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Digital Detox: Abspecken fürs Smartphone

von Christian Zeiser

Zu viel Smartphone ist auch nicht gut: So verpassen Sie Ihrer Handy-Nutzung eine Schlankheitskur.

Wenn wir wach sind, so hat eine Studie ergeben, greifen wir im Schnitt alle 18 Minuten zum Smartphone. Jugendliche tun dies sogar noch öfter. Auch dazu, was übermäßige Nutzung mit uns macht, gibt es Untersuchungen: Wir gehen weniger aus, sehen unsere Freunde seltener und sind sogar anfälliger für Depressionen. Nun sind Smartphones zweifellos sehr nützliche Geräte. Sie können uns unmittelbar wichtige Informationen zukommen lassen. Nur greifen die meisten von uns viel zu häufig zu ihnen, nur, um meist vollkommen unwichtigen Kram zu erfahren. Das liegt daran, dass die Hersteller von Apps versuchen, uns immer wieder zu ihrem Produkt zu locken, egal, wie banal die dort wartende Information ist. Der Schlüssel zur gesunden Smartphone-Nutzung liegt also darin, es nicht zu übertreiben. Dafür gibt es mittlerweile einen Begriff: Digital Detox.

Detoxen, aber richtig

Nun ist Digital Detox schon eine Art Hype geworden. Sieht man sich an, wie manch so genannte Influencer ihre Digital-Detox-Erfahrungen beschreiben, merkt man schnell, wieviel Humbug über das Thema erzählt wird. Ganz großartig sei die Erfahrung gewesen, schreibt eine bekannte Instagrammerin, tagelang ohne soziale Medien auszukommen, nur um dann zuzugeben, dass sie anschließend sofort wieder zu häufig am Smartphone hing. Und das dazugehörige Foto vom Detox-Tag ist sicher auch nicht mit einer alten Polaroid-Kamera entstanden. Es kann nicht darum gehen, uns tagelang von dem üblichen Strom an Informationen komplett auszuklinken. Zu groß ist anschließend nur der Druck, das Versäumte nachzuholen. Sinnvoller ist es, die eigenen Gewohnheiten zu überdenken und wenn möglich zu verändern. Das ist einfacher, als es klingt.

Schritt 1: Nutzung analysieren

Oft ist uns gar nicht bewusst, wie oft wir zum Smartphone greifen. Allerdings sollten wir uns dies durchaus einmal vor Augen führen. Auf iPhones mit aktuellem iOS gibt es dafür die Systemeinstellung Bildschirmzeit. Die schlüsselt auf, wieviel Zeit man täglich damit verbringt, auf das Display zu gucken, und welche Apps man dabei am häufigsten benutzt. Außerdem lassen sich hier Zeitlimits für einzelne Apps festlegen. Ebenso verrät Bildschirmzeit, wie häufig man pro Tag das Smartphone aktiviert. Für Android gibt es ähnliche Analyse-Apps, etwa Menthal. Deren Ergebnisse können durchaus verblüffend bis erschreckend sein.

Schritt 2: Apps löschen

Mit der Zeit wird das Display eines Smartphones immer voller. Immer wieder einmal kommt eine neue App hinzu. Irgendwann hat man drei Fitness-Tracker, fünf Kamera-Apps, von den ganzen sozialen Medien und Messenger-Apps ganz zu schweigen. Mal ehrlich: Das braucht kein Mensch. Zumal viele dieser Apps uns ständig wegen irgendwelcher Belanglosigkeiten benachrichtigen. Sobald man von drei verschiedenen dafür gelobt wird, dass man heute schon 30 Minuten lang aktiv war, sollte man sich einmal ansehen, was man wirklich benötigt. Eine Kamera-App reicht, ein Aktivitäts-Tracker ebenso, und meist auch ein Messenger. Wer weniger Apps installiert hat, ist auch seltener versucht, sie zu checken.

Schritt 3: Benachrichtigungen abstellen

Unsere Smartphones melden sich bei uns häufiger mit Neuigkeiten, als es nötig wäre. Schuld daran sind vor allem Push-Benachrichtigungen. Wir müssen es nicht jedesmal wissen, wenn ein Freund über Swarm bei einem Imbiss eincheckt oder Rihanna einen Tweet absetzt. Es reicht völlig aus, wenn wir uns diese Neuigkeiten drei- oder viermal am Tag gesammelt ansehen, die meisten davon sind eh kaum interessant: Google Fotos möchte, dass man sich ansieht, was man heute vor fünf Jahren gemacht hat, die Koch-App schlägt neue Rezepte vor, die App der „Zeit“ schickt einen Lesetipp. . Push-Nachrichten führen dazu, dass wir wesentlich häufiger zum Smartphone greifen, als gut für uns ist. Zum Glück gibt es in den Einstellungen des Smartphones die Möglichkeit, festzulegen, welche Apps solche Nachrichten senden dürfen. Es lohnt sich, die einmal durchzugehen und nur die wichtigsten Apps zuzulassen, also etwa den Messenger, den Kalender und die Warnwetter-App. Swarm, Facebook, Twitter und viele andere können gerne warten. Das gilt auch für die E-Mail-App: Wer etwas sehr Dringendes mitzuteilen hat, tut das nicht per Mail. Also kann auch hier die Benachrichtigung deaktiviert werden, ohne dass deshalb etwas Schlimmes passiert. Die einzige Folge wird sein, dass wir deutlich entspannter mit dem Smartphone umgehen als bisher.

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von Christian Zeiser

Der selbstständige Journalist beschäftigt sich seit 15 Jahren mit smarter Technik.
Angefangen hat alles mit dem Thema "3 Megapixel: Digitalkameras werden erwachsen".
Heute verfolgt er interessiert die Entwicklung des Internet der Dinge.

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