YouTube Gaming & Co – so nutzen Sie YouTube richtig

von Rüdiger Maulko

YouTube schreibt seit 2005 eine beachtliche Erfolgsstory. Mittlerweile ist das Archiv von Googles Tochtergesellschaft gigantisch, pro Minute kommen derzeit etwa 400 neue Videominuten hinzu. Da ist es natürlich nicht leicht, den Überblick zu behalten und gezielt auf Interessantes zuzugreifen. Hier helfen Apps und spezielle Recherchetools. Wir stellen einige Highlights vor.

Let’s play - YouTube Gaming

Spezielle Plattformen für Videospiele liegen voll im Trend. YouTube Gaming gibt es als Online-Portal und als App für iOS und Android. Geboten werden Livestreams und Let's Plays, in denen Gamer ihr Spielerlebnis dokumentieren und anschließend als Video hochladen. Walkthroughs (Wege zur Lösung eines Videospiels) und Reviews gehören ebenfalls zum Angebot. Die App ist einfach aufgebaut, Kanäle bekannter Streamer sowie Lieblingsspiele sind schnell gefunden. Die Startseite enthält Empfehlungen, News und Best-of-Videos, die beispielsweise skurrile Bugs oder außergewöhnliche Spielsituationen präsentieren. Weitere Highlights der Plattform sind exklusive Materialien von Spieleentwicklern sowie Übertragungen von hochdotierten Turnieren, wie z. B. The International.

Wichtig ist der Community-Aspekt: Jeder Konsument kann aktiv werden und einen eigenen Kanal starten. Livestreams lassen sich abonnieren, sharen, liken oder disliken. Via Live Chat tauschen sich User untereinander oder mit dem jeweiligen Streamer aus. Mitunter ist sogar ein Spielchen gegen den Kanalbetreiber möglich. Mit der App lässt sich das Geschehen flexibel verfolgen: Verschiedene Ansichten (Full Screen, Split Screen) und Bildqualitäten sind verfügbar. Die Wiedergabegeschwindigkeit lässt sich einstellen, um etwa spannende Spielszenen nochmal in Zeitlupe zu betrachten. Ist der Livestream schon länger online, kann man problemlos einsteigen und zurückspulen. Bei speziellen Events werden Kanal- oder Gameabonnenten automatisch benachrichtigt und können sich die Streams auch zeitversetzt anschauen. Die Kanalbetreiber generieren Einnahmen durch Werbung. Hinzu kommen kostenpflichtige Abos, die Usern gewisse Sonderrechte einräumen (Zugänge zu exklusiven Livechats, Bevorzugung bei Gewinnspielen) oder zur Nutzung innovativer Techniken berechtigen (hochauflösende 4k-Streams, Nutzung von VR-Technik oder 360°-Kameras).

Musikstreaming leicht gemacht – Musik Player

Neben Spiele-Streams gehören Musikangebote zu den erfolgreichsten Inhalten auf YouTube. Der Startbildschirm von Musik Player für iOS listet die Top 100 von YouTube und iTunes sowie von verschiedenen Genres (Hip-Hop, Indie etc.) übersichtlich auf. Die optionale Suche findet Videoclips oder reine Audiotracks, die meist mit einem Standbild versehen werden. Die Lieblingsmusik kann in der Favoriten- oder Playlistansicht organisiert werden. Insgesamt lässt sich die App flüssig bedienen. Die Videos starten relativ schnell, Werbung wird kaum geschaltet. Zwischen der Video- und Listenansicht blättert man geschmeidig via Fingertipp hin und her. Musik Player spielt meist sogar im Hintergrund weiter, wenn zu einer anderen App gewechselt wird (z. B. Mailprogramm). Eine Offline-Option ist leider nicht verfügbar, mit der im heimischen WLAN Inhalte heruntergeladen und mobil ohne Belastung des Volumentarifs angeschaut werden können. Mit der integrierten Streaming-Funktion (Airplay/Chromecast) werden der große TV-Bildschirm oder die Stereoanlage eingebunden. Für einen optimalen Klang sorgen beispielsweise hochwertige WLAN-Speaker. Kindern sollte die unbeaufsichtigte Nutzung nicht erlaubt werden, da viele Videoclips eher für ältere Zuschauer gedacht sind. Ab und zu erscheint eine Meldung, dass sich Inhalte nicht abspielen lassen. In dem Fall besitzt YouTube die Rechte für die Verbreitung in Deutschland nicht. Ähnlich funktionierende Musik-Apps für YouTube gibt es natürlich auch für Android.

Videos für die Kleinsten – YouTube Kids

In den USA gibt es YouTube Kids schon seit 2015, im Herbst 2017 wurde die App hierzulande eingeführt. Sie bereitet Inhalte für Kinder zwischen zwei bis sechs Jahren auf, aber auch Schulkinder kommen auf ihre Kosten. Die App ist übersichtlich strukturiert, die Bedienung erlernen Kinder schnell. Der Startbildschirm bündelt Empfehlungen, die sich mit der Zeit an die Sehgewohnheiten des Nachwuchses anpassen. Weitere Kategorien enthalten Serien, Lern- und Musikvideos. Ein Zeitlimit für die Nutzung der App lässt sich einstellen. YouTube Kids ist zwar kostenlos, sammelt aber für die weitere Auswertung Nutzerdaten. Kindgerechte Werbung wird am Anfang einiger Clips geschaltet.

Grundsätzlich begrüßen viele Jugendschützer das Angebot, da Kinder in einer relativ sicheren Umgebung ausgewählte YouTube-Inhalte konsumieren und darüber hinaus keinen Zugriff auf das für sie teils verstörende Gesamtangebot haben. Die kindgerechte Auswahl aus dem riesigen Videoangebot der Plattform übernehmen Algorithmen und Filter, kombiniert mit einer punktuellen Kontrolle durch Mitarbeiter des Portals. YouTube weist bei der Einrichtung ausdrücklich darauf hin, dass dieses Kontrollsystem nicht perfekt ist. Ungeeignete Inhalte können also immer mal durchrutschen. Jugendschützer und Pädagogen raten daher, dass Eltern die Auswahl der Videos aktiv begleiten und beim Betrachten dabei sein sollten. Die App hat eine Suche, die Klein- und Vorschulkinder via Sprache bedienen können. Da problematische Inhalte gefunden werden können, sollte sie bei unbeaufsichtigter Nutzung in den Einstellungen deaktiviert werden. Ist sie aktiv, greifen einschränkende Schutzmechanismen (z. B. Filter). So fördern problematische Suchbegriffe wie Krieg oder Gewalt keine Ergebnisse zutage. Entdecken Eltern dennoch problematische Inhalte, können sie diese an YouTube melden. Daraufhin findet eine manuelle Überprüfung statt.

Immer am Ball bleiben - Videostars

Videostars bietet einen schnellen Zugriff auf die Kanäle bekannter YouTuber. Vertreten sind unter anderem Dagi Bee, YTITTY (ältere Videos), Julian Bam, DieLochis und die freekickerz. Ergänzt wird das Angebot durch angesagte themenbezogene Kanäle wie diefilmfabrik (Kino) und GameTube (Streaming von Videospielen). Jedes Profil präsentiert neben Videos auch Aktivitäten auf Social Media-Kanälen (speziell Twitter). Online Shops der Influencer sind ebenfalls vertreten. Auf dem Laufenden bleiben die Nutzer durch Push-Benachrichtigungen. Für bis zu 25 Stars sind sie gratis, das kostenpflichtige Pro One-Paket schaltet die Funktion für eine unbegrenzte Anzahl an Profilen frei. Mit dem Favoriten-Button werden Wunschkanäle zusammengestellt, ein Kategorienfilter passt das Angebot an die individuellen Interessen an. Zur Auswahl stehen unter anderem Beauty & Fashion, Comedy, Music, News & Information, Let’s Play sowie Sport & Fitness. Eine Suche ist ebenfalls integriert. Die App setzt auf aktive Beteiligung der Community. Via Chat-Funktion wird der Kontakt zu anderen Fans hergestellt. Der Redaktion können eigene Lieblingskanäle für die Erweiterung des Portfolios vorgeschlagen werden.

YouTube effizient durchsuchen - YouTube Kanalfinder

Wer regelmäßig nach bestimmten Inhalten fahndet, sollte sich im Browser ein Lesezeichen für den YouTube Kanalfinder einrichten. Die Suchmöglichkeiten sind vielfältig. Eine gezielte Kanalsuche kann über die Eingabefelder „Suchwörter“, „Name“ und „Kategorie“ erfolgen. Die Recherche nach besonders populären Kanälen geht schneller, wenn ein Minimum für Aufruf- und Abonnentenzahlen festgelegt wird. Gibt man einen relativ kurzen Zeitraum für das letzte gepostete Video ein, werden aktivere YouTuber herausgefiltert. Der Suchradius lässt sich mit einer Reduktion der Kriterien erheblich erweitern. Ist nur die Kategorie Musik ausgewählt, listet der Finder aktuell über 1000 Angebote. Diese können auf der Ergebnisseite weiter gefiltert und geordnet werden (etwa nach Abonnentenzahlen). Die Suche arbeitet zügig und liefert brauchbare Ergebnisse. Manchmal helfen bestimmte Verknüpfungen: Bei der Recherche nach Kochkanälen sollte das Suchwort „Kochen“ mit der Kategorie „Praktische Tipps & Styling“ kombiniert werden.

Neues Bezahlangebot - YouTube Red

YouTube wird sich hierzulande in den nächsten Jahren einschneidend verändern. Die neue Ära der Bezahlangebote verkörpert ein Dienst, der in den USA bereits seit 2015 verfügbar ist. YouTube Red bietet dort zahlenden Abonnenten exklusive Inhalte beliebter YouTuber. Außerdem konsumieren sie Inhalte offline, werbefrei und nach Bedarf im Hintergrund. Vermutungen, dass Red schon 2017 nach Europa kommt, haben sich nicht bestätigt. Es wird aber wohl nicht mehr lange dauern, bis auch wir in den Genuss der Premium-Features kommen. Um das neue Geschäftsmodell optimal auf dem Markt zu positionieren, werden in letzter Zeit potenzielle Red-Konkurrenten verstärkt unter Druck gesetzt. So wurde die beliebte Drittanbieter-App ProTube 2017 auf Drängen von Google aus dem App Store von Apple entfernt. Offenbar störte man sich daran, dass ProTube zentrale Red-Features, wie z. B. Hintergrundwiedergabe und reiner Audio-Modus, recht kostengünstig anbot. Auch andere Angebote mussten sich bereits dem Druck beugen. Derzeit gibt es kaum noch YouTube-Apps von Drittanbietern, die eine Offline- und Download-Funktion anbieten. YouTube Red soll angeblich ein zusätzliches Angebot sein, das die beliebte „Gratiskultur“ des größten Videoportals nicht negativ beeinflussen soll. Es könnte aber durchaus sein, dass gerade besonders populäre, qualitativ hochwertige und aufwendiger produzierte Inhalte auf Dauer in die Bezahlzone abwandern.

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von Rüdiger Maulko

Mehrjährige Tätigkeit an der Universität Hamburg, danach freier Dozent, Texter
für Werbeagenturen und freier Publizist. Promotion im Fach Medienwissenschaft über
die Digitalisierung des Fernsehens.
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