Nicht nur Autos werden autonom

Autonome Schiffe, führerlose Züge: Forscher arbeiten längst an der Zukunft des Transports.

Paula May/Unsplash

Tesla, Google, Apple: Dass viele große Firmen mit der Entwicklung von autonom fahrenden Autos beschäftigt sind, ist bekannt. Doch nicht nur für die Straße, auch für andere Verkehrswege wird längst an selbstständigen Lösungen gearbeitet. Künftig sollen auch auf dem Wasser und auf der Schiene keine Kapitäne und Zugführer mehr nötig sein.

Autonom auf dem Atlantik

An autonom fahrenden Schiffen etwa arbeitet Rolls Royce, die neben Luxusautos auch Flugzeug- und Schiffsmotoren bauen. Gerade in der Containerschifffahrt ist die Idee des führerlosen Schiffes nachvollziehbar: Die Arbeit an Bord, die langen Fahrten über offenes Meer sind ermüdend. Die meisten Unglücke passieren durch menschliche Fehlentscheidungen, eine künstliche Intelligenz würde, etwa im Fall einer Fehlfunktion, das Risiko einer solchen verringern. Zunächst wäre das Schiff nicht vollkommen führerlos, ein Kapitän würde dessen Fahrt nach wie vor überwachen – nur eben von Land aus, in einem Kontrollzentrum, an einem Bildschirm. Abends könnte der Kapitän dann nach Hause gehen, ein ausgeruhter Kollege würde seine Arbeit für die Nacht übernehmen. Die Svitzer Hermod, ein 2016 in der Türkei gebauter Schlepper unter dänischer Flagge, ist das erste ferngesteuerte Schiff im kommerziellen Einsatz. Mit fortschreitender Entwicklung wären aber auch vollkommen autonom fahrende Schiffe zu erwarten. Schiffsunglücke sollten so deutlich seltener werden – und falls es doch zu einem kommt, sind nur Schiff und Ladung in Gefahr, aber keine Menschenleben.

Selbstständig auf der Schiene

Schon längst Realität sind fahrerlose Züge. Bereits im Jahr 1983 nahm die erste führerlose U-Bahn in der französischen Stadt Lille den Betrieb auf, mittlerweile gibt es solche vollautomatischen Systeme in mehr als einem Dutzend Städte Europas, darunter Nürnberg. Auch an die „People Mover“, die an vielen Flughäfen vollkommen autonom Passagiere zwischen den Terminals transportieren, hat man sich gewöhnt.

Im Fernverkehr sieht es dagegen noch anders aus. Ein Grund dafür ist, dass Fernbahnstrecken wesentlich komplizierter sind als in sich geschlossene U- und S-Bahnsysteme. Auf Fernbahngleisen fahren schnelle ICEs ebenso wie langsamere Regional- und noch langsamere Güterzüge. Die Motivation, auch diese Art des Verkehrs vollkommen autonom fließen zu lassen, gibt es allerdings: So hat etwa das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ein Konzept für einen vollautomatischen Güterzug erstellt, der Waren mit bis zu 400 Stundenkilometern über die Schiene transportieren soll. Die französische Eisenbahngesellschaft SCNF will spätestens 2023 autonome Züge im Regionalverkehr einsetzen und hat dafür ein Konsortium gegründet, dem auch die deutsche Firma Bosch angehört.

Busse ohne Busfahrer

Nicht mehr Konzept, sondern schon Wirklichkeit ist der autonome Bus der Deutschen Bahn – wenn auch noch auf sehr vorsichtigem Niveau. Im bayrischen Kurort Bad Birnbach fährt seit Sommer 2017 ein elektrisch betriebener Linienkleinbus vollkommen selbstständig auf einer 700 Meter langen Strecke, und das im Regelbetrieb. Bis der Busverkehr in Großstädten autonom abläuft vergeht also wohl noch etwas Zeit.

Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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