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Smartphone statt Pille: So funktionieren Verhütungs-Apps

von Lena Ingers

Immer mehr Frauen nutzen Verhütungs-Apps, die vor einer Schwangerschaft ohne Hormone schützen. Wie sicher ist das?

Für Frauen gibt es viele gute Gründe, ihren Menstruationszyklus mit Hilfe von Apps zu protokollieren und zu prognostizieren. Die einen wollen schwanger werden, die anderen wollen genau das vermeiden. Wieder andere möchten mehr darüber herausfinden, wie sich die Hormone auf ihren Körper, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden auswirken. Inzwischen gibt es zahllose Verhütungs-Apps und Gadgets, die den Zyklusverlauf tracken und vorhersagen. Damit wird Frau nie wieder von der Periode überrascht. Und Paare können auf natürliche Art verhüten. An den fruchtbaren Tagen, also an den Tagen vor und nach dem Eisprung, haben sie dann die Wahl, ob sie ganz auf Geschlechtsverkehr verzichten oder lieber Kondome benutzen. Paare mit Kinderwunsch hingegen könnten ihrem Glück auf die Sprünge helfen, indem sie in der fruchtbaren Phase besonders oft miteinander schlafen. Doch die Messmethoden der Anbieter variieren und sind nicht gleichermaßen präzise. Wir geben einen Überblick, welches Produkt für wen geeignet ist.

Keine Verhütungs-App, aber trotzdem praktisch: Clue

In das digitale Menstruationstagebuch Clue kann Frau alle möglichen Informationen eingeben, die im Zusammenhang mit ihrem Hormonzyklus stehen (könnten). Dazu gehören die offensichtlichen Symptome wie Blutung oder Ausfluss, aber natürlich auch Angaben darüber, wann man zuletzt Geschlechtsverkehr hatte. Auch subjektive Beobachtungen zu Stimmung, Hautbild, Libido, Konzentrationsvermögen, Heißhunger und vieles mehr werden von der App erfasst. Bis zu 28 verschiedene Kategorien kann die Nutzerin freischalten. Startup-Gründerin Ida Tin verspricht, in ihrer App „garantiert keine Blumen, Schmetterlinge, Umschreibungen oder Pink“ einzusetzen. Stattdessen geht es bei Clue ausgesprochen sachlich zu. Die Startseite zeigt eine kreisförmige Grafik, die den typischen Zyklusverlauf darstellt. Zu jeder Phase bietet die App wissenschaftlich fundierte Hintergrundinformationen an. Genau das macht Clue zu einem idealen Aufklärungs-Tool für sie und ihn. Die meisten Menschen wissen nämlich viel zu wenig über den weiblichen Zyklus. Mit Hilfe von Clue können Frauen ihren Körper besser kennen lernen und ihr neu gewonnenes Wissen mit dem Partner teilen. Zu Verhütungszwecken sind die App-Informationen aber nicht ausreichend.

Natürliche Familienplanung (NFP) mit Hilfe der symptothermalen Methode

Richtige Verhütungs-Apps wie OvuView, myNFP oder Natural Cycles kombinieren die Kalendermethode, bei der die fruchtbaren Tage einfach anhand von Durchschnittswerten berechnet werden, mit der viel genaueren symptothermalen Methode. Dabei wird der Zeitpunkt des Eisprungs anhand von objektiven Regeln ermittelt. Denn unter dem Einfluss der Hormone steigt die Körpertemperatur nach dem Eisprung um 0,2-0,45°C an. Auch Aussehen und Konsistenz des Zervixschleims verändern sich merklich. Zusammen mit der Regelblutung sind diese körperlichen Symptome am besten geeignet, um die fruchtbare Phase einzugrenzen. Die Methode ist schon lange bekannt und gilt, wenn sie richtig angewendet wird, als ähnlich sicher wie die Pille. Aber die Apps machen sie erst jetzt so richtig populär. Die Smartphone-Programme übernehmen die Rechenarbeit und stellen die Ergebnisse übersichtlich und verständlich dar. Dem Startup Natural Cycles aus Schweden ist es sogar bereits gelungen, den TÜV Süd von seinem Algorithmus zu überzeugen. Diese App ist jetzt offiziell ein TÜV-zertifiziertes Verhütungsmittel.

Mit Bio-Sensoren schneller zum Kinderwunsch

Damit die App-Methode funktioniert, müssen die Nutzerinnen jeden Morgen ihre Körpertemperatur messen und sogar mehrmals täglich die Scheidenflüssigkeit kontrollieren. Das ist gewöhnungsbedürftig und erfordert viel Disziplin, vor allem in den Anfangsmonaten. Es gibt zwar auch Gadgets, die einem diese Arbeit abnehmen. Doch die Hardware ist nicht gerade billig und in erster Linine für Paare gedacht, die sich ein Kind wünschen und die Schwangerschaft möglichst schnell herbeiführen möchten. Biosensoren wie der Ovularing oder das Tracking-Armband Ava erfassen relevante Gesundheits-Daten wie die Körpertemperatur, Schlafrhythmus und Herzfrequenz vollautomatisch und müssen nur noch mit der dazugehörigen Software synchronisiert werden. So erfährt das Paar in Echtzeit, wann sich das Fertilitätsfenster öffnet und es mit der Empfängnis klappen könnte.

Fazit

Verhütungs-Apps erwecken oft den Eindruck, dass das mit dem Eisprung, dem Zyklus und der Sexualität alles ganz „easy“ sei. Das ist einerseits gut, denn das Thema wurde lange tabuisiert. Doch ob man sich bei einem wichtigen Thema wie Verhütung einer App anvertraut, will gut überlegt sein. Dafür spricht, dass es sich beim NFP um eine nebenwirkungsfreie Alternative zur Pille handelt. Dagegen spricht die Tatsache, dass man oft nicht weiß, nach welchen Methoden und Algorithmen die App arbeitet und ob die wertvollen Gesundheitsdaten auch in sicheren Händen landen. Die symptothermale Methode richtig anzuwenden, erfordert zudem Übung. Man muss erst lernen, die Signale des Körpers richtig zu deuten und Störfaktoren zu identifizieren. Und nur wer alles gewissenhaft dokumentiert, profitiert von der Auswertung der Daten. Interessant und lehrreich sind die persönlichen Statistiken auf jeden Fall. Und wer auf Nummer sicher gehen will, nutzt am besten weiterhin Kondome.

Artikel vom   22. März 2017
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