Mathew Schwartz/Unsplash

Hyperloop: Die Zukunft des Verkehrs?

Von Hamburg nach Köln in einer halben Stunde, von Los Angeles nach San Francisco in 40 Minuten: Das soll schon bald möglich sein, wenn es nach den Forschern und Investoren geht, die das Projekt Hyperloop vorantreiben. Für sie ist die Technik nicht weniger als die größte Revolution des Transportwesens seit der Erfindung der Luftfahrt – und schon in greifbarer Nähe.

Was ist Hyperloop?

Technisch gesehen ist Hyperloop eine Magnetschwebebahn, die sich durch eine Röhre mit Unterdruck bewegt und deshalb kaum gegen den Luftwiderstand ankämpfen muss. Die Idee ist eigentlich nicht neu, der englische Ingenieur George Medhurst beschrieb schon im Jahr 1812 ein ähnliches Konzept. Im vergangenen Jahrhundert wurde immer wieder einmal an solchen Ideen geforscht, nur kamen die Projekte nie weit. Doch vor einigen Jahren trat der Unternehmer Elon Musk auf den Plan und hauchte der Idee neues Leben ein. Kapseln, so genannte Pods, sollen etwa 30 Personen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1200km/h durch die Röhren transportieren, wobei etwa jede Minute ein Pod starten kann. Davon sind wir allerdings noch weit entfernt. Derzeit liegt der Geschwindigkeitsrekord eines Prototypen, übrigens von Studenten der Technischen Universität in München (TUM) entwickelt, bei 467km/h.

Man kann die ganze Idee für ein Hirngespinst halten und durchaus bekam Musk schon kurz nach der Vorstellung seiner Idee Gegenwind. Seine Berechnungen seien Unsinn, die angeblich niedrigen Kosten in Wahrheit viel höher, außerdem gäbe es ungeklärte Fragen zur Sicherheit. Vieles, was Musk von sich gibt, klingt auch erst einmal reichlich dubios: Schon im Jahr 2020, so sagte er, könne es eine Hyperloop-Strecke geben, die die Städte Dubai und Abu Dhabi verbindet. Das ist offensichtlich sehr optimistisch gedacht.

Trotzdem hat Musk schon öfters gezeigt, dass er ambitionierte Projekte auch irgendwann umsetzen kann, schließlich steckt er sowohl hinter Tesla als auch hinter SpaceX. Auch bei den beiden Firmen gab es anfangs harsche Kritik: Die Vorhaben seien viel zu ambitioniert und der Chef der Firma zu exzentrisch. Heute sind elektrisch angetriebene Autos von Tesla auf amerikanischen Straßen keine Seltenheit mehr, SpaceX bringt mehr Satelliten in den Orbit als andere Unternehmen. Gründer von PayPal ist Musk auch noch. Er hat also durchaus Ergebnisse vorzuweisen, ebenso wie Richard Branson, der vor einem Jahr bei Hyperloop einstieg und die Virgin-Unternehmensgruppe betreibt.

Was Hyperloop bedeuten könnte

Für das Projekt Hyperloop gibt es mehrere potentielle Strecken, über die die Entwickler laut nachgedacht haben. Eine Verbindung zwischen Los Angeles und San Francisco ist ebenso darunter wie eine Ringlinie, die die größten deutschen Städte miteinander verbindet und von Hamburg über Köln, Frankfurt, Stuttgart, München, Nürnberg, Leipzig und Berlin in etwa 140 Minuten zurück in Hamburg sein soll. Sollte diese Strecke eines Tages Wirklichkeit sein, würde sie den Verkehr in Deutschland nachhaltig verändern. Flüge zwischen diesen Städten wären praktisch unnötig, auch Auto- oder ICE-Fahrten könnten dadurch ersetzt werden. Da Hyperloop nicht nur Personen, sondern auch Güter transportieren können soll, könnten auch viele LKW-Fahrten ersetzt werden.

Was sind die Hindernisse?

Das Problem an Hyperloop ist nicht die technische Machbarkeit, die ist durchaus gegeben, wobei noch einiges an Entwicklungsarbeit nötig ist, um die geplanten Geschwindigkeiten und Taktraten auch zu erreichen. Problematischer wird es schon bei den Kosten. Tausende von Kilometern von High-Tech-Röhren sind nicht aus der Portokasse zu bezahlen. Elon Musks eigene Berechnungen, nachdem Hyperloop deutlich günstiger als andere Verkehrsmittel sein soll, werden häufig als geschönt kritisiert. Da ist etwas dran, denn Musk argumentiert, Hyperloop könne einfach entlang bestehender Autobahnstrecken gebaut werden, was die Kosten durch Landerwerb für den Bau minimieren würde. Autobahnen führen aber auch gerne einmal durch Tunnel, und in die lässt sich nicht schnell mal eben eine zusätzliche Röhre für Hyperloop setzen. Auch die Lückenhaftigkeit von Musks Konzept wird häufig kritisiert, etwa das Fehlen eines vernünftigen Plans für die Evakuierung von Passagieren bei einem Zwischenfall. Niemand möchte gerne in einer nahezu luftleeren Röhre festsitzen.

Die Kritikpunkte sind allesamt berechtigt – aber nichts, was nicht lösbar wäre. Sicherheitstechnik muss und kann entwickelt werden. Die Kosten für den Bau werden nicht unerheblich sein, der Nutzen aber enorm, denn im Gegensatz zu Flugzeugen und Autos würde Hyperloop emissionsfrei fahren. Solarzellen auf den Röhren könnten zumindest einen guten Teil des benötigten Stroms produzieren, in sonnigen Gegenden vielleicht sogar einen Überschuss.

Mehr als nur eine Idee

Davon, dass Hyperloop mehr als nur die fixe Idee eines Milliardärs ist, kann man sich übrigens in den USA überzeugen: In Nevada, nördlich von Las Vegas, gibt es bereits eine Teststrecke, jährlich treten dort Forscherteams mit ihren selbst entwickelten Pods zu einem Wettbewerb an. Aus bisher drei Wettbewerben ging übrigens ein Team der Technischen Universität München als Sieger hervor. Der Betreiber des Hamburger Hafens verhandelt übrigens bereits über einen Hyperloop zum Transport von Containern.

Artikel vom

von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

Zurück

Bestellhotline:
0800 4411800