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Wie unser Bad der Zukunft aussieht

vonAnnette Franklin-Stokes

Smart Living sprach mit dem Badexperten Matthias Voit über das Bad der Zukunft, „Connected Comfort“, Energieersparnis durch „Smart Water“ und die neuen Lichtduschen.

Kaum einer kennt die Trends besser als Matthias Voit von der deutschen Armaturenmarke Dornbracht. Seit 30 Jahren beschäftigt er sich beruflich mit dem Thema Badezimmer und ist bei Dornbracht für den Bereich „Luxury“ zuständig. Smart Living sprach mit ihm über Regenduschen mit Lichtwechsel, smarte Elektronik, den Trend zu „Healthness“, und darüber, warum Deutsche keine Bidets mögen.

Herr Voit, das Bad ist ein Ort, an dem man immer die gleichen Tätigkeiten verrichtet... wie verändert sich die Nutzung beim Bad der Zukunft?

Die Funktionen, die ein Bad erfüllt, verändern sich nicht. Das Bad als Ort der Reinigung, das wird ewig bleiben, und die Rituale, die man dort verrichtet, werden weiter bestehen. Bewegung gibt es in Sachen Individualisierung, Komfort und Luxus – darin, wie dieser Lebensraum kultiviert wird. Wir müssen da ganz klar unterscheiden, und erleben da natürlich gerade eine Schere: Im Mietwohnungsbau hat sich die Ausstattung der Bäder seit Jahrzehnten nicht verändert, während in Eigentumswohnungen und Eigenheimen die Lösungen immer luxuriöser und individueller werden. Dort ist das Bad übrigens neben der Küche der zweitteuerste Raum im Haus, da finden die Trends statt... und da investieren die Menschen neben der Küche das meiste Geld.

Welche Bedürfnisse des Menschen erfüllt das Bad der Zukunft, die das Bad von heute nicht erfüllt?

Der Wunsch nach Rückzug und Intimität, die ein Badezimmer ja als einer der wenigen Räume in einem Haus, einer Wohnung bietet, wird in Zukunft noch wichtiger. Das Bad als Refugium ist ein gesellschaftlicher Trend... wobei gleichzeitig viele Menschen ihre Smartphones und Tablets mit ins Bad nehmen... das ist natürlich eine persönliche Entscheidung.


Wie hat Technologie unsere Bäder bereits verändert? Und was haben wir da noch zu erwarten?

Wir arbeiten schon seit Jahren daran, die Möglichkeiten der Digitalisierung auch im Lebensraum Bad zu nutzen. Nehmen Sie unsere Luxusdusche „Sensory Sky“: Mit ihr wird profanes Duschen dank smarter Technologie zu einem einzigartigen Erlebnis, das alle Sinne berührt. Das ist schon irre: Verschiedene Regenarten, Nebel, Lichter und Düfte ergänzen sich zu einzigartigen Choreografien... das ist, wie in der Natur zu sein... Gewitter, Sommerregen. Dazu dann noch die Kopf- und Körperbrause oder dieser vitalisierende Frischekick auf Knopfdruck mit Kaltwassernebel. Die Steuerung des „Sensory Sky“ erfolgt intuitiv und bequem über digitale Smart Tools. Jeder kann sein individuelles vorprogrammiertes Natur-Erlebnis speichern, ein Tastendruck genügt und der gewünschte Ablauf beginnt. Außerdem haben wir darin neueste innovative Lichttechnik verbaut, die beim Duschen einen Lichtwechsel ermöglicht.

„EIN BADEZIMMER IST KEIN SPACE SHUTTLE“

Wo machen Ihrer Meinung nach mobile Anwendungen und Interfaces Sinn und wo nicht?

Elektronik kann viel, aber ein Badezimmer ist kein Space Shuttle. Keiner hat Lust, tausend Schalter im Bad zu bedienen. Luxus-Elektronik muss diskret sein. Intelligent ist das, was man heutzutage unter „Connected Comfort“ versteht: Elektronik da, wo sie Sinn macht, zur individuellen Regulierung von Wassermengen oder Lichtverhältnissen zum Beispiel. Diese ganze Sache mit Interfaces und Touchscreens, die in Wand-Paneele oder Fliesen eingelassen werden... das wurde vor ein paar Jahren wahnsinnig gehyped, ist aber letztlich Kokolores: Die Menschen wollen leicht zu bedienende und sinnvolle Elektronik.

Wo wird sich Elektronik im Bad durchsetzen?

Wir fragen uns immer: Wie lassen sich Rituale und Handlungen im Bad durch digital gesteuerte Armaturen optimieren und unterstützen? Nicht die Technik steht bei uns im Vordergrund, sondern das, was durch sie ermöglicht wird. Wir haben zum Beispiel ein Bedienkonzept, das heißt „Smart Water“ und ist da sehr weit vorn, mit Voreinstellungen wie der automatischen Wannenbefüllung oder einer Warm-up-Funktion in der Dusche. So etwas bietet intelligenten Komfort und Mehrwert, und das wird auf jeden Fall mehr kommen.

Was halten Sie für die smarteste Innovation, mit der wir rechnen können?

Smart finde ich Dinge, die unsichtbar und unaufdringlich sind und einen Zweck erfüllen. Viele Innovationen haben wir beim Thema Materialien zu erwarten: selbstreinigende Oberflächen zum Beispiel. Bei unserer Tochterfirma Alape sind alle Oberflächen der Waschbecken schon seit vielen Jahren hydrophob, d.h. wasserabweisend. Da wird sich noch Einiges tun, auch im Bereich antibakterielle Oberflächen.

Einige Zukunftsvisionen fürs Bad prophezeien, dass 3-D-Drucker Badewannen und WCs durch Abdruck individuell an den Körper anpassen sollen...wie realistisch ist das?

Ach, das perfekte ergonomische WC hat doch Luigi Colani schon in den 70ern erfunden. In Wohnungen geht so etwas eh nicht, oder bei Familien, da hat ja jeder eine anderen Körper. Ich fand übrigens schon den Trend des Doppelwaschbeckens überflüssig. Wer will schon so intime Handlungen wie das Zähneputzen verrichten, während jemand danebensteht?

„BADEWANNEN SIND OUT – GENAUSO WIE WHIRLPOOL UND SAUNA“

Man sagt, Badewanne seien out?

Ja, denn mehr und mehr lösen Duschen mit ihrem sinnlichen Erlebnis das Badewannen-Erlebnis ab – sowohl für die Reinigung als auch für die Erholung und den Wohlfühlzweck. Bei unseren Luxus-Duschen „Rain Sky“ und „Sensory Sky“ geht das Duschen weg von der Reinigungsfunktion, hin zu einem Erlebnis, mit individuell einstellbarer Entspannungs- oder Revitalisierungsfunktion.

Was ist noch „out“?

Whirlpools... die will keiner mehr. Genauso wie Pools im Eigenheim – ein Trend, der sich komplett überlebt hat. Und die Badewanne, die mitten im Raum steht – auch das ist ein alter Hut. Stattdessen sehen wir den Trend zu „dedicated rooms“ – Räumen, die einem bestimmten Zweck dienen. Daher auch der Trend zum Spa.


Spa? Was bedeutet das im Eigenheim?

Das heißt, dass Bad und ein Wohlfühlraum, in dem man sich nur verwöhnt und etwas für seine Gesundheit tut, getrennt sind. Früher hatte man eine Sauna im Keller stehen – heute ein Spa. Der Megatrend „Healthness“ beeinflusst unser Leben. Gesundheit und Wohlbefinden sind längst zum wichtigen Element eines sinnerfüllten Alltags geworden. Der Mensch, der viel arbeitet und viel Geld verdient hat, will sich mit einem Spa etwas gönnen: „Jetzt ist Zeit für mich“. Und anstelle eines Spa-Besuchs mit An- und Abreise möchte man doch lieber im Privaten entspannen.

Ihre Prognose für die nächsten 10-50 Jahre?

Früher hieß es immer, dass das Bad größer werden solle, mehr Raum einnehmen müsse. Diesbezüglich haben wir den Zenit, die maximale Größe erreicht. Der entscheidende Trend ist die Trennung der Funktionen. Der Trend geht auf jeden Fall weg von der „eierlegenden Wollmilchsau“, dem Produkt, das alles kann. Vor einigen Jahren sollte eine Dusche alles können: einen waschen, bürsten, schlank massieren, besprühen. Das hat nie richtig geklappt – ähnlich wie bei Waschmaschinen mit integriertem Trockner. Qualität in der Funktion ist das, was zählt. Eine Sache, aber die bitte richtig. Die Leute, die sich mit 50+ ihr Traum-Bad hinstellen, wissen genau um ihre Bedürfnisse, und suchen das spezifische Produkt dazu. Viel wird außerdem im Bereich Health Monitoring und „Healthness“ passieren. Das zeichnet sich bereits heute ab – siehe auch den Trend zu den Apps in diesem Bereich.

Welche Rolle werden die Themen Nachhaltigkeit und Recycling im Bad der Zukunft spielen?

Schon heute geht es auch bei uns darum, den Ressourceneinsatz zu optimieren. Also mit möglichst wenig Wasser einen maximalen Effekt zu erzielen, und nur Materialien einzusetzen, die komplett recycelbar sind. In dem Bereich wird natürlich auch in Zukunft weiter optimiert werden.

Sie beschäftigen sich seit drei Jahrzehnten beruflich mit dem Thema Badezimmer. Welches private oder Badezimmer hat Sie zuletzt begeistert?

Mein eigenes, da ich es nach meinen Wunschvorstellungen eingerichtet habe! Mit warmen Hölzern, im englischen Stil, und der Armatur TARA, einem Dornbracht Klassiker. Und: was ein wirklich wahnsinniges Erlebnis war: mich in einem von Dornbracht ausgestatteten Hotel – wir statten ja viele Luxushotels, Yachten, aber auch zum Beispiel die gesamte Kette „Motel One“ aus – unter die Sensory Sky Dusche zu stellen. Ich hatte mich schon viel mit dem Thema beschäftigt – aber es am eigenen Körper mal zu erleben, das hat mich wirklich umgehauen.

Welche Innovation sollte Ihrer Meinung nach erfunden werden?

Die Zusammenführung von WC und Bidet! Die Hygienefunktion, die ein Bidet bietet... das ist ein Thema, was hierzulande immer noch nicht geknackt wurde. Bidets sind in Frankreich und vielen südeuropäischen Ländern gang und gäbe, jedoch hierzulande noch kein selbstverständlicher Bestandteil des Hygienerituals. Das scheint kulturelle Wurzeln zu haben. Übrigens, was viele vergessen: Das Bad wie wir es kennen, gibt es ja noch gar nicht so lange. Die Demokratisierung des Bades hat ja erst zur Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert stattgefunden, und die Rituale, wie wir sie heute mit einem Badezimmer assoziieren, gibt es so erst seit Ende des Zweiten Weltkrieges!

Wie sieht denn die Tendenz beim Design aus?

Alles wird etwas organischer, sinnlicher. Design ist heute weniger dogmatisch. Nach den eckigen und minimalistischen Designs kommen jetzt auch immer mehr rundere, hybride Formen auf.

Dinge, auf die wir uns beim Bad der Zukunft freuen können?

Mehr Spaß! Sinnliches Erleben ist etwas, das im Bad mehr Einzug halten wird. Durch Lautsprecher zum Beispiel. Oder die individuelle Einstellung von funktionellen oder Stimmungslichtquellen – je nach Benutzer regulierbar. Außerdem wird der Einsatz von Düften immer mehr kommen, und deren belebende und entspannende Wirkung. Heute erlebt man das ja bereits in Hotels und Geschäften, diese unterbewusste Beeinflussung durch Duftwelten. Aroma-Sensorik und sublime Düfte...: Ich denke, wir werden in Zukunft in Luxusbädern so etwas wie elektronisch gesteuerte Duftorgeln vorfinden. Mit individuellen Düften. Letztendlich geht es bei allem immer nur um Energie: Das Bad ist ein Raum, in dem Energie übertragen wird. Und für uns geht es immer um die Optimierung dieser Energie: sie durch individuelle Produkt- und Systemlösungen zu aktivieren und verstärken. Das ist Lebensqualität!

www.dornbracht.de

Artikelvom  06. Juni 2016
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