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Sprachkurs to Go: Was taugen Fremdsprachen-Apps?

von Lena Ingers

Mit Fremdsprachen-Apps macht sogar Vokabeln-Büffeln Spaß. Trotzdem ist Ausdauer gefragt.

Sprachkenntnisse werden nicht nur von potenziellen Arbeitgebern geschätzt, sondern zahlen sich auch auf Reisen aus. Gerade die Deutschen sind laut einem Bericht der Europäischen Kommission erpicht darauf, ihren Sprachhorizont zu erweitern. Fast jeder Dritte hat hierzulande in den vergangenen Jahren eine neue Fremdsprache gelernt oder es sich zumindest vorgenommen. Tatsächlich war es nie einfacher, sich Grundkenntnisse in nahezu jeder Sprache von Norwegisch bis Mandarin anzueignen. Millionen Nutzer auf der ganzen Welt vertrauen dabei auf moderne Fremdsprachen-Apps wie Babbel, Duolingo oder Busuu. Aber nicht jedes Lernprogramm erfüllt die Erwartungen. Woran liegt das?

Die beiden beliebtesten Fremdsprachen-Apps zeigen: Der Preis spielt keine Rolle

Es klingt erstmal vielversprechend: Eine App als günstige und bequeme Alternative zum Sprachkurs im Klassenzimmer. Auf dem Handy oder Tablet hat man den Vokabeltrainer immer bei sich und kann in der U-Bahn oder im Wartezimmer ein paar Lektionen pauken. Lediglich das verfügbare Datenvolumen setzt dem freien Studieren unterwegs Grenzen. Die Lerninhalte sind in kleine Häppchen aufgeteilt, so dass schon wenige Minuten am Tag ausreichen, um Fortschritte zu verzeichnen. Das ist gut für die Motivation. Aber lernt man damit wirklich effizienter?

Ja, sagt eine Studie der City University of New York und der University of South Carolina, die den Spanischkurs von Babbel auf die Probe gestellt hat. Dabei wurde der Lernfortschritt von knapp 400 Lernenden untersucht, indem ihr Spanisch vor und nach dem Nutzen der App getestet und verglichen wurde. Nach insgesamt 15 Stunden verteilt auf einen Zeitraum von zwei Monaten hatten die Studienteilnehmer, die die App nutzten, den gleichen Wissensstand wie jemand, der ein Semester Spanisch für Anfänger an einer Hochschule belegt hat.

Je nach Abolaufzeit zahlen die Babbel-Nutzer dafür zwischen fünf und zehn Euro pro Monat. Der Preis allein ist aber noch kein Qualitätsmerkmal. So erfreut sich zum Beispiel auch die kostenlose App Duolingo aus den USA großer Beliebtheit. Duolingo finanziert sich durch Werbung und die Übersetzungsleistung seiner weltweiten Community.

Mit diesen Tricks arbeiten die Lernprogramme

Die App Duolingo ist bekannt für ihren spielerischen Ansatz. Lernerfolge werden durch Medaillen belohnt und Fortschritte veranschaulicht. Für jedes erreichte Etappenziel kann sich der Student auf die Schulter klopfen. Das Prinzip nennt sich Gamification und ist so erfolgreich, dass es von vielen Fremdsprachen-Apps angewendet wird.

Beobachtungen haben aber gezeigt, dass die Wirkung nur kurzfristig anhält. Auf die schnellen Erfolgserlebnisse am Anfang folgt bald eine Phase, in der es den Nutzern immer schwerer fällt, sich zum Lernen aufzuraffen. Viele werfen dann das Handtuch. Erhebungen von Busuu etwa haben gezeigt, dass mehr als 20 Prozent der Nutzer die App nach dem Herunterladen nur ein einziges Mal öffnen. Die übrigen Nutzer bleiben der App im Durchschnitt für ein Jahr lang treu.

Sätze nachsprechen, Bilder zuordnen und Dialoge vervollständigen – die meisten Fremdsprachen-Apps setzen auf ein ebenso einfaches wie bewährtes didaktisches Konzept, durch das sich Grundkenntnisse schnell erlernen lassen. Die Grammatiklektionen fallen allerdings meist knapp aus. Mit Verständnisfragen wird der Schüler allein gelassen.

Wer alleine lernt, verpasst das Beste

Das größte Hindernis für Sprachlernende besteht aber darin, das Gelernte anzuwenden. Viele haben Hemmungen, sich in der fremden Sprache zu unterhalten. Die Angst ist groß, sich vor dem Gegenüber zu blamieren. Dabei gehört das Gespräch zu den wichtigsten Übungen in jedem Sprachunterricht. Duolingo hat eine interessante Lösung dafür gefunden: Das Startup setzt intelligente Chatbots ein, mit denen sich der Nutzer textbasiert unterhalten kann. Diese Chatbots sind immer freundlich und geduldig und der Schüler kann sich seinen Satz in Ruhe zurechtlegen.

Das Berliner Startup Tandem geht einen anderen Weg: Über diese Plattform können sich Menschen aus aller Welt zum Sprachen lernen verabreden. Per Text, Sprachnachrichten und Videochats verbinden sich die Community-Mitglieder, sprechen über selbst gewählte Themen und lernen so die Sprache des jeweils anderen. Darüber hinaus fungiert Tandem als eine Vermittlungsplattform für erfahrene Sprachtutoren, die für etwa 15 bis 20 Dollar die Stunde einen individuellen Unterricht anbieten.

Fazit: Dranbleiben ist wichtig

Eine Sprache lernt man nicht im Handumdrehen. Ein paar Redewendungen für den nächsten Urlaub prägen sich durch eine App sicherlich schnell ein. Aber bis der Lernende die Sprache wirklich auf Konversationsniveau beherrscht, ist es ein weiter Weg. Ein Kurs, eine Sprachgruppe, eine Reise und tägliche Praxis können die durch eine Fremdsprachen-App erlernten Grundkenntnisse vertiefen. Der Fleiß und Ehrgeiz des Lernenden bleibt bei alledem ein entscheidender Faktor.

Artikel vom   08. Mai 2017
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