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Smartwatch und Co: Was bringen Wearables wirklich?

von Christian Zeiser

Armbanduhr, Knopf im Ohr, Fitnessband: Bringen Wearables wirklich einen Nutzen, oder sind sie doch nur Gimmicks? Unser Autor hat es eingehend ausprobiert.

Offensichtlich sollen Wearables laut Wünschen ihrer Hersteller auf die Art, wie wir kommunizieren und unsere Umwelt wahrnehmen, Einfluss nehmen. Auf jeden Fall, so das Versprechen, sollen sie unser Leben radikal erleichtern. Die letzte echte Revolution der mobilen Kommunikation fand im späten Herbst des Jahres 2007 statt und hörte auf den Namen „iPhone“. Folgt mit den Wearables nun die nächste?

Smartwatch: Mini-Phone am Handgelenk

Ein kurzes „Ping“, ein Vibrieren am Handgelenk – die Apple Watch befindet, ich solle mich mal wieder bewegen. Einen Gang in die Küche und mit einem »Kaffee-in-der-Hand-wieder-zurück-an-den-Schreibtisch-später« ist sie zufrieden und lobt mich, ich hätte eine weitere Stunde Herumsitzen verdient. Freilich kann die Apple Watch noch vieles mehr: Sie informiert über neue E-Mails und andere Kommunikation, dient als Fernauslöser für die Kamera des iPhones und beherrscht natürlich alles, was andere Uhren auch können, also Countdown, Stoppuhr und so weiter.

Nur: Das iPhone selbst kann die meisten dieser Dinge besser, schon allein wegen des deutlich größeren Displays. Wirklich praktisch sind Smartwatches nur bei wenigen Gelegenheiten. Wer häufig zu Fuß in fremden Umgebungen unterwegs und dann auf Navigation angewiesen ist, wird die Uhr lieben. Ein kurzer Blick auf das Display verrät den Weg viel dezenter, als wenn man mit dem Smartphone vor der Nase herumläuft und sich unweigerlich als ortsfremd offenbart. Auch wer viel Zeit in Meetings verbringt, wird ihre Funktionalität zu schätzen wissen, denn ein schneller Blick auf die Uhr ist unauffälliger als der Griff zum Smartphone, um kurz nach Neuigkeiten zu sehen. Nur: Wirklich zwingend ist eine Smartwatch bisher noch nicht, vor allem nicht für den teils dafür aufgerufenen Preis. Dazu sind die Bedürfnisse, die sie befriedigen, noch zu speziell.

Sony Xperia Ear: Captain, ich empfange etwas

Ich fühle mich an Lieutenant Uhura aus Star Trek und ihren berühmten Griff ans Ohr erinnert, als ich zum ersten Mal das Sony Xperia Ear ausprobiere. Ein kleiner, nicht einmal sieben Gramm schwerer Knopf im Ohr dient als neueste Schnittstelle zwischen dem Smartphone und seinem Benutzer. Er besitzt eine einzige Taste und quittiert einen Druck darauf mit einem freundlichen „Ich höre“. Das Xperia Ear versteht eine Reihe gesprochener Anweisungen, etwa Fragen nach Terminen, Wetter, Nachrichten oder Anrufen. Das bringt vor allem mehr Wahrnehmung der Umgebung. Neuigkeiten zugeflüstert zu bekommen, bedeutet, nicht mehr ständig auf das Display des Smartphones blicken zu müssen.

Noch ist der Funktionsumfang des Xperia Ear etwas eingeschränkt, so versteht das Gerät zum Beispiel die Frage nach neuen E-Mails nicht. Dies dürfte sich mit der Zeit ändern. Das, was es kann, kann es sehr gut. Enorm praktisch ist etwa die Möglichkeit, sich ganz ohne Display navigieren zu lassen. Seinen Job, die Aufmerksamkeit des Trägers wieder weg von Smartphone-Display auf die Umgebung zu lenken, erledigt das Xperia Ear schon recht gut. Allerdings lenkt es unweigerlich auch die Aufmerksamkeit eines Gesprächspartners auf den Knopf im Ohr. „Du hast da was“ war eine nicht seltene Bemerkung während der Testphase. Ein wenig leidet das Xperia Ear also unter dem Google-Glass-Syndrom: Es verwandelt seinen Träger in einen leicht seltsamen Geek. Insofern ist der smarte Knopf kein Gerät, das man häufig trägt.

Fitnessarmbänder: Einfach gedacht, richtig gemacht

Man sieht sie immer häufiger: Dezente Bänder an den Armen von Läufern oder anderen Fitness-Trainierenden. Ob Fitbit, Moov Now oder Jawbone: Sie alle erfüllen im Prinzip denselben Zweck, nämlich die Aktivitäten der Trägerin oder des Trägers aufzuzeichnen, um das Trainingsprogramm verfolgen und gegebenenfalls optimieren zu können. Prinzipiell können viele Smartwatches dies auch, allerdings sind Fitness-Tracker deutlich günstiger. So hilft Moov Now etwa durch gesprochene Anweisungen, mehr Schwung in das eigene Work-out zu bringen. Eine freundliche Stimme feuert an, wenn beim Laufen das Tempo zu sehr nachlässt. (Hier gibt es einen ausführlichen Test.) Im Gegensatz zu anderen Wearables haben Fitness-Tracker einen einfachen Vorteil: Sie sind auf genau eine Aufgabe zugeschnitten. Für Trainierende sind sie auf jeden Fall nützlich und hilfreich. Bis dies auch für Allround-Konzepte wie Smartwatches und andere Ideen gilt, vergeht sicher noch etwas Zeit.

Artikel vom   06. Dezember 2016
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