Thinkstock

Butlersysteme: Was sie können und was sie kosten

von Franziska Wischmann

Butlersysteme klingen toll. Wer möchte nicht unsichtbare Helfer haben, die lästige Aufgaben abnehmen und wie von Zauberhand Wünsche erfüllen? Was Butlersysteme können, was sie kosten – ein Überblick.

Viele Jahrhunderte lang gehörte er zum guten Ton sehr betuchter Familien: der Butler, Faktotum des Hauses, der sich um alles kümmerte und für jedes Problem eine Lösung parat hatte. In jüngster Zeit nimmt diese Form von Dienstleistung wieder an Fahrt auf. Ein Angebot nicht ohne Nachfrage: Denn offensichtlich steigt in unserer schnelllebigen Zeit das Interesse, sich helfen zu lassen, To-Dos weiter zu delegieren und damit wertvolle Zeit zu gewinnen.

Welche Dienste gibt es?

Sie heißen »Hello Alfred«, »Magic«, »Sixtyone Minutes« oder »My Wichtel« und sind spezielle Internetplattformen, die wie superfähige, persönliche Assistenten funktionieren. Seine Hemden bügeln und den Kühlschrank auffüllen zu lassen, den Hund einem Hundesitting-Dienst anzuvertrauen oder eine Restaurantempfehlung zu bekommen, gehört dabei zu den leichteren Aufgaben. Komplizierter wird es, wenn man beispielsweise seiner Mutter ein ganz persönliches Geschenk zukommen lassen möchte oder für seinen Vortrag auf einer Konferenz in Paris wichtige Unterlagen auf dem Schreibtisch im Büro vergessen hat, die jetzt per Overnight-Kurier hinterher geschickt werden müssen. Wenn man noch Tickets für eine gefragte Abendveranstaltung in einer fremden Stadt ergattern will oder kurzfristig einen Helikopterflug von Vancouver nach Los Angeles braucht. Doch selbst Wunder – so wird einem suggeriert – werden möglich gemacht.

Das kostet Geld

Womit wir beim Thema wären. Butlersysteme dieser Kategorie richten sich an eine kaufkräftige Zielgruppe, die nicht nur abgefahrene Wünsche hat, sondern auch über die pekuniären Mittel verfügt, um dafür locker eine Menge extra hinzuzublättern. »Magic«, der bekannteste Butler-Service aus den USA, nimmt für seine Dienste 100 Dollar pro Stunde, wobei der Dienst aufklärt, dass 10 Minuten Arbeitszeit auch nur mit einem Sechstel des Betrages berechnet werden. Die Kosten für die Ausführungen des Jobs kommen natürlich noch dazu. Bei »Hello Alfred« kann man Pakete kaufen: Einmal pro Woche den Kühlschrank auffüllen und die Wäsche abholen und bringen zu lassen, kostet 32 Dollar, bei zwei Besuchen pro Woche liegt man bei 58 Dollar. Die Serviceleistungen und Einkäufe exklusive. »My Wichtel« funktioniert kostenlos. Der Service lässt sich per SMS oder Whats App kontaktieren und sucht dann laut eigener Aussage die besten Angebote. Wie sich die Preise zusammensetzen, wird nicht ganz klar. In der Summe liegt man offensichtlich jedoch über marktüblichen Tarifen: Einmalig seine Drei-Zimmer-Wohnung reinigen zu lassen, kostet zum Beispiel 48 Euro. Als Zeit werden zwei Stunden veranschlagt. Wer genau wie viel wofür bekommt, bleibt bei diesem Gesamtpreis undurchsichtig. Abgerechnet wird in der Regel via Kreditkarte und PayPal. Was man gewinnt, ist das gute Gefühl, sich um nichts kümmern zu müssen.

Was ist der Haken dabei?

Der Wunsch nach Hilfe und Entlastung ist zwar riesig. Aber bei der Umsetzung hapert es. Einige deutsche Kopien dieser anglo-amerikanischen Services wie »Go Butler« aus Hamburg und das Münchner Start-Up »James Bitte« sind inzwischen wieder vom Markt verschwunden. Warum? Weil der Großteil dieser persönlichen Assistenz-Systeme nur so gut sein kann wie die Serviceleistung echter Menschen, die sich rund um die Uhr zur Verfügung stellen müssen. Das kostet: vor allem Kraft, Nerven und Logistik der Beteiligten. Um 22.00 für eine Party sein Kleid noch bügeln lassen? Das bedeutet, dass jemand mitten in der Nacht vorbeifahren und den Service ausführen muss. Und dies auch noch für kleines Geld. Das ist in einer arbeitstechnisch streng geregelten Servicewüste wie Deutschland schwer umsetzbar. Und wahrscheinlich ist auch keiner bereit, dafür große Summen auf den Tisch zu blättern.

Die kleine Alternative

Das Internet erfindet immer neue Wirtschaftsansätze, die es zum Teil aber auch schon offline seit langer Zeit gibt. Früher hieß das Nachbarschaftshilfe. Heute vergeben spezielle Plattformen Micro-Jobs jeglicher Art in die Crowd. Dazu gehören »Helpling« (Deutschland) oder »Task Rabbit« (USA). Sie vermitteln Arbeitskräfte, die Reinigungsarbeiten, Umzugshilfe oder Reparaturarbeiten durchführen. Das ist praktisch, man zahlt ortsübliche Preise, die aber deutlich unter den Preisen offizieller Handwerksbetriebe liegen. Allerdings muss man auch bei der Umsetzung vielleicht mit Abstrichen rechnen. Im Internet liest man zumindest von manch einer Beschwerde, dass zur verabredeten Zeit keiner aufgetaucht ist und auch die Leistung hinter den Erwartungen zurücklag. Ein anderes Niveau findet man bei »My Hammer«. Dort bündeln sich lizensierte deutsche Handwerksbetriebe, die sich um Online-Anfragen bewerben können. Ob Auftraggeber und Firma zusammenkommen, entscheidet das beste Angebot.

Was es noch für Ansätze auf dem Markt gibt? Schon seit längerem kann man auf Dienste wie Siri von Apple, Google Now und Cortana von Microsoft zurückgreifen, die sich rein auf den Technologieansatz verlassen. Das heißt im Klartext: Dahinter steht eine künstliche Intelligenz, die nach Algorithmen arbeitet, ohne dass sich echte Menschen um Aufgabenfelder und Anfragen kümmern müssen. Ein Assistenzsystem, das zwar helfen kann, aber immer nur so gut ist, wie die Menschen, die es entwickelt haben. Individuelle Probleme lassen sich damit natürlich nicht lösen. Ausgerechnet aus dem Hause Facebook kommt die neueste Entwicklung: M heißt der neue Butler-Dienst, und James Bond Fans werden sich erinnert fühlen an die fähige Judy Dench, die 007 gut im Griff hatte. M soll eine Kombination sein aus künstlicher Intelligenz und echten Menschen. Bis das neue Assistenzsystem von Facebook in Europa zur Verfügung steht, wird es alledings noch dauern. Zunächst wird M in Kalifornien getestet.

Fazit: Der Wunsch, in Form eines Butler-Dienstes lästige To-Dos loszuwerden und Zeit zu gewinnen, ist groß. Doch wirklich fähige Assistenten, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen, kosten Geld. Klar, dass sich das nur eine zahlungskräftige Klientel leisten kann. Für deutsche Butler-Dienste bedeutet das: Es scheint schwer zu sein, sich damit über Wasser zu halten.

 

Artikel vom

von Franziska Wischmann

Franziska Wischmann, Redakteurin mit den Schwerpunkten Wissenschaft und Forschung,
hat mit dem Heranwachsen ihrer Kinder für sich ein spannendes neues Feld entdeckt:
Technik, Gadgets, Apps für jede Lebenslage.

Zurück

Bestellhotline:
0800 4411800