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Städte von morgen: Wann kommt der Elektrobus?

von Christian Zeiser

Elektroroller, E-Autos und Pedelecs sind fast schon Normalität in Städten. Doch mit dem Elektrobus tut sich auch etwas im öffentlichen Nahverkehr.

Eine deutsche Großstadt hat besonders mit Luftverschmutzung zu kämpfen: In Stuttgart sorgt allein schon die geographische Lage dafür, dass sich Feinstaub und Stickoxide hartnäckig halten. Über 70 Prozent dieser Schadstoffe werden einer Studie zufolge von Autos produziert. Vor allem Dieselfahrzeuge sind hierbei für die Luftverschmutzung verantwortlich, weshalb Stuttgart ab dem Jahr 2018 an bestimmten Tagen Fahrverbote für ältere, mit Diesel betriebene Autos verhängen will. Busse des öffentlichen Nahverkehrs allerdings fahren allesamt mit Diesel und tragen so zur Luftverschmutzung bei. Deshalb will die Stadt eine neue Linie mit Elektrobussen einführen. Im Fünfminutentakt sollen diese zwischen Bad Cannstatt und der Stuttgarter City pendeln. Ein Modell, auch für andere Städte?

Anderswo geht es schon

Ein Blick nach Köln zeigt: Die sind schon weiter beim Thema Klimaschutz! Seit Dezember 2016 haben die Kölner Verkehrsbetriebe ihre Linie 133 mit Elektrobussen ausgestattet. Bis zu acht batterieangetriebene Gelenkbusse sind täglich im Kölner Stadtbereich im Einsatz und sorgen laut Hochrechnungen dafür, dass künftig satte 520 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden können. Das Klimagas CO2 ist mit Stickoxiden und Feinstaub hauptverantwortlich für Klimawandel und Erderwärmung. Die Kölner Elektrobusflotte stammt übrigens aus den Niederlanden. Für den niederländischen Hersteller VDL, der unter anderem von Siemens den E-Motor und von Akasol die Batterie bekommt, sind die acht Busse der „Serie 0“ die ersten Gelenkbusse mit Batterieantrieb.

Und auch in Münster, Bonn, Hamburg und anderen Städten gibt es vielversprechende Ansätze für einzelne Busse mit rein elektrischem Antrieb. In Hamburg gibt man sich sogar besonders ambitioniert: Ab dem Jahr 2020 sollen nur noch emissionsfreie Busse neu angeschafft werden, sodass ab etwa 2033 die gesamte Flotte ohne Schadstoffausstoß betrieben werden soll.

Im internationalen Vergleich lässt sich beobachten, welches große Potential Elektrobusse haben: Aus China stammt der Hersteller BYD Auto, dessen E-Busse heute den gesamten Vorfeldverkehr auf dem Flughafen Amsterdam Schiphol abwickeln. In London half BYD sogar, einige der bekannten Doppeldeckerbusse auf Strombetrieb umzustellen. Mittlerweile fährt dort mit 51 Fahrzeugen Europas größte E-Flotte.

Die Probleme: Kosten, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit

Was seine Entwicklung zur Zeit noch etwas bremsen könnte, sind die Themen Kosten und Verfügbarkeit. Zum einen kostet ein elektrisch angetriebener Gelenkbus mit 750.000 Euro mehr als das Doppelte eines mit Diesel betriebenen. Diese Mehrkosten könnte eine Großstadt womöglich verkraften. Mitunter zeigen sich aber auch noch »Kinderkrankheiten«: Bei Testprojekten konnten einige Fahrten wegen technischer Defekte nicht zuverlässig genug durchgeführt werden. Das ist schwierig, wenn man ein Busnetz betreiben möchte, das Menschen pünktlich zur Arbeit oder nach Hause bringt. Das größte Problem ist aber: Es gibt kaum Busse, zumindest nicht aus deutscher Herstellung.

Deutsche Hersteller sind zwar führend, wenn es um die Produktion einzelner Bauteile für E-Busse geht – ein fertiges Modell gibt es bislang aber nicht. Das soll sich allerdings schon im kommenden Jahr ändern: 2018 will Daimler den ersten serienreifen E-Bus aus deutscher Produktion auf den Markt bringen. Der schwedische Hersteller Volvo ist da schon viel weiter und hat einen vollelektrischen Bus im Programm. Dementsprechend war die schwedische Stadt Göteborg auch die erste, die bereits 2015 eine ganze Buslinie auf Elektrobusse umstellte. Es ist überall zu spüren: Der Elektrobus kommt langsam – aber er kommt.

Artikel vom   26. August 2017
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