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Android One: Endlich ohne Gerümpel

von Christian Zeiser

Die gute Nachricht vorweg: Das im Folgenden beschriebene Problem gehört, wenn man will, der Vergangenheit an.

Bloatware, Blähware, ist ein lästiges Phänomen, mit dem sich viele Besitzer von Android-Smartphones herumschlagen. Gemeint sind damit Apps, die vom Hersteller zusätzlich zum Betriebssystem installiert werden, größtenteils herzlich nutzlos sind und meist nur mühsam oder sogar überhaupt nicht entfernt werden können. Also fressen sie Speicherplatz und andere Ressourcen. Auch erhöhen sich durch Bloatware die Anforderungen an die Hardware. So zahlt man also mehr für ein Smartphone, obwohl man ohne die ungeliebten Apps auch mit der Leistung eines günstigeren Modells zufrieden wäre – oder, andersherum gedacht, man hätte ohne diese Apps einfach ein schnelleres Smartphone zum selben Preis.

Bisher haben sich an Android-Geräten oft sowohl der Hersteller als auch der Mobilfunk-Provider ausgetobt und allerlei unnützes Zeug vorinstalliert. Das können Demoversionen kostenpflichtiger Apps sein oder auch von den Firmen entwickelte Programme, die eh nichts anderes machen als die standardmäßig installierten Android-Apps. Zum Glück gibt es einen neuen Trend, der mit dieser Unsitte Schluss zu machen verspricht.

Android One: Das (fast) unverfälschte OS

Das Prinzip „Android One“ wurde von Google im Jahr 2014 erdacht. Die ursprüngliche Idee war, ballastfreie Android-Smartphones mit recht spartanischer Hardware zu einem günstigen Preis anbieten zu können, und zwar vor allem in wirtschaftlich schwächeren Regionen der Erde, wie Indien und Brasilien. Also legte Google fest, dass Geräte, die unter der Marke „Android One“ angeboten werden, frei von diesen zusätzlich vorinstallierten Apps und anderen Anpassungen des Betriebssystems sein müssen. Oder zumindest weitgehend.

Mit der Zeit stellte sich heraus, dass diese Idee nicht nur in wirtschaftlich schwächeren Regionen funktioniert, und so setzt Android One sich auch bei uns immer mehr durch. Den Anfang machte Ende 2017 das HTC U11 life, mittlerweile gesellen sich immer weitere Modelle hinzu, darunter das Nokia 7 Plus für etwa 350 Euro.

Für nur 300 Euro erhält man neuerdings das Motorola One. Trotz des niedrigen Preises bietet das Gerät eine sehr großzügige Ausstattung und hat sogar Fingerabdrucksensor und Dual-Kamera an Bord. Besonders auffällig war in unserem Test aber, wie geschmeidig das Motorola One seinen Dienst verrichtet. Apps starten deutlich zügiger als auf vielen anderen Smartphones – und das, obwohl die verbaute Hardware zwar anständig, aber nicht Spitzenklasse ist. Die zur Verfügung stehende Rechenpower wird eben für die wirklich gewünschten Aufgaben genutzt, und nicht für zusätzliche Gimmicks. Das merkt man. Wohltuend ist auch, wie aufgeräumt der Homescreen ohne den zusätzlichen Ballast wirkt.

Android One hat gegenüber den angepassten Versionen übrigens noch einen weiteren Vorteil: Updates des Betriebssystems lassen nicht mehr wochen- oder gar monatelang auf sich warten, weil die Hersteller erst wieder ihre eigenen Modifikationen vornehmen. Zwar gelangt auch bei One nicht jedes große Update unverzüglich von Google zum Benutzer, die Wege und Zeiten werden jedoch drastisch kürzer als bisher ausfallen. So gesehen hat Android One gegenüber den bisherigen Versionen nichts als Vorteile.

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von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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