommt mit vorgefertigten Kategorien und erleichtert so das Dokumentieren von Ein- und Ausgaben. Nach persönlichem Bedarf können zudem eigene Kategorien angelegt werden. Einzelne Posten sind schnell eingegeben, das aktuell vorhandene Budget wird danach übersichtlich im Startbildschirm der App angezeigt. Wiederkehrende Buchungen (z. B. Miete, Versicherungen) sind definierbar, sie müssen also nicht jedes Mal bei Fälligkeit neu eingeben werden. Besonders anschaulich wird die Finanzlage, wenn die Anteile einzelner Posten am Gesamthaushalt mit einem Kreisdiagramm visualisiert werden. Eine Datensynchronisation mit der Desktop-Version auf dem heimischen PC ist möglich. Abgerundet wird die Funktionspalette durch einen Passwortschutz, der die persönlichen Daten via Pincode absichert. Für Jugendliche entwickelte der Verbraucherservice ein eigenes Tool mit Lerneffekt. Der VSB-Taschengeldplaner stellt z. B. das erhaltene Taschengeld den Ausgaben für Handy und Klamotten gegenüber.

Der VSB-Haushaltsplaner ist in den meisten Fällen schon ausreichend. Wer allerdings Wert auf zusätzliche Funktionen und eine bessere grafische Aufbereitung legt, sollte sich MoneyControl  genauer anschauen. Die Buchungsverwaltung ist sehr detailliert, wovon vor allem größere Haushalte profitieren können. Wiederverwendbare Vorlagen rationalisieren das Anlegen von einzelnen Einträgen. Einnahmen und Ausgaben lassen sich einzelnen Personen oder Gruppen (z. B. Sportverein) zuordnen. MoneyControl verwaltet fixe Buchungen, protokolliert Umbuchungen zwischen Konten und ordnet Einnahmen und Ausgaben einem speziellen Konto (Girokonto, Sparbuch, Kreditkarte) zu. Die grafische Aufbereitung erfolgt in verschiedenen Ansichten im Startbildschirm, wodurch die vielschichtige Finanzsituation einer Familie schnell anschaulich wird. Die App erlaubt in der kostenlosen Version bis zu 20 Buchungen monatlich, danach sind kostenpflichtige Updates fällig. Investiert man zusätzliche 99 cent, wird die Belegerfassung freigeschaltet. Quittungen lassen sich dann via Smartphone-Kamera aufnehmen und ins Haushaltsbuch integrieren. Sollen Daten zwischen Geräten automatisch synchronisiert und alle Familienmitglieder in die Verwaltung des Finanzbudgets eingebunden werden, kann dies mit der Erweiterung Primoco Web-App realisiert werden. Der Onlinedienst kostet allerdings extra.

Mit Konten und Aktien jonglieren: Apps für Banking und Börse

Möchte man über die einfache Haushaltsverwaltung hinaus aktiv Buchungen und Überweisungen tätigen, ist eine Banking-App das Tool der Wahl. Nahezu jede größere Bank stellt eine ebensolche zur Verfügung. Empfehlenswert ist die kostenlose Sparkassen-App. Sie wurde vom TÜV geprüft und konnte sich bei der Stiftung-Warentest mit der Note „Gut“ im Spitzenfeld eines umfangreichen Banking-App-Tests platzieren. Der kostenpflichtige Ableger Sparkasse+ verwaltet mehrere Konten bei verschiedenen Banken. Wer nicht unbedingt auf ein Produkt der Sparkasse zurückgreifen möchte, kann zeitsparendes Multibanking auch mit Finanzblick vom deutschen Anbieter Buhl betreiben. Viele Funktionen, ein hochwertiger Look und eine ausgezeichnete Benutzerführung kennzeichnen das Produkt. Aber bitte Vorsicht bei der mobilen Nutzung von Banking-Apps: Es sollte kein unverschlüsselter öffentlicher Hotspot für Finanztransaktionen in Anspruch genommen werden, da sensible Login- und Kontodaten übertragen werden.

Hilfreich für das Geldmanagement ist eine Börsen-App wie finanzen.net. Mit der Suchfunktion sind eigene Aktien oder Fonds schnell gefunden. Anschließend können Favoriten angelegt werden, um Kursverläufe dauerhaft abzurufen. Wird die Zahl von Aktien oder Fondsanteilen angegeben, errechnet der smarte Helfer automatisch den aktuellen Tageswert eines gesamten Depots. Die App lässt sich mit einem bereits vorhanden finanzen.net-Account synchronisieren.

Erst informieren, dann profitieren - worauf Sie unbedingt achten sollten

Gerade bei der Auswahl von Finanz-Apps sollte man nicht nur auf Funktionsumfang, Look und Benutzerführung achten. Da hochsensible persönliche Daten verarbeitet werden, sind noch weitere Kriterien besonders relevant. Zu klären ist am besten schon vor der Installation, ob die auserwählte App bereits seriöse Tests durchlaufen hat. Bekomme ich außerdem befriedigende Antworten auf die Fragen: Wie wird Thema das Sicherheit gehandhabt? Läuft die Onlinekommunikation verschlüsselt ab? Wird die App regelmäßig gepflegt und damit auch sicherheitstechnisch ständig aktualisiert? Eine Auto-Lock-Funktion bei Inaktivität sowie ein frei wähl- und änderbares Passwort sind speziell bei Banking-Apps Pflicht. Sicherheitstechniken und die Methoden der Cyberkriminellen entwickeln sich permanent weiter, daher sollte man sich beim Thema „App-Sicherheit“ auf dem Laufenden halten.

Es ist ratsam, parallel zur Installation datensensibler Apps das Sicherheitskonzept des eigenen Netzwerks (Absicherung Router und WLAN durch Passwörter etc.) sowie von Desktop-PC, Smartphone und Tablet zu überprüfen. Falls es nicht schon automatisch geschieht, sind App- und Sicherheitsupdates regelmäßig und möglichst zeitnah nach deren Erscheinen einzuspielen. Ein guter Virenscanner ist vor allem für den Windows-PC daheim sowie für Nutzer von Android-Smartphones zu empfehlen, die viel im Internet surfen und regelmäßig Dateien unbekannter Herkunft downloaden.

Nicht alle Hersteller halten sich strikt an den Datenschutz. Produkte deutscher Anbieter sind meist zu bevorzugen, da hierzulande die Vorschriften und Regeln recht klar definiert sind. Unabhängig von der Herkunft sind die Datenschutzbestimmungen im Vorfeld auf der Herstellerwebsite, spätestens jedoch bei der Installation zu studieren. Eine Datenweitergabe an Dritte sollte ausdrücklich ausgeschlossen werden. Operiert die App ausschließlich auf der mobilen Hardware des Nutzers oder beschränkt sie ihre Onlineaktivitäten nur auf das absolut Notwendige, ist dies definitiv ein Pluspunkt. Wenn allerdings häufiger nach Hause telefoniert wird, Daten bereitwillig preisgegeben, ausgewertet und auf dubiosen Servern im Ausland gespeichert werden, ist Vorsicht geboten. Eine Anwendung sollte auch nicht auf sämtliche Bereiche des Smartphones - insbesondere nicht auf die persönlichen Kontakte - zugreifen können. Eine Registrierung ist ebenfalls kritisch zu hinterfragen: Ist sie wirklich nötig, welche Daten gebe ich dafür preis?

Hat man seine Hausaufgaben gemacht und sich nach reiflicher Überlegung ein smartes Geldmanagement zusammengestellt, steht einer effizienten und komfortablen Haushaltsführung nichts mehr im Wege.

 

Artikel vom

von Rüdiger Maulko

Mehrjährige Tätigkeit an der Universität Hamburg, danach freier Dozent, Texter
für Werbeagenturen und freier Publizist. Promotion im Fach Medienwissenschaft über
die Digitalisierung des Fernsehens.
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