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Statt Pokémon Go: Wie Augmented Reality-Apps den Alltag aufpeppen

von Lena Ingers

Pokémon Go kennt jeder. Aber es gibt noch viel mehr Augmented Reality-Apps, die mit einfachen Mitteln viel Freude bereiten.

Mit dem kostenlosen Augmented Reality-Spiel Pokémon Go löste Nintendo im Sommer 2016 einen Hype aus. Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung hatten mehr als 500 Millionen Fans der Pokémon-Serie die App heruntergeladen. Auch Außenstehende ließen sich von dem Spazier-Fieber anstecken. Denn in diesem Spiel dreht sich alles darum, reale Orte aufzusuchen, um dort virtuelle Monster mit dem Handy einzufangen. Bis zum Jahresende legten Pokémon Go-Spieler auf der ganzen Welt insgesamt fast zehn Milliarden Kilometer zu Fuß zurück. Das entspricht etwa 200.000 Erdumrundungen oder der Distanz bis zum Rande unseres Sonnensystems.

Und warum das alles? Erst auf dem Smartphone- oder Tablet-Display erwachen die Pokémonster zum Leben. Deutet man mit der Kamera in die richtige Richtung, sieht man sie auf Mülltonnen, in Hauseingängen, auf Wiesen und Parkbänken sitzen und kann mit ihnen interagieren.

Augmented Reality, also erweiterte Realität, nennt man das Prinzip. Pokémon Go ist nicht das erste Spiel, das es sich zu Eigen macht. Doch spätestens jetzt ist die Technologie im Mainstream angekommen und Unternehmen auf der ganzen Welt springen auf den Zug auf.

Das beliebteste Handyspiel aller Zeiten hat einen großen Bruder

Als Vorläufer von Pokémon Go gilt das Spiel Ingress. Es wurde von derselben Google Tochterfirma entwickelt, die später auch wesentlich an der Entwicklung des Pokémon-Hits beteiligt sein sollte. Niantic Labs brachte Ingress 2012 als Pilotprojekt an den Start. In diesem mysteriösen Science Fiction-Endlosspiel kämpfen zwei Teams, die „Enlightened“ und die „Resistance“ um die Vorherrschaft über so genannte Portale. Dabei handelt es sich meistens um Sehenswürdigkeiten, die im Spiel als funkelnde Säule dargestellt werden.

In Nerdkreisen erlangte das Spiel schnell große Beliebtheit. Die breite Masse der Smartphone-Nutzer hat es aber nie erreicht. Dafür macht sich das Konzept jetzt bei Pokémon Go bezahlt. Schließlich liefern die Spieler wertvolle Bewegungsdaten und lassen sich von den Spielemachern bereitwillig in alle Winkel der Erde locken.

Augmented Reality-Apps bringen Abwechslung in den Alltag

Die neue Outdoorlust der Digital Natives lässt sich erklären: Augmented Reality hat die Macht, jede noch so schnöde Tätigkeit in ein Abenteuer zu verwandeln und langweilige Szenerien aufzupeppen. Das spielt natürlich Eltern in die Hände, wenn die lieben Kleinen mal wieder über Langeweile klagen. Mit dem Lernspiel Dinosaurs Everywhere zum Beispiel erscheinen animierte Dinos an jeder Straßenecke – oder auch im Wartezimmer des Kinderarztes – und lassen sich von allen Seiten betrachten. Auf einen Fingertip erscheinen Tafeln mit Wissenswertem über die Urzeit-Echsen.

Viele Augmented Reality-Apps appelieren an unsere Kreativität und wecken unseren Spieltrieb. So genannte Face Warp-Anwendungen wie MSQRD (gesprochen: Masquerade) animieren Groß und Klein zum kollektiven Grimassen ziehen. Denn auf dem Handydisplay verwandelt sich die eigene Fratze in einen Oger, Tiger, eine Fee oder andere lustige Fantasiegestalten. Der App Snapchat haben solche kreativen Filter zu einer unglaublichen Karriere verholfen. Als das Unternehmen vor kurzem an die Börse ging, rissen sich die Anleger um die Aktie.

Marketing-Strategen reiben sich die Hände

Auch im Einzelhandel schlägt der AR-Hype mittlerweile Wellen. Verschiedene Bekleidungsmarken basteln an virtuellen Umkleidekabinen und unsichtbaren Pop up-Stores. Kamera und Display werden dabei zum virtuellen Spiegel, durch den sich die neue Sonnenbrillen- oder Sneakerskollektion anprobieren lässt. Auch IKEA-Möbel lassen sich inzwischen via Virtual Reality-Simulation in die eigenen vier Wände beamen.

Die Grenzen zwischen physischer und digitaler Realität verwischen immer mehr

In alten Superhelden-Comics darf eines nicht fehlen: der Röntgenblick. Heute trägt fast jeder diese Superkraft gewissermaßen in seiner Hosentasche mit sich herum. Der Wikitude World Browser zum Beispiel zeigt Reisenden, was sich hinter den Fassaden öffentlicher Gebäude verbirgt. Und mit der Sternengucker-App Star Chart durchdringt der Blick jede noch so dicke Wolkendecke. Auch Tageslicht oder Lichtverschmutzung trüben den Ausblick auf den Sternenhimmel nicht. Das ist nicht nur schön, sondern auch sehr lehrreich. Mit der App Star Walk lässt sich das Wissen über das Universum noch weiter vertiefen.

All das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt. Schon heute gibt es eine riesige Auswahl an kreativen Augmented Reality-Anwendungen, die man auf dem Smartphone für wenig Geld oder sogar kostenlos testen kann. So richtig spannend wird es aber, wenn erst einmal die passenden AR-Brillen auf den Markt kommen. Dann hätte man beim Spielen, Sterne gucken und Spazierengehen endlich auch die Hände frei.

Artikel vom   26. Mai 2017
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