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Strava - So funktioniert das Sportler-Netzwerk

von Stefan von Gagern

Mit Strava motivieren und vernetzen sich Läufer, Radfahrer und Triathleten über die ganze Welt - und machen praktisch jedes Training zum Rennen.

Eine ungeschriebene Regel unter Hobbysportlern heißt heute: „Wenn es nicht auf Strava gespeichert ist, hat es nicht stattgefunden.“ Egal ob Training oder Wettbewerb: Wer heute Ausdauersport macht, darf beim Start des Trainings auf keinen Fall vergessen, die Smartwatch oder den Garmin-Radcomputer am Lenker zu starten - sonst läuft die Aufzeichung für Strava nicht. Dabei geht es nicht nur darum, Trainingskilometer zu sammeln. Rennradfahrer können mit Strava zum Beispiel jede Trainingsrunde zum Wettbewerb machen.

Die ganze Welt ist heute mit einem Netz aus so genannten Strava-Segmenten überzogen. Das sind Abschnitte auf beliebten Trainingsstrecken, die Sportler selbst anlegen und benennen können. Beim Training geht es darum, andere oder sich selbst zu schlagen. Nach jedem Training gibt es virtuelle Pokale: Für persönliche Bestleistungen und für Rekorde in der Alters- oder Gewichtsklasse (letzteres nur mit dem kostenpflichtigen Premium-Account). Auf Strava finden sich sogar Trainings- und Rennrunden von Profis: So kann der Radsportler nach dem Frühjahrs-Training auf Mallorca seine Zeiten mit den Profis vergleichen - und staunen. Sportler können sich gegenseitig folgen und so alle Trainings aus dem Freundeskreis beobachten, mit so genannten „Kudos“ liken oder die Leistungen kommentieren. So ist der private Trainingsclub virtuell immer dabei, auch wenn man alleine beim 10 Kilometer Lauf oder Halbmarathon antritt. 9,6 Aktivitäten wurden 2016 pro Sekunde auf die Strava Plattform von der globalen Gemeinschaft hochgeladen.

Anfang dank GPS-fähigen Geräten

Strava (ausgesprochen wird es “sträva”) ist schwedisch und steht für “streben”. Strava will helfen, sich zu verbessern - unabhängig von Ziel, Talent und Alter. Alle sollen willkommen sein: Der Laufanfänger, der gerade seine ersten 5 Kilometer geschafft hat, bis zum Profi sollen sich alle in dem weltweiten Sportler-Netzwerk treffen und austauschen können.

Die Grundidee für Strava kam CEO und Mitbegründer Michael Horvath, als er nach der Schulzeit sein Ruderteam verließ. Vorher trainierten die Kameraden für ein paar Wettbewerbe und motivierten sich gegenseitig. Horvath wollte das Gefühl des gegenseitigen Antreibens auch möglich machen, wenn man physisch nicht zusammen war. Es dauerte noch einige Zeit, bis die Technologie ausgereift genug war, um die Idee umzusetzen. Ab 2005 verbreiteten sich GPS-fähige Geräte, wie Nike Plus, später kamen Garmin und andere Hersteller dazu.

Strava startete mit einem kleinen Team von sechs Leuten in San Fransisco und verbreitete sich statt mit großen viralen Effekten à la Twitter eher durch Mund zu Mund-Propaganda unter Sport-Enthusiasten. Heute sind über 30 GPS-fähige Geräte wie Wearables von Fitbit oder Radcomputer von Garmin in der Liste der Strava-kompatiblen Trainingsbegleiter. Auch die Apple Watch Series 2 kam dazu und kann mit dem GPS-Empfänger Leistungsdaten wie Bewegungszeit, Distanz, Geschwindigkeit und Herzfrequenz ohne zusätzliches iOS-Gerät aufzeichnen – übrigens auch im Wasser beim Schwimmen. Durch die kostenlosen Mobile Apps ist es auch für Einsteiger einfach, Aktivitäten aufzuzeichnen und hochzuladen. Jeder der heute ein iOS- oder Android-Smartphone zum Training mitnehmen kann, kann mit Strava beginnen.

Die Strava-App arbeitet dabei erstaunlich genau und erfasst umfangreiche Leistungsdaten wie zum Beispiel auch den geschätzten Kalorienverbrauch oder die Wattzahlen beim Radfahren. Den Einstieg erleichtert nicht nur, dass die App kostenlos ist, die Nutzung von Strava in der Basisversion kostet ebenfalls nichts und dürfte in Sachen Funktionsumfang den meisten völlig ausreichen. Die Premium-Variante ist mit rund 60 Euro im Jahr erschwinglich und schaltet mehr Details bei den Analysen frei. Zudem gibt es noch ein Plus an Spaßfaktor: Der „Suffer Score“ zeigt, wie hart ein Training oder ein Wettbewerb war. Wer hier „Tough“ oder gar „Epic“ schafft, kann sich zu den Hartgesottenen zählen.

Trophäen, Herausforderungen und Zukunft mit Inhalten

Wer Ziele für Langzeitmotiviation sucht, ist bei Strava genau richtig: Jeden Monat gibt es Herausforderungen, bei denen die Mitglieder einfach mitmachen können. Zum Beispiel „Gran Fondo“, bei dem Radfahrer mehr als 100 Kilometer absolvieren müssen. Bei der „Everest Climbing“-Challenge gilt es, per Fahrad die Höhe des berühmtesten aller Berge zu erklimmen. Wer mitmacht, kann sich die virtuelle Trophäe in sein Profil eintragen und vergleichen, wie er im internationalen Vergleich abschneidet. Künftig will Strava nicht nur bei der puren Trainingsaufzeichnung bleiben. Das neue Feature heißt „Posts für Sportler“. Damit sollen Sportler künftig aktivitäts-unabhängige Inhalte wie Fotos, Fragen, Tipps und Tricks anbieten können - also eigentlich alles, was derzeit noch bei der Konkurrenz wie Instagram und Facebook landet. Den Anfang machte Sportlerprominenz mit Inhalten, die breite Masse soll jedoch nachziehen. Ob es Strava auch zur Inhaltsplattform schaffen wird, ist noch offen - bei der Trainingsaufzeichnung steht das Sportler-Netz auf jeden Fall ganz oben auf dem Podium.

Artikel vom   10. Juli 2017
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