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Wie sicher sind Smart Home Alarmanlagen?

vonFranziska Wischmann

Einfach und günstig sollen sie sein. Aber wie sicher sind selbst installierte Smart Home Alarmanlagen wirklich? Ein Sicherheitscheck mit vielen guten Tipps.

Ein paar harte Fakten vorweg: Alle vier Minuten wird in Deutschland eingebrochen. Tendenz steigend. Und: Die Aufklärungsquote liegt bei unter 10 Prozent. Meist sind die Täter so schnell verschwunden, wie sie gekommen sind. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass das Bedürfnis steigt, sich davor zu schützen.

Smart Home Steuersysteme, die mit Lichtkoppelung und Alarmsystem für zusätzlichen Schutz sorgen sollen, rücken zunehmend in den Fokus. Auch wenn das verlockend erscheint, die ganz einfache Lösung auf Knopfdruck gibt es nicht. „Smart Home verspricht einfache, bequeme Lösungen. Sicherheit dagegen ist immer mit einem gewissen Aufwand und klaren Regeln verbunden,” verdeutlicht Stefan Meder den Widerspruch. Der kriminalpolizeiliche Berater der Polizei Hamburg präzisiert: „Nicht fachgerecht installiert, kann smarte Sicherheitstechnik neue Einfallstore für potentiellen Missbrauch öffnen.“

Insbesondere die flächendeckende Vernetzung der Haustechnik über einen Zugang und ohne ausreichende Schutzmechanismen – von der Kaffeemaschine, über die Lichtsteuerung bis zum Schließmechanismus von Haustüren und Garagentoren – birgt Gefahren, die vielen Verbrauchern nicht bewusst sind. Auch wenn viele Hersteller inzwischen mit umfangreichen Maßnahmen wie kryptographischen Schlüsseln ihre Apps vor Malware schützen, auf die richtige Bedienung kommt es an. Die sollte man tatsächlich nicht auf die leichte Schulter nehmen. „Man muss sich bewusst machen, dass jedes ans Internet gekoppelte Gerät darüber angreifbar werden kann,” erklärt Stefan Meder. „Verbraucher freuen sich über einfache Bedieneroberflächen und vergessen, dass digitale Signale durch Angriffe Dritter „mitgelesen“ oder manipuliert werden können.” Die gute Nachricht: Man kann sich schützen! Für Smart Living hat Stefan Meder die wichtigsten Sicherheitskriterien auf den Punkt gebracht.

Auf einen gut sichtbaren, mechanischen Einbruchschutz achten!

Grundlage für jedes individuelle Sicherheitskonzept ist auf jeden Fall ein gut sichtbarer mechanischer Einbruchschutz. Bei einer unzureichend gesicherten Tür hilft auch die beste Alarmanlage nichts. Einbrecher geben in der Regel auf, wenn sie nicht innerhalb von 3 bis 5 Minuten eine Wohnungstür oder ein Fenster aufgebrochen haben. Wichtig ist also, ihr Zeitmanagement zu stören. Experten teilen die Sicherheit potentieller Einfallstore in Widerstandsklassen auf, so genannte Resistance Classes (RC). RC2 bedeutet, dass Türen und Fenster einem Manipulationsversuch mindestens 15 Minuten standhalten würden. Gut sind also Mehrfachverriegelungen (etwa durch Querriegelschlösser) und ausreichend starke Bändersicherungen rund um Türen und Fenster sowie eine feste Verankerung der Elemente im Mauerwerk.

Im Zweifel den Fachmann fragen

Die Vorteile „intelligenter“ Hausgeräte liegen auf der Hand. Man spart durch die automatisierten Abläufe Zeit und hat zudem das gute Gefühl, zu Hause alles im Griff zu haben. „Fachgerecht installiert kann die neue Technik tatsächlich eine große Hilfe sein,“ bestätigt Stefan Meder. Was allerdings wichtig ist? „Dass die automatisierten Schaltprozesse durch sicherere Passwörter gut geschützt und immer mit dem neuesten Sicherheitsupdate versehen sind.” Wer sich nicht sicher ist, sollte lieber einen Experten hinzu ziehen, als das Thema allein in die Hand zu nehmen.

Alarmsysteme und Rauchmeldern mit einem Sicherheitsdienst koppeln

Die Sicherheit im Haus lässt sich mittels digital vernetzter Sensoren, die frühzeitig vor Einbruch, Brand und Wasserschäden warnen, erheblich erhöhen. Noch besser wäre es, wenn ein Signal direkt an ein Wachdienstunternehmen oder Polizei und Feuerwehr geleitet würde. Die berechtigte Frage, die man sich stellen muss: „Was bringt mir die Nachricht auf dem Smart Phone, dass sich jemand an meiner Haustür zu schaffen macht, wenn ich selbst kilometerweit entfernt bin?“

Achtung versteckte Kamera

Auch bei der neuen Generation an Smart TVs sollte man ein paar Sicherheitstipps im Auge behalten. Worüber sich kaum einer Gedanken macht? Dass die eingebaute Kamera von außen manipuliert werden und Einblicke in Lebensgewohnheiten geben kann. „Man sollte wissen, mit welchen Diensten man sich vernetzt und wem man welche Daten preisgibt. Jeder Zugriff auf sensible Daten sollte verlässlich mit einer sicheren Authentifizierung geschützt sein,“ sagt Sicherheitsexperte Meder.

Licht an!

Über Apps gesteuerte Lichtquellen sind gut und sinnvoll, weil sie potentielle Beobachter verwirren und An- und Abwesenheit der Bewohner undurchsichtig machen. Auch Radio und Fernsehen sollte man ruhig auf diese Weise steuern.

Gesunden Menschenverstand einschalten

Auch wenn es im Trend liegt: In Zeiten, in denen in erschreckendem Maße Smartphones verloren gehen oder gestohlen werden, stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, diesem Gerät Zugang zu den persönlichsten Räumen zu erlauben. Auch wenn es das Leben einfacher macht.

Weitere Informationen:

www.vds-home.de

www.polizei-beratung.de

www.smarthome-deutschland.de

Artikelvom  14. Januar 2016
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