Kinga Cichewicz/Unsplash

ASMR-Community: Mit Haarbürsten in den Tiefschlaf

Ein alter Trend in neuem Gewand: Einschlafhilfen mittels natürlicher Geräusche nehmen immer weiter an Fahrt auf. Unter dem Stichwort ASMR sind bereits Millionen Videos im Netz zu finden. Und täglich kommen neue dazu.

Wer hinter die Kulissen schaut, entdeckt eine Erfahrung, die keinesfalls neu ist: Früher haben wir Babys und Kleinkindern mit flüsternder Stimme Geschichten vorgelesen, wenn sie nicht schlafen konnten. Oder wir haben sie ins Auto gepackt und sind mit ihnen um den Block gejuckelt. Mit dem Brummen des Motors und leicht schaukelnden Bewegungen dämmerten sie ins Nirwana – oft in Sekundenschnelle.

ASMR: autonome Sinnesreizung

Inzwischen hat das Phänomen einen Namen bekommen: ASMR heißt es und es wird im Internet als DIE Entspannungsstrategie schlechthin gefeiert. Die Abkürzung steht für die wissenschaftlich klingende Bezeichnung Autonomous Sensory Meridian Response. Wörtlich übersetzt lautet das „autonome, sensorische Meridianantwort“ und lässt manchen Wissenschaftler daran zweifeln, ob es sich um etwas so Außergewöhnliches handelt, dass von einem neuen Phänomen die Rede sein kann. Medizinisch ist die Aussage jedenfalls relativ banal: An jedem Reiz sind die Sinne beteiligt und praktisch alles passiert autonom.

Wohliges Kribbeln

Aber ob nun therapeutisch relevant oder nicht: Menschen, die dafür empfänglich sind, beschreiben das Gefühl als eine Art Kribbeln, das sich von der Kopfhaut über Nacken und Wirbelsäule ausbreitet und zu einem tiefen Entspannungszustand führt. Neu ist vielleicht nur, dass die einschläfernden Trigger bei Erwachsenen gut zu funktionieren scheinen. Im Zeitalter weit verbreiteter Schlafstörungen und allgemeiner Berührungsarmut feiern die Anhänger der ASMR-Bewegung das Gefühl, durch akustische, visuelle und taktile Sinnesreize berührt und beruhigt zu werden. Sogar von der entspannenden Wirkung bei Panikattacken ist die Rede.

ASMR: Hauptsache monoton und repetitiv

Wie das konkret aussieht? Das Netz ist voller YouTuber (ein Großteil ist weiblich), die mit laszivem Augenaufschlag und weichem, warmem Flüsterton beruhigend auf einen einreden. Das kann im ersten Augenblick mitunter sexuelle Assoziationen wecken, beabsichtigt ist das aber auf keinen Fall, da ist sich die Szene einig. Offensichtlich braucht es diese gewisse liebevolle, intime Atmosphäre, damit wir uns entspannen können. Mitunter wird ASMR als Kopf-Orgasmus oder Gehirnmassage bezeichnet, die Handlungen führen jedoch in eine deutlich andere Richtung: statt zu stimulieren, wirken sie einschläfernd. Und so sieht man Fingernägel, die auf einem Plastikdeckel herumtrommeln oder Fingerkuppen, die sanft über die Borsten einer Bürste streicheln. Mancher ASMR-Coach simuliert auch einen Friseurbesuch mitsamt einer Kopfmassage, während er in seiner Sprache leise vor sich hin spricht. Verstehen muss man ihn dabei nicht, hier geht es nicht um Inhalte, sondern nur um die Wirkung. Und die muss möglichst inhaltsarm, monoton und repetitiv sein.

Tingels – mikrokleine Schauer

Ich probiere es aus und finde es frappierend. Ein tiefes Entspannungsgefühl überflutet mich, träge schließe ich die Augen und nehme den leisen Trommelwirbel auf Plastik plötzlich als Regentropfen an einer Fensterscheibe wahr. Ich sehe Menschen in hochempfindliche Mikrofone hauchen, welche selbst leisestes Atmen, Finger- oder Lippenbewegungen übertragen. Und ich erfahre: Diese leisen Geräusche sind wichtiger Bestandteil im Gesamtkonzert. Erst das Zusammenspiel von Klängen und visuellen Reizen lässt ein Gefühl entstehen, das in der Szene als Tingles bekannt ist. Effekte wie mikrokleine Schauer, die aber nichts mit der bekannten Gänsehaut zu tun haben.

Die Effekte können sich abnutzen

Wie mir geht es offenbar Millionen Menschen. Die ASMR-Bewegung boomt, sie gehört zu den erfolgreichsten Communitys im Netz. Das hat offensichtlich auch die Werbeindustrie erkannt und so werden ASMR-Follower von großen Unternehmen bezirzt, die sich der Mechanismen in Werbespots bedienen. IKEA wirbt zum Beispiel mit dem leisen Geraschel von Bettwäsche, die im Flüsterton angepriesen wird. Für das Expedit-Regal, die offene Variante mit Stoffkästen, lässt das schwedische Möbelhaus Fingerkuppen über das Material fahren, alles unterlegt mit einem einschmeichelnden Flüsterton.Spätestens da fängt das Phänomen an zu nerven. Zu viel davon kann sowieso niemand ertragen. Überhaupt soll sich der Effekt abnutzen, wenn man sich zu häufig damit einzuschläfern versucht. Also lieber in homöopathischen Dosen genießen!

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Artikel vom

von Franziska Wischmann

Franziska Wischmann, Redakteurin mit den Schwerpunkten Wissenschaft und Forschung,
hat mit dem Heranwachsen ihrer Kinder für sich ein spannendes neues Feld entdeckt:
Technik, Gadgets, Apps für jede Lebenslage.

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