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Wie sicher ist ein Smart Home? 10 Tipps, wie man sich smarter schützt

von Robert Basic

Moderne Technik birgt auch das Versprechen, das Leben zu Hause sicherer zu gestalten. Insbesondere vor Gefahren wie Einbruch und Diebstahl. Doch ist das wirklich sicher? Ein Check.

Es ist kein Wunder, dass sich zahlreiche Anbieter auf dem Markt tummeln, die uns fernsteuerbare Überwachungskameras anbieten, Bewegungsmelder, Rollo- und Fensteröffner, Rauch- und Feuermelder oder gar digitale Hausschlösser. Das Sicherheitsrepertoire ist groß und entspricht dem hohen Sicherheitsbedarf. Eine neue Gerätegeneration kam in den letzten Jahren auf: Sie werden gerne unter dem Sammelbegriff „Smart Home“ beworben. Was daran smart ist? Die intelligente Vernetzung über das Hausnetz, die Sensoren oder auch die Möglichkeit, per Smartphone-App auf die Geräte von unterwegs zugreifen zu können. Doch dabei stellt sich die Frage, wie sicher diese neuen, smarten Geräte sind, die uns Sicherheit versprechen? 

Wäre es nicht dann smart, wenn die Geräte selbst sicher sind?

Selbstverständlich!“ möchte man ausrufen. Doch bereits die erste Google-Suche nach „Smart Home Sicherheitslücken“ lässt nichts Gutes erahnen. Immer wieder findet man Berichte über Risiken und Schwachpunkte. Es wäre eine große Überraschung gewesen, hätten wir nichts dazu gefunden. Wir wissen seit jeher, dass sämtliche Systeme – die über das Internet angebunden werden – natürlich eine Gefahrenquelle für Fremdzugriffe darstellen. Ersparen wir Ihnen die Aufzählung der teilweise hoch technischen Details, welche Schwachstellen entdeckt und wie sie von Experten ausgenutzt wurden. Und beschäftigen uns lieber damit, wie Sie dafür Sorge tragen können, dass Ihre smarten Sicherheitsprodukte so wenig wie nur möglich Ärger machen werden. Versuchen wir, die Problemzonen aufzuschlüsseln:

1. Die beste Sicherheit nutzt niemanden, wenn das Smartphone verloren geht! Der große Vorteil in der bequemen Nutzung und Bedienbarkeit der „Smart Home“-Geräte – wer schon einmal die Live-Bilder seiner Überwachungskamera von unterwegs via App aufgerufen hat, schätzt das Sicherheitsplus sehr schnell – gereicht auch zum Nachteil. Das Smartphone ist wie ein Zauberschlüssel, der einmal entwendet alle Türen aufmacht und damit Zugang zu allen Sicherheitssystemen bietet. Der beste Schutz ist? Tragen Sie immer dafür Sorge, dass Ihr Smartphone gesperrt ist. So hat der Dieb wenigstens etwas mehr Mühe, das Smartphone zu entsperren. Bis dahin können Sie Ihr Handy bei Ihrem Provider sperren lassen! Erkundigen Sie sich zudem beim Hersteller der Überwachungskamera (oder anderer Gerätetypen), ob und wie sie per Online-Zugriff Fremdeingriffe unterbinden können, die vom gestohlenen Smartphone ausgehen könnten. Niemand möchte, dass fremde Augen ins eigene Wohnzimmer blicken.

2. Ein Teil der smarten Sicherheitsprodukte wird nicht selten per Batterie betrieben. Es ist sehr wichtig zu wissen, wie hoch der Ladezustand ist. Standard ist mittlerweile, diese Information via Smartphone-App abrufen zu können. Geht das nicht, lassen Sie die Finger vom Gerät! Was ist aber mit Produkten, die nicht online ansteuerbar sind? Fragen Sie den Hersteller oder entnehmen Sie das besser den Amazon-Rezensionen, welche Erfahrungen Anwender mit den Laufzeiten gemacht haben. Die Hersteller versprechen gerne längere Laufzeiten.

3. Ein anderer Teil der Sicherheitsprodukte wird mit Stromanschluss betrieben. Einerseits sollte das Kabel sicher verlegt sein, andererseits sollte bei einem Stromausfall im besten Falle gewährleistet sein, dass die Batterien den Saft liefern. Diese Kombination findet sich allerdings selten. Sollten keine Batterien eingebaut sein, erkundigen Sie sich, was dann passiert: Die Überwachungskamera funktioniert nicht mehr, klar! Aber was ist mit dem digitalen Haustürschloss? Gibt es eine zentrale Steuerungseinheit, die mit dem Schloss verbunden ist und bei einem Stromausfall die Tür blockiert? Welche Geräte könnten noch von einem Stromausfall betroffen sein? Wenn Sie einen höheren Sicherheitsbedarf haben, ziehen Sie die Möglichkeit in Betracht, sich eine USV anzuschaffen. USV steht für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung. Es ist nichts anderes, als eine Art Hausstromgenerator auf Batteriebasis (nebst Dieselvarianten, die aber eher in gewerblichen Bereichen zum Einsatz kommen).

4. Benutzen Sie stets – wo es nötig wird – sichere Passwörter. Manche Hersteller liefern Geräte mit Standardpasswörtern wie „0000“ oder „12345“ aus, was fatal ist, wenn diese bei Inbetriebnahme nicht geändert werden. Das passiert häufiger als man denkt! Ein Hinweis am Rande: Ein häufiger Wechsel der Passwörter ist weder nötig noch erhöht es die Sicherheit. Allerdings, nutzen Sie nicht für alle Systeme das gleiche Passwort.

5.  Können die Geräte ein Sicherheitsupdate vom Hersteller beziehen? Wenn ja, ist das als positiv zu bewerten. Wenn nicht, lassen sie besser die Finger davon (Nutzer von sogenannten „ZigBee“-Geräten wissen ein Lied darüber zu singen). Ein Sicherheitsupdate ist wie eine Art Fernwartung. Der Hersteller kann bei aufgetretenen Sicherheitsproblemen über das Internet eine neue Software aufspielen. Das ist heute wichtiger denn je, da sich digitale Techniken im gleichem Tempo wie Angriffstechniken auf Schwachstellen weiterentwickeln.

6. Findet die Kommunikation verschlüsselt statt? Ihre Überwachungskamera kann das Video vom Wohnzimmer unverschlüsselt über das Internet senden? Ebenso gut könnten Sie das Video gleich auf YouTube hochladen, damit sich jeder ein Bild von Ihrem zu Hause machen kann. Achten Sie unbedingt darauf, dass die Daten verschlüsselt gesendet werden: Vom Gerät zur Basisstation, von der Basisstation zum WLAN-Router, vom WLAN-Router bis hin zu Ihrem Smartphone. Wie Sie das in Erfahrung bringen? Fragen Sie beim Händler oder Hersteller nach. Lesen Sie die Produktbeschreibung genau. 

7. Schwachstelle Smartphone: Installieren Sie auf dem Smartphone keine Apps, denen Sie nicht vertrauen! Das sagt sich leicht, leider passiert das sehr oft. Schnell eine App von einer merkwürdigen Quelle bezogen anstatt im App-Store von Apple bzw. Google? Oder, die App möchte umfangreiche Zugriffsberechtigungen, wurde aber selten heruntergeladen und bietet kaum einen Nutzwert? Das sollte Ihr Misstrauen wecken. Sobald einmal eine unseriöse App auf dem Smartphone läuft, kann sie damit Zugriff auf Ihr Haus bekommen. Virenscanner für Smartphones helfen als Schutzmaßnahme. Nutzen Sie diese.

8. Mechanische Sicherheit geht vor smarte Sicherheit. Ein smartes Produkt macht noch lange keinen Sicherheitssommer. Das Wichtigste ist und bleibt, dass die Schwachstellen am Haus – Türen und Fenster – mechanisch gesichert werden (nur um einige wenige Maßnahmen zu nennen: Querriegelschlösser, Kastenriegelschlösser, einbruchhemmende Fenster, abschließbare Fenstergriffe, verstärkte Türen und Türrahmen). Dieser Schutzklassiker wird niemals alt.

9. Nutzen Sie Google und Kundenrezensionen. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist ein gesundes Misstrauen. Suchen Sie nach dem Namen des Gerätes und ergänzen als Suchwort „Sicherheit“ oder „Sicherheitslücke“. Suchen Sie in Foren oder auf Shops wie Amazon nach Erfahrungsberichten. Es lohnt sich, die Suche regelmäßig vorzunehmen!

10. Ignorieren Sie den Datenschutz nicht. Mit Einzug der digitalen Technik für Ihr zu Hause nehmen Sie bei zahlreichen „Smart Home“-Produkten in Kauf, dass die Daten im Netz gespeichert werden. Und zwar auf den Rechnern des Herstellers. Genauso wie Sie, weiß die Firma, wann Sie zu Hause sind und was Sie dort tun. Sie können der Firma vertrauen oder eben nicht. Würde sich ein Mitarbeiter jemals Zugriff zu Ihren Überwachungskameras verschaffen wollen? Wie verhindert das der Hersteller? Leider findet man dazu absolut keine Angaben seitens der vielen Anbieter, wie die Sicherheit der Daten gewährleistet wird. Zwar ist die Sprache von „sicheren Datenzentren“ (um Angriffe von außen abzuwehren), allerdings ist nie die Sprache davon, wie man die Daten vor dem Zugriff der eigenen Mitarbeiter absichert . Was sagt Ihnen Ihr Gefühl? Wenn Sie größere Bedenken haben: Es gibt natürlich auch Systeme und Produkte, die Ihre Daten nicht im Netz speichern. Wägen Sie zwischen Komfort (kein Fernzugriff, weniger Bequemlichkeit) und Datenschutz ab.

Fazit

Hatten Sie etwas anderes erwartet? Angriffspunkte und Schwachstellen gibt es immer. Es kommt letztlich stets darauf an, wie viel Zeit und Mühe wir investieren wollen, um ein Stück weit mehr Sicherheit zu erlangen. Davon ist die Technik rund um „Smart Home“ nicht ausgenommen. Nutzen Sie gezielt die zahlreichen Beratungsmöglichkeiten, von Polizei über Versicherungen oder Smart Home Beratern bis hin zu Einbruchszentralen und Internetquellen. Ein gesundes Maß an Misstrauen ist hilfreich und schadet nicht. Wägen Sie ab, wo Sie Komfort und Sicherheit kombinieren können, ohne dass Ihnen die Technik zu kompliziert wird. Denn eines ist sicher: Wenn wir das Gefühl haben, dass uns etwas über den Kopf wächst, erkundigen wir uns nicht mehr hinreichend noch gewinnen wir an Sicherheitsgefühl. Was dem einen als sicher genug erscheint, wird dem nächsten viel zu unsicher sein.

Bedenken Sie dabei auch, dass nicht jede entdeckte Schwachstelle zu einem Riesenproblem werden muss. Denn auf der anderen Seite steht die Frage im Raum, ob sich denn die Angreifer überhaupt erhebliche Mühen machen wollen, um Ihr Eigentum und Ihre Intimsphäre auszuspähen? Bei manchen Angriffsszenarien herrschen geradezu Laborbedingungen, die eher theoretischer Natur sind: Möchte ein Datendieb wirklich in die Wohnung eindringen, um die Geräte vor Ort zu manipulieren, weil es nicht anders geht? Und eine Diebesbande wird eher auf klassische Mittel setzen, denn einen jahrelangen Kurs für Hacker zu belegen. Sprich: Wir alle werden auch in Zukunft in den Medien vor möglichen Szenarien gewarnt werden. Das ist kein Grund zur Panik, die Welt geht nicht unter noch werden wir alle schutzlos ausgeliefert sein. Das ist kein Grund zur Beschwichtigung, aber mit den oben genannten Punkten und vorbeugenden Schutzmaßnahmen fahren Sie im vertretbaren Maße gut und sicher.

In diesem Sinne: Augen auf, Ohren auf, Browser an! 

P.S:
Anbei sehen Sie einige Bildschirmausschnitte von einer Sicherheitskamera namens „Arlo“. Die Kamera reagiert auf Bewegungen und Geräusche. Sobald sie etwas bemerkt, startet sie mit der Videoaufzeichnung. Sie werden parallel per Smartphone und Mail informiert. Über die Smartphone-App von Arlo können sie sich die Live-Bilder der Kamera anschauen oder sie rufen die Videoaufzeichnungen ab. Es spielt übrigens keine Rolle, ob es hell oder dunkel ist, denn die Kamera verfügt auch über einen Nachsichtmodus. Dies soll ein Beispiel für Neulinge sein, die sich für Smart Home mit dem Schwerpunkt Sichereit interessieren.

                                             

                                             





Artikel vom

von Robert Basic

Seit über zehn Jahren als Blogger und Autor im Netz unterwegs. Seine Hauptschwerpunkte
sind IT, Webtechnologien, Smart Home, Mobilität und er liebt Innovatives über alles. Man
gebe ihm ein Gadget und er vergisst alles um sich herum. Wer ihn treffen möchte,
muss ihn in Hamburg suchen.

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