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Lebensmittel online bestellen – eine gute Idee?

von Lena Ingers

Was ist besser: selbst einkaufen oder Lebensmittel online bestellen? Unsere Autorin hat sich einige Wochen lang alle Lebensmittel nach Hause liefern lassen. Dabei lief nicht alles wie geplant.

Um es gleich vorweg zu sagen: Als Großstädterin und eher introvertierte Person, die Menschenmassen im Shoppingwahn nicht ausstehen kann, bin ich eigentlich die ideale Zielgruppe für die Online-Lieferdienste der großen Supermarktketten. Mir gefällt die Idee, nicht mehr für jeden Bonbon durch strategisch platzierte Regalreihen wandern zu müssen oder mich in Kassenschlangen zu langweilen. Außerdem besitze ich kein Auto und mag meine Einkäufe nicht selber schleppen. Doch nach meinem mehrwöchigen Experiment mit verschiedenen Lieferdiensten muss ich einsehen: Lebensmittel online bestellen und sich die Lebensmittel nach Hause liefern lassen ist leider keine Alternative. Zumindest noch nicht. Aber eins nach dem anderen.

So erging es mir mit den verschiedenen Anbietern

Ich starte meinen Test im Online-Shop von Rewe. Der Mindestbestellwert liegt bei 40 Euro. Als Single kaufe ich eher selten so teuer ein. Um trotzdem auf die Summe zu kommen, kloppe ich am Ende noch ein paar Tiefkühlprodukte und Konserven in den Warenkorb. In dem großen Marken-Sortiment von Rewe dauert es eine ganze Weile, bis ich meine Auswahl getroffen habe. Im Supermarkt geht das definitiv flotter. Endlich liegt alles im Warenkorb und ich gehe zur Kasse. Jetzt wird’s kompliziert. Von den etwa 20 Produkten im Warenkorb sind sechs nicht verfügbar. Das Programm schlägt mir Alternativen vor. Na gut, dann nehme ich halt Mandarinen statt Clementinen. Dass mir anstelle des Ingwers aber eingelegte Rote Beete angeboten wird, finde ich doch etwas abwegig. Auch das doppelt so teure Waschmittel sehe ich gar nicht ein. Ich gehe also zurück und shoppe, völlig entnervt, noch einmal. Als Neukunde fallen für meine Bestellung keine Liefergebühren an. Das versöhnt mich ein wenig. Man wählt seinen Lieferzeitraum im zwei Stunden-Takt. Am nächsten Morgen muss ich nur 15 Minuten auf mein Essen warten. Der Fahrer wirkt entspannt (anders als die armen, gehetzten DHL-Boten), ist super freundlich und hilfsbereit. Dass die Einkäufe direkt in meinem Wohnungsflur abgeladen werden, empfinde ich prompt als puren Luxus!

Bringmeister hat den schlauesten Algorithmus

Meinen zweiten Versuch mache ich mit Bringmeister, einen auf Berlin begrenzten Dienst der Supermarktkette Kaiser‘s. Gleich bei der Anmeldung fragt die Webseite Rahmendaten zum Haushalt und meinen Ernährungsgewohnheiten ab. Das soll wohl dabei helfen, mich mit den richtigen Angeboten zu verführen. Ich fühle mich davon aber gestalkt und überspringe die Umfrage. Statt mit kostenloser Lieferung lockt dieser Service mit einem Rabatt auf den ersten Einkauf. Der Mindestbestellwert liegt bei 35 Euro. Mittlerweile habe ich Erfahrung darin, den Warenwert durch Hamsterkäufe in die Höhe zu mogeln. Als ich zur Kasse gehen will, werde ich von einem Pop-up-Fenster aufgehalten. Offenbar hat die Analyse meines Warenkorbs ergeben, dass da etwas Süßes fehlt. Wie wäre es mit ein paar Gummibärchen? Das ist ja wieder typisch Kaiser‘s: Schnell dem Kunden auf dem Weg nach draußen noch Lust auf etwas Süßes machen. Ich aber ziehe nur in Gedanken meinen Hut vor dem Algorithmus und gehe unbeeindruckt weiter. Die Fahrer von Bringmeister sind fast rund um die Uhr unterwegs. Bis um Mitternacht im zwei Stunden-Takt ausgeliefert. Trotzdem sind an einem Donnerstag alle Termine für den Rest der Woche ausgebucht. Dafür kann ich am darauffolgenden Montag bequem an der Tür in Bar oder mit EC-Karte bezahlen.

Lidl lässt mich im Stich

Das bei weitem ernüchternde Erlebnis hatte ich mit dem Lieferservice von Lidl. Aber fangen wir mit den positiven Seiten an: Ich muss mir nicht noch ein Kundenkonto anlegen, sondern kann als Gast bestellen. Mit seinen Discounterpreisen ist Lidl natürlich günstiger als die anderen Anbieter. Die Versandkosten von 4,95 Euro fressen den Vorteil aber wieder auf. Die Produktpalette ist groß. Es gibt auch viele Artikel, die ich in den Märkten noch nie gesehen habe. Allerdings verzichtet Lidl wie so viele Anbieter komplett darauf, frische Produkte wie Obst, Gemüse oder Eier zu verschicken. Beim Blick auf die Lieferbedingungen wird auch klar, warum: Die Bestellung wird als DHL-Paket versandt - „innerhalb von drei Werktagen“. Natürlich verpasse ich die Lieferung und muss mein Paket nun selbst in der nächsten Postfiliale abholen. Ironischerweise liegt diese weiter weg als der nächste Lidl-Markt. In der Filiale dann der nächste Schock: Die Mitarbeiterin lädt das Paket mit einem Sackkarren vor meinen Füßen ab. Es hat gut und gerne die Größe und das Gewicht eines Bierkastens. „Lidl bringt was!“, so behauptet es der Werbeslogan. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Fazit: Sich Lebensmittel liefern lassen bringt‘s im Alltag nicht Es gibt natürlich noch viele viele andere Anbieter, wie zum Beispiel die DHL-Tochter Allyouneedfresh. Mir hat es aber schon nach drei Online-Bestellungen gereicht. Mit all den Konserven und Stapeln von Toilettenpapier fühle ich mich wie ein Prepper, also wie jemand, der sich auf den Weltuntergang vorbereitet. Für einige Zeit habe ich Supermärkte nur noch selten von innen gesehen. Das war schön. Alles in allem war mein Ärger über die aufwändigen Bestellprozesse aber größer. Ich glaube, ich geh ich doch lieber wieder selber einkaufen.

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von Lena Ingers

Ich verbringe viel Zeit mit Büchern, meinen Fahrrädern und Nerdkram. Ich freue
mich auf die Zukunft!
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