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Smarte Sprachsteuerung: Smart Home hört aufs Wort

von Rüdiger Maulko

Derzeit werden wichtige Grundlagen für die Zukunft von Smart Home gelegt. Besonders im Fokus steht die Sprachsteuerung, die optimalen Bedienkomfort verspricht. Wer momentan den Ton angibt, erfahren Sie hier.

Siri: Von der Smartphone- zur Smart Home-Assistentin

Apple ist ein Pionier der smarten Sprachsteuerung. Bereits 2011 stellte die Kultmarke Siri vor, die seitdem für viele Smartphone-Besitzer zum unverzichtbaren Helfer im Alltag geworden ist. In letzter Zeit positioniert Apple seine Assistentin verstärkt als Steuerung von Smart Home. Damit Siri tätig werden kann, sind Voraussetzungen zu erfüllen: Eine möglichst aktuelle Apple Hardware sollte vorhanden sein, die beteiligten Smart Home-Geräte sollten mit Apples HomeKit-Schnittstelle kommunizieren können. Als heimische Steuerungszentralen können das iPad oder Apple TV dienen, die zunächst als sogenannte HomeKit-Hubs eingerichtet werden müssen. Apple stellt für die Festlegung und Verwaltung von Steuerungsabläufen eine eigene App mit dem Namen „Home App“ zur Verfügung.

Siri harmoniert aber auch mit Apps anderer Hersteller. Stolze Besitzer der Philips Hue Bridge 2.0 können die Hue App nutzen. Hat man darin die Lieblingsbeleuchtung einzelner Wohnräume definiert, steht einer Sprachsteuerung nichts mehr im Wege. HomeKit kompatible Geräte verschiedener Hersteller können vernetzt werden, wodurch der Bedienkomfort erheblich gesteigert wird. Arbeitet Siri etwa die definierte Aufgabe „Gehe ins Bett“ ab, schaltet sie in einem Rutsch das Licht aus, regelt in einzelnen Räumen die Thermostaten runter und aktiviert das Sicherheitssystem. Über Fernzugriff etwa per iPhone können festgelegte Aufgaben auch dann erledigt werden, wenn man außer Haus ist. Befindet sich eine Apple Watch im Haus, können smarte Systeme wie Philips Hue äußerst bequem sprachgesteuert werden.

Alexa: Lifestyle-Sprachsteuerung aus der Box

Mit Amazon Echo drängt derzeit ein smarter Lautsprecher auf den deutschen Markt, der uns die Sprachassistentin Alexa an die Seite stellt. Die säulenförmige Box, die aktuell 179,99 Euro kostet, verfügt über einen eingebauten Lautsprecher und mehrere Mikrofone. Um Kommandos auch aus weiterer Entfernung oder bei einer gewissen Geräuschkulisse möglichst korrekt verarbeiten zu können, wird moderne Richtstrahltechnologie eingesetzt. Wer sein Smart Home besonders kostengünstig auf Sprachsteuerung umstellen möchte, kauft sich für lediglich 59,99 Euro den kleineren Bruder Echo Dot. Er bietet den gleichen Funktionsumfang, hat allerdings einen kompakteren Lautsprecher, ein Anschluss für besseren Sound via Anlage ist aber vorhanden. Der „Echo-Winzling“ ist ideal für eine kostengünstige Multiroom-Lösung. Will man Alexa etwa in der Küche, im Wohn- und Schlafzimmer um sich haben, entspricht der aufzuwendende Betrag gerade mal dem Anschaffungspreis der größeren Echo-Box. Wenn ein besserer Lautsprecher gewünscht ist, ist eine Kombination der beiden Geräte zu empfehlen. Leider machen sich die smarten Boxen auf dem deutschen Markt noch rar. Erhältlich sind sie derzeit nur auf Einladung, man muss also Wartezeit einplanen.

Geduld ist auch nötig, wenn die fest verdrahteten Boxen auch mobil genutzt werden sollen – die akkubasierte Erweiterung „Amazon Tap“ ist in Deutschland aktuell noch gar nicht erhältlich. Hat man einen Echo ergattert und die obligatorische Einrichtung in wenigen Schritten erledigt, legt sich Alexa auf die Lauer. Registriert sie ihren Namen, aktiviert sie sich und nimmt Befehle entgegen. Spezielle Bediengeräte wie ein Smartphone sind nicht vonnöten. Alexa ist ein wahres Multitalent: Via Internetanbindung werden auf Kommando Radiosendungen oder Musikdienste wie Spotify abgerufen, man erhält Infos übers Wetter oder die aktuelle Verkehrslage. Und wer möchte, lässt sich von seiner neuen Sprachassistentin Wikipedia-Artikel oder Kochrezepte vorlesen. Auch Einkaufslisten lassen sich anlegen und erweitern.

Amazon Echo kann seine Funktionsvielfalt durch sogenannte Skills kontinuierlich erweitern. Skills können Amazons eigene Services sowie externe Angebote sein, die sich per Sprachbefehl oder in der Alexa-App nach Bedarf aktivieren lassen. In den USA, wo Echo seit 2014 erhältlich ist, gibt es aktuell bereits um die 3000 Skills. In Deutschland ist das Angebot noch überschaubar. Es ist aber damit zu rechnen, dass sich gerade Smart Home-Anbieter der innovativen Steuerung bedienen. Zu den Early Adoptern der Amazon-Technik gehört neben Philips Hue auch der Anbieter tado°, der ein smartes Heizungssystem auf den Markt gebracht hat. Echo-Besitzer können mit Alexa die Heizkörper besonders komfortabel nach individuellen Bedürfnissen steuern, darüber hinaus spart das intelligente System reichlich Energie und berücksichtigt dabei sogar die Wettervorhersage. Verknüpft man etwa die Heizung mit der Philips Hue-Beleuchtung, können komplexere Smart Home-Szenarien umgesetzt werden.

Und was macht die Konkurrenz?

Es mag kaum verwundern, dass eine derart zukunftsträchtige Technologie auch das Interesse anderer Player erweckt. In Deutschland haben allerdings Apple und Amazon beim sprachgesteuerten Smart Home momentan die Nase vorn. Insbesondere Amazon bietet mit Amazon Echo voraussichtlich in naher Zukunft die Möglichkeit, auch die EinfachSmart Home Base über angebundene Lautsprecher akustisch steuerbar zu machen. Google Home, das wie Amazon Echo als smarter Lautsprecher daherkommt, ist hierzulande noch nicht offiziell erhältlich. Die Sprachsteuerung via Cortana und Windows 10 ist in deutschen Haushalten – zumindest derzeit noch - nicht besonders populär. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, wer mit Alexa und Siri mithalten kann.

Hoher Coolness-Faktor, aber noch etwas einsilbig

Eines ist sicher: Sprachsteuerungen machen Smart Living so geschmeidig und flexibel wie nie. Zugverbindungen sind via Alexa schnell ermittelt, Taxibestellungen im Handumdrehen erledigt. Und wer freut sich nicht über eine aufmerksame Befehlsempfängerin, wenn die händische Bedienung per iPad oder Smartphone gerade nicht möglich ist? Speziell Menschen mit eingeschränkter Mobilität werden wohl bald nicht mehr auf die smarten Assistenten verzichten wollen. Außerdem ist es schlichtweg cool, wenn man mal eben locker aus der Hüfte sein Zuhause temperiert und erleuchtet. Die Techniken sind relativ neu, haben also noch mit Kinderkrankheiten und Problemen zu kämpfen. So wird sicher noch einige Zeit vergehen, bis über einfache Sprachbefehle hinaus eine komplexere Verständigung mit Siri, Alexa & Co möglich ist. Deutsch an sich ist ja schon eine schwere Sprache, die vielen Dialekte machen die Sache noch komplizierter. Diskutiert wird derzeit auch, ob die Anbieter von Spracherkennungen mehr für den Datenschutz tun müssen. Schließlich sammeln die Assistenzsysteme permanent Daten, um sich zu verbessern und sich an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer anzupassen. Smart Home-Geräte benötigen zum Glück nur simple Standardbefehle wie „Licht an/Licht aus“. Hält man sich an vorgegebene Formulierungen, klappt die Steuerung per Zuruf schon recht gut und die smarte Helferin erfährt nicht mehr als nötig.

 

Artikel vom   28. November 2016
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