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Personalized Food: Schlank und fit dank Gentechnik

In der Genforschung beschäftigt man sich intensiv mit den Zusammenhängen zwischen Genen, Nahrung und unserer Gesundheit. Gibt es bereits eine seriöse DNA-Diät für Jedermann? Smart Living hat recherchiert.

Warum nehmen manche Menschen schon beim Blick auf einen Hamburger zu, während ein anderer Teil der Bevölkerung schlemmen kann und immer schlank bleibt? Was sorgt dafür, dass innerhalb einer Familie der eine Bruder auf salzreiche Kost mit Bluthochdruck reagiert und der andere nicht? Warum wirkt Koffein nicht bei allen Menschen als Wachmacher?

Wie wir Nahrung verwerten, liegt in unseren Genen

Nach Antworten auf diese und weitere Fragen suchen Nutrigenomiker in den molekularen Strukturen unserer Erbanlagen. Und sie werden fündig: Heute weiß man, wie gut ein Mensch Nährstoffe verwertet, wird zu einem großen Anteil von unseren Genen beeinflusst. So entdeckte man, dass die von uns aufgenommenen Nährstoffe die Genexpression, also die Umsetzung genetischer Information in Bausteine für den Körper, beeinflussen können. Ein gutes Beispiel in diesem Zusammenhang ist die Laktoseintoleranz. Menschen, die darunter leiden, sind nicht in der Lage Milchzucker zu verdauen. Der Grund: Das Gen für das Enzym „Laktase“ ist ausgeschaltet, der Verdauungstrakt produziert es nicht. Auf den Verzehr von Milch und unfermentierten Milchprodukten reagieren Laktoseintolerante mit Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Erbrechen. Die evolutionsbiologische Erklärung für das Phänomen: Vor rund 7500 Jahren gab es bei den Viehzüchtern in Mitteleuropa eine Genmutation, die Milch auch für Erwachsene verwertbar machte. In anderen Ländern kam diese Veränderung aufgrund einer anderen Lebensweise nicht vor, deshalb gibt es viele Regionen auf der Weltkarte, in denen kein Erwachsener Milch verträgt.

Es gibt noch viele weitere Beispiele, die pauschale Ernährungsempfehlungen ins Wanken bringen. So weiß man heute, dass nur jeder dritte Mensch sensibel auf Salz reagiert und das Gewürz meiden sollte, um gesund zu bleiben. Die restliche Bevölkerung hat diese Genvariante nicht und muss den Salzstreuer nicht vom Tisch verbannen. Ähnliche Erkenntnisse gibt es für die Stoffwechselreaktion auf Kaffee, Butter oder Alkohol. Letzterer gilt in kleinen Mengen durchaus als gesund, denn das Glas Wein führt zur Erhöhung des HDL-Wertes und senkt so das Herzinfarktrisiko. Jeder zehnte Nordeuropäer trägt aber eine Genvariante in sich, die dafür sorgt, dass schon kleine Mengen Alkohol stattdessen das gefährliche LDL erhöhen.

Mit dem Wattestäbchen zum Idealgewicht

Die bessere Analysetechnik macht es heute schon möglich, Veranlagungen durch gentechnische Untersuchungen in wenigen Tagen zu entschlüsseln und entsprechende Speisepläne anzubieten. Ein Paradebeispiel für dieses Konzept ist das amerikanischen Unternehmen Habit. Habit wertet in seinem Labor Abstriche der Mundschleimhaut und Blutproben ihrer Kunden aus und erstellt auf dieser Basis eine maßgeschneiderte DNA-Diät. Damit die Umsetzung der neuen Ernährung der Kundschaft leicht fällt, kann man diese als Fertiggerichte im Habit-Online-Shop bestellen. Die Mahlzeiten werden dann direkt zum Kunden nach Hause geliefert. Ernährungscoachings, Internetforen und Co sollen den Weg zu mehr Gesundheit, Fitness und einer besseren Figur erleichtern. Die DNA-Diät ist nicht ganz günstig und hat einen entscheidenden Nachteil: Gemeinsames Kochen oder Besuch eines Restaurants ist kaum möglich, wenn man sich an den Speiseplan halten will.

Neue Gadgets für eine individuelle und genussvolle Ernährung

Experten sind sich dennoch einig, dass personalisierte Ernährungsempfehlungen mit den entsprechenden technischen Gadgets den Gesundheitszustand optimieren und auf lange Sicht Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes Typ 1, Arteriosklerose, Krebs oder Übergewicht verhindern können. In der Praxis könnte dies so aussehen: Ein Patient erfährt aus der Genanalyse, dass er eine Veranlagung zu Arteriosklerose hat und bekommt eine Beratung, worauf er beim Einkauf und bei seiner Ernährung achten soll. Er meidet von nun an zum Beispiel Transfettsäuren oder Zucker und verzehrt stattdessen täglich Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren und vielen Ballaststoffen und senkt so seine Blutfettwerte enorm. Was es dafür bräuchte, sind technische Gadgets zur Unterstützung der Verbraucher. Ein modernes Hilfsmittel für den gesunden Einkauf ist die App Code Check. Via Barcode Scanner können Lebensmittel direkt im Supermarkt auf den Gehalt an Kalorien, Fett, Kohlenhydraten und anderen Inhaltsstoffen geprüft und entsprechend ausgewählt werden. Auch die manuelle Eingabe bestimmter Lebensmittel zum Beispiel in der Obst- und Gemüseabteilung ist möglich. Hinter der kostenlos für I-Phone und Android nutzbaren App Code Check stehen Umweltkenner wie Greenpeace, Ökotest, WWF und BUND, Food Standard Agency und verschiedene Verbraucher- und Konsumentenschutz-Initiativen.

Ein weiteres Beispiel für eine gute technische Unterstützung bei einer personalisierten Diät ist die mehrfach ausgezeichnete App Histamin, Fructose & Co. Sie bietet Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien genaue Angaben zu Histamin, Kohlenhydraten, Allergenen und mehr von über 900 Lebensmitteln und unterstützt so auf unkomplizierte Weise bei der Lebensmittelauswahl – auch im Restaurant.

Hilfe für ernährungsbedingte Erkrankungen

Solche Apps machen den Umgang mit ernährungsbedingten Erkrankungen leichter und können eine Hilfe im Kampf gegen das Übergewicht sein. Bis es jedoch individualisierte Speisepläne auf Gentestbasis zur Prävention für jeden Verbraucher oder gar auf „Rezept“ gibt, haben die Nutrigenomiker noch weiteren Forschungsbedarf. Viele Erbgutreaktionen sind noch nicht final erschlossen und auch in Sachen Wechselwirkung zwischen Lebensmittelinhaltsstoffen ist noch vieles offen. Auch sehen Experten beim Umgang mit den Daten erhebliche Probleme. Sollen Erkenntnisse zum Krebs- oder Demenzrisiko vom Hausarzt verwahrt und gezielt zur Präventionsberatung genutzt werden oder bekommt sie der Patient? Letzteres könnte weitreichende Folgen haben. Bis diese Fragen und Zweifel geklärt sind, sollte jeder, der Interesse an einer individuellen Diät hat, im ersten Schritt einfach mal einen zertifizierten Ernährungsberater aufsuchen.

Artikel vom

von Inga Paulsen

Die Ökotrophologin und leidenschaftliche Köchin ist auch neuen Technik-Trends nicht abgeneigt. Ihr Motto: Je einfacher, desto besser.

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