Sind wir voll vernetzt angreifbarer?

von Franziska Wischmann

Das Leben wird dank smarter Technik immer einfacher. Aber auch immer transparenter. Datenschützer warnen, dass mit der umfassenden Steuerung aller Funktionen über mobile Devices die Gefahr von Missbrauch steigt. Worauf Sie achten sollten, verrät ein Sicherheitsexperte.

Das Smartphone ist in unserer Generation zum Alltags-Begleiter avanciert. Längst hat es die Bedeutung ganz persönlicher Gegenstände wie Armbanduhr, Brille und Portemonnaie überholt. Inzwischen nutzt über 70 Prozent der Deutschen ein Smartphone. Und sie kommen sich paradoxerweise ohne ihr Handy völlig »nackt« vor.

Gigantisches Wissen, gigantische Transparenz

Dabei müsste es umgekehrt sein: Denn der digitale Alleskönner besitzt ein gigantisches Wissen und macht seinen Besitzer von oben betrachtet zu einem gläsernen Menschen. Er speichert seine Kontaktdaten, Termine, sein Nutzungs- und Kommunikationsverhalten, seine Aufenthaltsorte, Vorlieben, Konsumgewohnheiten. Längst kann das Smartphone via smarter Technik auch Türen öffnen, die Energiebilanz zu Hause in Schach halten, die Fenster verdunkeln und die Umgebung beleuchten, das Wassermanagement für die Gartenpflanzen oder das Monitoring übernehmen, wenn Kinder allein sind. Und vieles, vieles mehr.

Alles ist möglich

Dafür sorgen smarte Hausteuerungen und intelligente Apps, von denen wir uns jährlich übrigens mehr als eine Milliarde auf unsere mobilen Systeme laden, zunehmend auch Anwendungen, die den Alltag erleichtern können. Drei Beispiele, die das verdeutlichen.

1. SMAPPEE etwa ist ein Energie-Monitor, der den persönlichen Energieverbrauch analysiert. Dafür wird ein Sensor an das Hauptstromkabel des Sicherungskastens geklemmt, der den Energiefluss misst. Mit Hilfe von Signaturen lässt sich der Stromverbrauch jedes einzelnen Gerätes analysieren. So hat jeder Nutzer seinen Energieverbrauch immer im Auge und kann sofort reagieren, um ihn zu drosseln. Außerdem lassen sich von unterwegs die Geräte zu Hause an- und ausschalten.

2. Das BABYPHONE DUO (VOLP) ist eine App, die nicht nur Geräusche, sondern auch Bilder oder sogar Videos aus dem Kinderzimmer übermittelt. Dafür muss sie auf zwei internetfähigen Smartphones installiert werden. Sind beide Handys im selben WLAN Netz registriert, können Videobilder in Echtzeit von der Babyeinheit an die Elterneinheit übertragen werden.

3. KEY2SHARE ist ein leicht zu bedienendes Programm, mit dem man sich laut Hersteller-Angaben sehr sicher Zugang zu Haustür oder Auto verschaffen kann. Der Vorteil besteht in den multiplen Funktionen: Die Handyschlüssel lassen sich zeitlich begrenzen, an andere Personen weitergeben und sogar als QR Code verschicken oder ausdrucken.

Datenschützer warnen vor Missbrauch

Auch wenn die Hersteller des Öffnungssystems Key2share – immerhin Wissenschaftler des Fraunhoferinstituts – beteuern, dass umfangreiche Maßnahmen wie kryptographische Schlüssel die App vor Malware schützen, bleiben Zweifel. Welche Berechtigung die haben, verdeutlicht Helmut Eiermann, Datenschützer aus Rheinland-Pfalz. Er hält Aufklärung für das wichtigste Mittel des Schutzes. „Man muss sich einfach bewusst machen, dass jedes ans Internet gekoppelte Gerät darüber angreifbar wird”, sagt der Experte. „Für viele Anwendungen im "Internet der Dinge" gibt es weder Firewall noch Updates, die Sicherheitslücken schließen könnten.”

Einladende Einblicke

Worüber sich auch kaum einer Gedanken macht? Welche tiefen Einblicke man damit in seine Lebensabläufe ermöglicht. „Das Heizungsablesen macht transparent, dass erst ab 22 Uhr die Leistung steigt. Das lässt aber auch erkennen, dass vorher keiner zu Hause war”, erklärt Experte Helmut Eiermann. Seiner Meinung nach durchdringen die meisten auch nicht die Strategie vieler Konzerne: „Mit dem Kauf des Brandschutz- und Bewegungsmelders Nest Lab etwa ist Google ein ganzes Stück näher ins Wohnzimmer gerückt. Mit den Sensoren kann sich das Unternehmen einen Überblick über persönliche Gewohnheiten verschaffen. Das Bild über das häusliche Umfeld wird immer schärfer”, kritisiert der Datenschützer.

Schützen Sie aktiv Ihre Daten

Aber letztlich hilft nur eins: gesunder Menschenverstand. In Zeiten, in denen in erschreckendem Maße Smartphones verloren gehen oder gestohlen werden, stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, jedem Gerät Zugang zu den persönlichsten Räumen zu erlauben. Auch wenn es das Leben einfacher macht.

Artikel vom

von Franziska Wischmann

Franziska Wischmann, Redakteurin mit den Schwerpunkten Wissenschaft und Forschung,
hat mit dem Heranwachsen ihrer Kinder für sich ein spannendes neues Feld entdeckt:
Technik, Gadgets, Apps für jede Lebenslage.

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