Casio WSD-F10 - Eine smarte Outdoor-Uhr

von Rob Vegas

Lange Zeit versuchte Casio selbst eine Lösung beim Betriebssytem für smarte Uhren zu finden. Nun kommt die erste Smartwatch von Casio mit Android Wear von Google auf den Markt. Nur ist hier wirklich nur Google drin?

Schon als Kind war ich ein riesiger Fan von meiner Casio mit Taschenrechner. Später kamen dann die G-SHOCK Uhren auf den Markt und auf einmal war es ein weltweiter Trend. Mittlerweile sind wir im smarten Zeitalter angelangt und hier ist Casio bislang kein großer Player im Markt gewesen. Viele Menschen wissen wahrscheinlich nicht einmal, dass Casio die G-SHOCK Uhren vor einiger Zeit auch mit einem Bluetooth-Modul ausgerüstet hat. So konnte man schon für ca. 100 Euro eine smarte Uhr erhalten, welche ein paar Informationen mit dem Smartphone ausgetauscht hat. Ein bahnbrechender Erfolg war es nicht, denn Casio verzichtete auf bunte Displays und ein eigenes Betriebssystem. Ich persönlich fand den Ansatz von Casio immer spannend, weil bis zum heutigen Tag der Begriff Smartwatch noch nicht klar definiert ist. Welche Funktionen wollen wir Uhrenträger eigentlich bei einer smarten Uhr? Wie oft wollen wir sie laden müssen? Muss eine Smartwatch ein eigner Computer sein? Casio schickt mit der WSD-F10 eine Art Testballon in den Markt. Dabei spricht man mit dieser Uhr ganz bewusst nicht die Masse an.

Eine smarte G-SHOCK

Auf den ersten Blick ist die Casio WSD-F10 ein echter Brummer. Ich wurde von etlichen Freunden und Bekannten auf diese vergleichsweise dicke Uhr angesprochen. Sie sei zu groß, zu klotzig und keine tragbare Smartwatch. Dabei gehen diese Kommentatoren allesamt von einer falschen Voraussetzung aus. Die WSD-F10 ist keine Smartwatch für den Alltag. Sie ist nicht für Jogger und Hipster gedacht. Sie richtet sich ganz klar an die Outdoor-Fraktion. Zwar werkelt unter der Haube Android Wear von Google und macht sie damit vergleichbar mit anderen Produkten von Apple und Samsung, doch die Casio ist überhaupt nicht als Lifestyle Objekt angelegt. Diese Uhr ist für die Wildnis gemacht. Sie ist nicht umsonst konform mit dem MIL-STD-810G Militärstandard und wasserdicht bis zu 50 Metern. Zwar verfügt sie über die bekannten Android Wear Funktionen und koppelt sich via Bluetooth mit dem eigenen Smartphone, doch der Schwerpunkt dieser smarten Uhr liegt ganz klar auf der verbauten Sensorik und den zusätzlichen Apps von Casio. Die Uhr beinhaltet nicht nur einen Kompass, sondern auch einen Gezeitenmesser, ein Höhenmeter inklusive Höhenverlauf, Sonnenstandsanzeige und Aktitvitätsanzeige. Sogar ein Barometer wurde verbaut und diese Uhr muss nicht jeden Abend am Bett neu mit Energie versorgt werden.

Akkuwunder dank zweitem Display

Die Ingenieure von Casio haben nicht einfach nur Googles mobiles Betriebssystem in eine eigene Uhr verbaut, sondern nutzen die Software als Basis für ein eigenständiges Produkt. Keine smarte Uhr am Markt ist vergleichbar mit der WSD-F10, weil Casio hier wirklich einen ganz eigenen Weg geht. In Verbindung mit der hauseigenen Actioncam kann man das Farbdisplay sogar als Sucher für die Kamera verwenden. Man bietet diese Uhr nicht überall und bei amazon an, sondern richtet sich auch im Marketing sehr gezielt an Angler, Bergsteiger und Radfahrer. Vor allem bietet Casio bei den Ziffernblättern sogar ein G-Shock Design an. Da musste ich dann wirklich schmunzeln. Doch gerade bei Display hat sich Casio einen Trick ausgedacht, um Energie einzusparen. Es gibt nämlich noch ein zweites Display über dem eigentlichen Touchscreen, welches monochrom arbeitet. So können Uhrzeit und wichtige Infos in diesem Display angezeigt werden und man spart wieder Energie. Eine sehr clevere Idee bei der smarten Outdoor-Uhr.

ACTIVITY und MOMENT SETTER

Casio liefert bei der WSD-F10 eine ganze Reihe an zusätzlicher Software für die Uhr mit, welche den Funktionsumfang von Android drastisch erweitert. Erst durch die Apps und Sensoren für die Smartwatch zur echten Outdoor-Uhr. So liefert Activity sofort Benachrichtigungen bei Änderungen von Umweltbedingungen auf den Schirm, welcher leider im Alltag nicht immer ganz so gut ablesbar ist. Das Problem haben die meisten Smartwatches gemein. Moment Setter erinnert und informiert dabei über gute Möglichkeiten für Pausen, weist auf gute Gelegenheiten zum Fischen hin und nutzt dazu ebenfalls die verbaute Sensorik in Verbindung mit der Software. Das wirkt alles extrem durchdacht und rund. Vor allem aber hat man echte Knöpfe verbaut und auch das Ladekabel muss nirgendwo eingesteckt werden, sondern flippt fast von allein an die Uhr. Je länger ich diese Uhr am Handgelenk hatte, umso bewusster wurden mir erst diese ganzen Details. Auf dem Papier ist sie eine Smartwatch von Casio mit Betriebssystem von Google. Doch sie hat nicht nur eine eigene Tool-Taste, sondern erscheint mir immer mehr selbst wie ein smartes Tool. Eine Art Schweizer Taschenmesser der Neuzeit, welches die Umgebungsbedingungen überwacht, analysiert und den Träger in Echtzeit informiert.

Wer braucht Android?

Am Ende gefielen mir die Apps von Casio besser als das eigentliche Betriebssystem vom Google. Es wirkt fast komisch eine Benachrichtigung über eine Mail auf dieser Outdoor-Uhr zu lesen. Mitunter ist Android Wear auch noch in den Kinderschuhen und viele Menüs muss man lange suchen und gewöhnt sich nur schwer daran. Vielleicht sollte Casio sich auf Dauer doch noch an ein eigenes Betriebssystem wagen. Allerdings können mit Android Wear unter der Haube auch Dienste und Apps wie Runkeeper und ViewRanger angesteuert werden. Es ist daher wohl ein guter Kompromiss aus beiden Welten, welcher sich in der Casio WSD-F10 vereint. Diese Uhr ist nicht für die Innenstadt von Berlin gedacht. Sie passt auch nicht unbedingt zu einem Smoking. Diese Uhr will an die frische Luft und benutzt werden. Genau hier fühlt sich die Casio WSD-F10 wohl. Wahrscheinlich hat sie deshalb auch keinen fetzigen Namen, sondern hört auf eine einfache Typenbezeichnung. Das passt zu ihr, weil sie gar keine gewöhnliche Smartwatch sein will. Sie ist die smarte Outdoor-Uhr.


Hausfrauen, Anzugträger und Jugendliche lassen lieber die Finger von dieser Uhr. Naturburschen und Anglerinnen könnten sich dagegen schnell in die WSD-F10 vergucken. 500 Euro sollte man allerdings übrig haben.


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von Rob Vegas

Seit 2003 im Netz unterwegs. Blogger, Digital Native, falscher Harald Schmidt
auf Twitter und neuerdings Papa mit Vorliebe für Gadgets.
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