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Snapchat Spectacles: Die Welt, wie ich sie sehe

von Lena Ingers

Mit den neuen Snapchat Spectacles lassen sich kurze Videos aus der Ich-Perspektive aufnehmen. Aber Actioncams sind ihnen um Längen voraus.

Deutschlands Social Media-Landschaft hat ein neues Lieblings-Gadget. Bevor wir aber zu den Snapchat Spectacles kommen, hier eine kleine Einführung für alle, die mit der App noch nicht vertraut sind: Snapchat, das ist die Foto-Chat-App, mit der die Kids von heute ihr Datenvolumen und ihren Handyakku ans Limit bringen. Das ist die App mit dem niedlichen Welpen-Filter, den die Leute über ihre Selfies legen. Das ist die App, deren Konkurrenz Facebook so sehr fürchtet, dass es ständig neue Features in seinen Messenger-Dienst einbaut, bis dieser fast genauso aussieht wie Snapchat. Und zu guter Letzt: Das ist die App, bei der sich Nachrichten nach dem Öffnen nach einigen Sekunden von selbst löschen.

Anfangs wurde das Konzept noch belächelt. Doch spätestens seit dem Börsengang des dahinterstehenden Unternehmens Snap Inc. gilt Snapchat als eine feste Größe in der Social Media-Welt. Vor allem Jugendliche nutzen die App, um ihren Alltag in Fotos und sekundenlangen Videoschnipseln festzuhalten, mit Filtern, Emojis und Zeichnungen zu verzieren und an Freunde zu verschicken oder in Form von „Storys“ zu veröffentlichen, die 24 Stunden lang für alle Follower einsehbar bleiben.

Bei US-Teens sind die Snapchat Spectacles schwer angesagt

Seit neuestem wird die App des Facebook-Rivalen durch ein cooles Gadget ergänzt. Die Snapchat Spectacles, eine Sonnenbrille im coolen Retro-Look, haben eine eingebaute Kamera, die auf Knopfdruck 10-sekündige Videos aufzeichnet. So lassen sich besondere Momente aus der Ich-Perspektive festhalten und anschließend über die App teilen. Bisher musste man dafür immer das Smartphone herauskramen und den Finger auf dem Auslöser halten.

Zum Verkaufsstart im letzten Herbst war es aber alles andere als leicht, so eine Kamerabrille zu ergattern. Kaufen konnte man das Gadget nämlich nur an einem der knallgelben „Snapbot“-Automaten, die das Unternehmen im Zuge einer Marketingaktion an wechselnden Orten in den USA aufstellte. Sie waren meist schon nach kurzer Zeit ausverkauft – was natürlich für weitere Schlagzeilen sorgte und die Vorfreude bei den Fans nur noch steigerte.

Seit diesem Sommer sind die Snapchat Spectacles auch in Deutschland und Europa erhältlich. Für schlappe 150 Euro kann man die in drei Farben erhältliche Brille entweder online oder in einem Pop up-Store erwerben (wann und wo erfährt man auf der Webseite).

Und was kann die Brille?

Die Kamera am oberen rechten Brillenrand nimmt die Umwelt mit einer 115 Grad Weitwinkel-Linse auf, natürlich mit Ton. Eine Leuchte zeigt den Umstehenden an, dass gerade eine Aufnahme läuft. Die Clips werden anschließend per Bluetooth oder Wlan an die App übermittelt oder, wenn die Synchronisation gerade nicht möglich ist, zwischengespeichert. In dem dazugehörigen Brillenetui verbirgt sich ein Akku, mit dem die Brille nach dem Ablegen wieder aufgeladen werden kann. Mit dieser praktischen Ladestation reicht der Akku für etwa eine Stunde Videomaterial, rechnet der Guardian vor.

Genau wie man es aus Snapchat kennt, lassen sich die Videos entweder einzeln an Freunde verschicken oder zu einer „Story“ zusammenflicken und veröffentlichen. Das Format der Videos ist dabei kreisrund, verwandelt sich in der App aber in eine bildschirmfüllende Ansicht. Dabei ist es egal, ob man das Handy vertikal, horizontal oder schräg hält.

All das macht die Spectacles zu einem absolut idiotensicheren, schicken und verspielten Gadget, mit dem sich gut die Zeit vertreiben und das digitale Familienalbum mit einmaligen Inhalten befüllen lässt. Doch mehr als – nun ja: Snaps, also Schnappschüsse, sind nicht drin.

Actioncams haben deutlich mehr auf dem Kasten

Zum Glück gibt es noch andere Gadgets, mit denen sich Momente und Erlebnisse so einfangen lassen, wie man sie erlebt hat: Actionkameras wie die GoPro sind schon länger auf dem Markt und ermöglichen spektakuläre Aufnahmen unter extremen Bedingungen. Durch ihre Weitwinkelobjektive haben uns schon unzählige Extremsportler aus ihrer Sicht gezeigt, wie es ist, auf einem Surfboard die Wellen zu reiten, mit einem Mountainbike über einen schmalen Pfad hinwegzujagen oder steile Felswände zu erklimmen.

Mit gestochen scharfen Bildern in 4k Qualität, automatischer Bildstabilisation, wasserdichtem und schockresistentem Gehäuse, Halterungen für nahezu jeden Zweck und umfangreichem Profi-Equipment gilt die GoPro nach wie vor als der Goldstandard unter den Actioncams. Bei den neueren Modellen muss man nicht einmal mehr aufs Knöpfchen drücken: Die Aufnahme startet auch auf Zuruf.

Egal ob Windsurfen, Tauchen, Snowboarden oder Fallschirmspringen – es gibt kein Hobby, das nicht mit einer Actioncam dokumentiert werden könnte, denn sie sind klein, leicht, wahnsinnig robust und lassen sich problemlos um die Brust schnallen, oder beispielsweise am Helm oder am Lenker anbringen. Für den Zuschauer eröffnen sich dadurch völlig neue Perspektiven. So haben einfallsreiche GoPro Nutzer ihre Kamera auch schon mit Drohnen abheben lassen oder an das Halsband ihres Hundes geheftet. Natürlich kann man seine Actioncam auch einfach im Urlaub auf einen Selfiestick schrauben. Aber dafür sind die etwa 400 Euro teuren Kameras dann fast zu schade.

Artikel vom   17. Juli 2017
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