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Sprachen lernen mit Apps

von Christian Zeiser

Über 60 Prozent der Deutschen sprechen und verstehen einer Studie zufolge ausreichend gut Englisch, Französisch beherrschen 18 Prozent einigermaßen, 9 Prozent können Niederländisch, 6 Prozent Russisch. Allerdings sprechen noch immer 30 Prozent der Deutschen überhaupt keine Fremdsprache. Dabei ist es heute dank Smartphones und Apps einfacher denn je, eine andere Sprache zu erlernen. Wir stellen die fünf besten Apps hierfür vor – und empfehlen, jeweils zunächst die kostenlosen Probekurse auszuprobieren, um zu sehen, ob sie zum persönlichen Lerntyp passen.

Babbel: Der günstige Einstieg

Eine der weltweit beliebtesten Apps für das Lernen einer Fremdsprache wirkt auf den ersten Blick relativ herkömmlich: Babbel bietet Kurse in 14 Sprachen an und führt in kleinen, auch zwischendurch zu bewältigenden Schritten durch die einzelnen Stufen. Videos, Community-Funktionen und dergleichen bietet Babbel dagegen nicht. Feedback gibt es trotzdem: So fordert Babbel immer wieder dazu auf, neu gelernte Wörter zu sprechen und prüft dann automatisch die Aussprache – bis sie sitzt. Ein toller Bonus sind die verschiedenen, ständig erweiterten Kurse für bestimmte Situationen, etwa Business-Französisch oder Restaurant-Spanisch. Die Babbel-App an sich ist zwar kostenlos, nach Absolvieren eines sehr kurzen Basiskurses ist zum Weiterkommen allerdings ein kostenpflichtiges Abo nötig. Dieses kostet je nach Laufzeit ab etwa 5 Euro monatlich.

Duolingo: Der kostenlose Sprachkurs

Gegenüber anderen Angeboten hat Duolingo einen entscheidenen Vorteil: Die App und die angebotenen Kurse sind kostenlos, sowohl für Android als auch für iOS. Deutschen Muttersprachlern bietet Duolingo momentan allerdings nur drei Sprachkurse an: Englisch, Französisch und Spanisch. Englischen Muttersprachlern dagegen stehen 20 Sprachen zur Verfügung, darunter Ukrainisch. Die Kurse dagegen sind sehr gut strukturiert, das Lernen mit der App macht Spaß. Übungen sind durch Bilder und gesprochene Sprache angereichert, außerdem kommen sie angenehm spielerisch herüber. Am Ende einer Übung teilt die App mit, inwieweit man die Sprache nun „fließend“ beherrscht. Nun darf man sich nichts vormachen: Fließend wird niemand mit Hilfe einer App eine Sprache erlernen, dazu braucht es massiven Kontakt mit der Sprache in einem natürlichen Umfeld. Für das Erlernen eines Grundwortschatzes taugt Duolingo jedoch allemal. Die Anzeigen, die die kostenlose App finanzieren, sind übrigens kaum störend am Ende der Übungen platziert.

Busuu: Mehr Spaß in der Gemeinschaft

Viel mehr als nur Frontalvortrag bietet Busuu: Die App ist eine Mischung aus Sprachschule und sozialem Netzwerk. Nach einigen Lektionen in einer der zwölf zur Auswahl stehenden Sprachen folgt eine Aufgabe, etwa: „Stelle dich der Community vor“. Die eigene Antwort auf diese Aufgabe wird dann von Muttersprachlern der gewählten Sprache korrigiert. Wer möchte, kann auch eine direkte Partnerschaft eingehen: Hat man einen passenden Gegenpol zu sich selbst gefunden, kann man sich über Videochat gegenseitig beim Lernen helfen. Busuu – übrigens der Name einer vom Aussterben bedrohten Sprache in Kamerun – ist für iOS und Android in der schon sehr umfangreichen Grundversion kostenlos. Weitere Funktionen wie Grammatikübungen und Offline-Modus erfordern eine kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaft.

LingQ: Lernen wie ein Muttersprachler

Einen interessanten Ansatz verfolgt LingQ: Die App möchte es ermöglichen, eine Fremdsprache wie die Muttersprache zu lernen, nämlich, indem sie mit echten Inhalten aus dem Leben arbeitet, nicht nur mit vorgefertigten Lerntexten. Deshalb kommen auch Interviews und Hörbücher zum Einsatz. Ein Plug-in für den Webbrowser erlaubt es gar, jegliche fremdsprachige Web-Inhalte wie Zeitungsartikel in den Lernprozess einfließen zu lassen. Zwei Dutzend Sprachen stehen zur Auswahl, darunter sogar Koreanisch. Hilfreich ist auch die große LingQ-Community, in der sich auch Tandem-Lernpartner finden lassen. Der umfangreiche Service hat allerdings seinen Preis: Nach einer kostenlosen Testwoche werden für die Nutzung der App 10 US$ im Monat fällig.

Rosetta Stone: Der Klassiker

Schon in den neunziger Jahren bot die amerikanische Firma Rosetta Stone Wörterbuch-Software an, die vielen Studenten als Standard-Nachschlagewerk galt. Unter den 19 für deutsche Muttersprachler angebotenen Fremdsprachen sind auch Hindi und Vietnamesisch. Das Besondere an Rosetta Stone ist das Lehrkonzept: Übersetzungsübungen sucht man vergeblich, stattdessen läuft der gesamte Lernprozess in der zu erlernenden Sprache ab. Dies funktioniert teils über Bilder, die den richtigen Begriffen zugeordnet werden müssen, aber auch über Aussprache- und Schreibübungen. Prinzipiell lernt man hier eine Fremdsprache so, wie ein Kind die Muttersprache erlernt: Durch Zuordnung, nicht durch Übersetzung. Ein sehr intuitives Konzept, mit dem Rosetta Stone seit Jahrzehnten erfolgreich ist. Ein kompletter Sprachkurs kostet 230 Euro – was zunächst teuer erscheint, allerdings bekommt man hierfür sogar in den Genuss von Live-Tutoren.

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von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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