Mobile Payment-Apps wollen den deutschen Markt erobern

von Franziska Wischmann

Kartenzahlung und vor allem mobiles Bezahlen mit dem Smartphone rücken auch in Deutschland immer mehr in den Fokus. Allerdings fast ausschließlich theoretisch. Denn im Gegensatz zu Skandinavien und vor allem zu den asiatischen Ländern halten die Deutschen wenig von bargeldlosen Varianten und geben Scheinen und Hartgeld den Vorzug. Einer Umfrage von Bitcom zum Thema »Smartphone statt Münzen« zufolge kennen 8 von 10 Deutschen nicht einmal einen Anbieter. Darüber hinaus misstrauen 64 Prozent der Deutschen der Sicherheit solcher Anwendungen und würden sie deswegen nicht benutzen.

Mobile Payments haben Potential

Kein Wunder, dass es Unternehmen wie etwa Google Pay für Android-Nutzer oder einige Banken- und Sparkassen-Initiativen schwer haben, mit ihren bargeldlosen Angeboten in Deutschland durchzukommen. Die ersten Anbieter haben sogar schon wieder dicht gemacht. So ist die Service-Base Wallet schon vor zwei Jahren eingestellt worden. Und auch Telekom hat ihre bargeldlose Lösung MyWallet inzwischen wieder vom Markt genommen. Dabei können diese Dienste eine echte Erleichterung darstellen. Denn statt an der Kasse sein Portemonnaie zu zücken und umständlich mit Bargeld zu hantieren, müsste man nur sein Smartphone ans Terminal halten, schon wäre die Transaktion perfekt. Hinter Google Pay zum Beispiel lassen sich Konten und Kreditkarte hinterlegen. Selbst eine Ikea- oder Paybackkarte kann in das System integriert werden.

Für Kleinstbeträge eine gute Alternative

Das bedeutet allerdings, dass das Bezahlen ohne Bargeld flächendeckend überhaupt möglich ist. Also nicht nur in großen Restaurants, Supermarktketten und ab einem Betrag von 50 Euro, sondern überall – am Kiosk, im Parkhaus oder Blumenladen. Das ist aber mitnichten so, schon gar nicht bei Kleinstbeträgen unter 5 Euro. Grund dafür ist unter anderem, dass viele kleinere Läden zumindest die Kartenzahlung erst ab bestimmten Summen unterstützen, da anfallende Gebühren sich sonst nicht lohnen würden. Laut Erhebungen der Bundesbank wurden 2017 dann auch 96 Prozent der Einkäufe über eine geringe Höhe bar bezahlt.

Deutschland hinkt hinterher

Ein Blick in Nachbarländer und auf andere Kontinente zeigt, wie weit wir der Entwicklung hinterher hinken. Während in den USA fast kein Coffee to Go mehr ohne Karte über den Ladentresen geht, ist es in Nordeuropa und Asien vor allem das Smartphone, das bargeldlose Transaktionen abwickelt. In Asien funktioniert das überwiegend über QR–Codes, in den skandinavischen Ländern setzt man auf die NFC-Technologie. Die Schweden nutzen ihr Smartphone selbst fürs Busfahren.

Mobile Payment ist sicherer als sein Ruf

Dabei liegt gerade in den Zahlungsmöglichkeiten für Kleinstbeträge ein großes Potential. Diese stressfrei zwischen zwei Handys auszutauschen, etwa nach einem gemeinsamen Kneipenbesuch, sehen in Umfragen auch viele Deutschen als Vorteil. Achim Berg, Bitcom-Präsident und Experte auf diesem Gebiet, bestätigt das. Er prognostiziert, dass die Peer-to-Peer-Bezahlapps das Bezahlverhalten der Deutschen grundlegend verändern werden. Er hält das System auch grundsätzlich für sicher, weil sich der Zugang zur App und zum Bezahlvorgang durch biometrische Merkmale wie Fingerabdruck oder Face-ID sichern und vor Missbrauch schützen lässt.

Auch Apple will mitmischen

Insofern könnte eine neue Entwicklung von Apple, die noch in diesem Herbst auch nach Deutschland kommen soll, das Ruder herumreißen. Apple Pay Cash heißt die App. Sie ist seit Dezember 2017 am Start und in den USA innerhalb weniger Monate zu einer neuen Erfolgsstory avanciert. Selbst die New Yorker U-Bahn zieht mit und lässt ihre Fahrgäste mit der Apple Pay App Tickets bezahlen. Apple hat auch hierzulande einige Strahlkraft, Verhandlungen mit Banken und Kreditkartenunternehmen laufen auf Hochtouren.

Welche Anbieter noch am Start sind? Auch die Allianz will in das Mobile Payment-Geschäft einsteigen und arbeitet an einem Bezahldienst per App und Smartphone. Den hat sie in Zusammenarbeit mit dem Kreditkarteninstitut Visa und dem Payment-Experten Wirecard aufgesetzt. Der Clou: Die Zahlungen sind über die Allianz versichert und beteiligen die Kunden zusätzlich an einem Treueprogramm. Außerdem arbeitet das Unternehmen mit einer Sicherheitstechnologie, die eine Bezahlung per App möglich macht, ohne dass dafür sensible Kontoverbindungen offengelegt werden müssen. Und: 20 Millionen Versicherungskunden in Deutschland sind schon eine ordentliche Hausnummer.

Es tut sich also viel in diesem Segment: Nur die Deutschen müssen noch mitziehen.

 

 

 

 

Artikel vom

von Franziska Wischmann

Franziska Wischmann, Redakteurin mit den Schwerpunkten Wissenschaft und Forschung,
hat mit dem Heranwachsen ihrer Kinder für sich ein spannendes neues Feld entdeckt:
Technik, Gadgets, Apps für jede Lebenslage.

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